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MÜNCHEN/ Bayerische Staatsoper: TURANDOT. Powerpaar ohne happy end

04.07.2026 | Oper international

3.7.2026 Bayerische Staatsoper TURANDOT

Powerpaar ohne happy end

tura

2011 kreierte die katalanische Theatergruppe La Fura dels Baus (Carlus Padrissa) auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper ihren eigenen Theaterkosmos über Puccinis Letztlingswerk: Die Kulisse ist voll mit Anspielungen an das „alte“ und das „neue“ China, Akrobaten, Menschen in Türmen, Skatern, bunten Lichtern, Symbolen und einem großen Auge, das über das Geschehen wacht. Die Massen werden bewegt, die Totenköpfe rollen, die Herrscher spielen ihre üblen Spiele der Willkür – All dies wird großteils in fernöstlicher Ästhetik gezeigt, ohne dass dabei der Zauber und Charme des Märchens über die todbringende Prinzessin mit ihren unbeantwortbaren Fragen verloren geht. Die Regie schafft es somit, zwei Welten zu kreieren, die einander nicht stören, sondern vielmehr ineinander fließen. Ein geglücktes Meisterwerk zwischen Bebilderung, Symbolik und der Kapazität, Menschen zueinander in Beziehung zu setzen – Ästhetisch also ganz anders als man es in der Wiener Heimat von der grünlichen gleichermaßen charmebefreiten wie zwangspsychologisierenden Marsmännchenarmada kennt.

Andrea Battistoni, Veroneser, derzeit als musikalischer Leiter in Turin und Australien vielbeschäftigt, ist die musikalische Leitung der Aufführung anvertraut. Im ersten Akt gelingt es ihm nicht vollständig, den vom Komponisten so einmalig vorgegebenen Spannungsbogen zu halten. Ab Liùs „Signore, ascolta“ bis zum vermeintlich tödlichen Gong des unbelehrbaren Prinzen sollte sich die musikalische Dichte bis zur Unerträglichkeit aufbäumen, was nur bedingt erfolgt. Manches erscheint verwaschen, die Härte fehlt. Im zweiten Akt hingegen kann Battistoni uneingeschränkt reüssieren und versteht es, aus dem häufig etwas zäh daher kommenden retardierenden Moment der Ministerkonversation ein Kabinettstück zu machen. Die sodann einsetzende Kernszene des Abends mit Turandots großer Arie – sie singt diese erhöht, und das Leiden ihrer Ahnin wird bebildert – mit der nachfolgenden Rätselszene – mit jeder Beantwortung wird sie samt Entourage eine Etage tiefer gesenkt – gelingt aufregend und spannungsvoll – der Bayerische Staatsopernchor im Übrigen blendend einstudiert mit vollem Klang –, um im dritten Akt wiederum etwas an Verve zu verlieren, was aber auch damit zusammenhängt, dass die Aufführung mit Liùs Tod und dem nachfolgenden Abgesang auf sie quasi verklingt. Zwar ein intimer Moment, aber nicht das pompöse Ende, das den ganzen Abend hindurch im Werk angelegt erscheint. Schlusslos zum Schluss quasi.

Als Turandot agiert eine der bedeutendsten dramatischen Sopranistinnen unserer Tage, die US-Amerikanerin Sondra Radvanovsky, geradezu eine Idealbesetzung für die chinesische Prinzessin, stimmlich natürlich vielmehr Kaiserin als junges Mädchen, die zeigt, dass sie die wahre Herrscherin in Peking ist. Ihre Stimme kraftvoll und aufregend, jeder Spitzenton sitzt, mühelos Chor und Orchester übertönend muss sie sich widerwillig in ihr durch das Libretto vorgegebene Schicksal fügen. Niederlagen ist diese Turandot nicht gewohnt. Der Sieg durch die Liebe wird ihr in dieser Fassung allerdings verwehrt. „In questa reggia“ hat man selten so unerbittlich, aber trotzdem klangschön gehört.

Ihr zur Seite der Koreaner Yonghoon Lee, eine wahre spinto-Stimme auch ohne Mühe die Klangmassen bewältigend, als Calaf, von Anfang an siegesgewiss, kann er selbstverständlich mit dem ewigen Gassenhauer „Nessun dorma“ einen Extraapplaus provozieren.

In ihrer ersten Arie „Signore, ascolta“ enttäuscht die südafrikanische Sopranistin Golda Schultz als Liù noch, die Stimme klingt zu wenig rund, am Ende kann sie allerdings mit einem innig interpretierten „Tu, che di gel sei cinta“ punkten.

Christian Van Horn ideal besetzt wohlklingend und traurig als Timur, neben seiner furiosen Tochter etwas abfallend Kevin Conners als Kaiser. Auch die weiteren Protagonisten überzeugen.

Dem durch Rätsellösung vereinigten Powerpaar hätte man allerdings ein happy end vergönnt.

Sabine Längle

 

 

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