München/ Bayerische Staatsoper, 28.07.2026 Bayerische Staatsoper „Rigoletto“
Wenn Wien pausiert, empfiehlt sich ein Besuch bei den Nachbarn. „Rigoletto“ wird hierorts ziemlich stiefmütterlich behandelt, also ergreift man die Gelegenheit, das Werk in einer relativ neuen Produktion (März 2026) zu erleben. Vor wichtigen Neuerungen, dieses Mal nicht Cinecitta (Volksoper) oder amerikanisches Mafia-Milieu (MET), bleibt man aber auch hier nicht verschont. Die Inszenierung von Barbara Wysocka spielt in der Gegenwart, irgendwo – es sieht aus, als wäre das Geschehen in einer großen Firma angesiedelt. Zahlreiche gut gekleidete Herren, vermutlich der erweiterte Vorstand, führen dem Herzog-Generaldirektor schöne Damen vor, meist gegen den Willen der angetrauten Gatten. Gearbeitet wird nicht, vermutlich wird die Firma den nächsten Ersten nicht überleben. Rigoletto passt irgendwie auch nicht in diese Firma, Hofnarren braucht es da ja nicht, Hausmeister ist er auch nicht, aber zu den Subalternen gehört er wohl. Die Handlung läuft im Übrigen dem Original entsprechend ab, mit Fluch – Aufopferung Gildas – und deren letalem Ende. Das Bühnenbild (Barbara Hanicka) entspricht etwa der Firmen-Idee, die Kostüme (Julia Kornacka) passen gut, da hat man nicht gespart.
Die Musik war dann doch Retterin in der Not. Mit Maurizio Benini stand ein vortrefflicher Kenner Verdischer Musik am Pult. Er dirigierte das gut disponierte Orchester mit Umsicht und dem nötigen Temperament. Mit dem Chor hatte er allerdings gelegentlich Koordinationsprobleme. Von den Solisten ist über alle anderen Nadine Sierra als Gilda zu stellen. Mit welch feiner Phrasierung, Innigkeit und sicherer Höhe sie diese Rolle bewältigte, war sensationell. Schon allein ihretwegen lohnte sich die Reise nach München. Bekhzod Davronov war ein ausgezeichneter Herzog, stimmlich. Makellos mit tollen Spitzentönen, aber doch nicht eben der große Verführer. Dazu fehlt es ihm auch an der wichtigen Italianita. Ludovic Tessier, derzeit einer der gefragtesten Baritone, war in der Titelrolle bemüht, den rasenden, eifersüchtigen Vater mit hundertzwanzig-prozentigem Stimmeinsatz darzustellen. „Cortigiani“ war eine Stimmexplosion der Sonderklasse, wenn man diese Intensität mag. Leider blieb danach die lyrische Stimme im „Piangi“ auf der Strecke, man sollte mit den Kräften haushalten. Riccardo Fassi war ein wuchtiger Sparafucile mit ausreichen Kraft in tiefen Lagen. Rihab Chaieb sang die Maddalena hervorragend.
Aber dank Nadine Sierra wurden die kleineren Schwächen mühelos überdeckt, das Publikum feierte eine sehr gute Vorstellung – für Münchner Verhältnisse – überdurchschnittlich enthusiastisch

