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MÜNCHEN/Bayerische Staatsoper/ Opernfestspiele: DIE TEUFEL VON LOUDUN“ von Krzysztof Penderecki

08.07.2022 | Oper international

München: Opernfestspiele der Bayerische Staatsoper: „DIE TEUFEL VON LOUDUN“, 07.07.2022

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Foto: Wilfried Hösl

München: Opernfestspiele der Bayerische Staatsoper: „DIE TEUFEL VON LOUDUN“, 07.07.2022

Von der diesjährigen Festspielpremiere „DIE TEUFEL VON LOUDUN“ (Musik: Krzysztof Penderecki) konnte wegen Corona-Fällen im Ensemble nur die letzte Vorstellung am 07.07. wie geplant stattfinden. In der Premiere am 27.06. musste Hauptdarsteller Wolfgang Koch auf der Bühne durch Schauspieler Robert Dölle ersetzt werden, Jordan Shanahan sang aus dem Orchestergraben für ihn. Die beiden weiteren Vorstellungen am 30.06. und 03.07. konnten gar nicht stattfinden. Nun also die erste und in dieser Spielzeit auch letzte planmäßige Aufführung. Das Stück ist für das Publikum eine echte Gratwanderung: Kann man sich in der besuchten Vorstellung auf das Sujet, das auf einem dokumentarischen Roman von Aldous Huxley basiert, einlassen, so wirft es viele spannende und teils auch sehr aktuelle Fragen auf, wie zum Beispiel Sexualmoral in der Kirche, Beweggründe für die Inquisition, Umschlagen unerwiderter Liebe in Hass. Die Inszenierung von Simon Stone im Bühnenbild von Bob Cousins und den Kostümen von Mel Page erzählt die äußere Handlung sehr anschaulich, ohne dem Publikum eine bestimmte Deutung aufzuzwingen. Die Sänger – oder fast muss man hier sagen – die Darsteller verkörperten ihre Partien mit höchster Intensität. Zuvörderst ist hier Ausrine Stundyte als Nonne Jeanne zu nennen, die den von ihr bis zur Besessenheit geliebten Priester Grandier aus Rache für seine Zurückweisung des Bundes mit dem Teufel anklagt und sich zum „Beweis“ mehreren Exorzismen unterzieht. Ausrine Stundyte verkörperte diesen Charakter mit all den ihm innewohnenden Emotionen von Hysterie, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit bis hin zu Sarkasmus und schwarzem Humor. Eine großartige Leistung! Ebenfalls herausragend waren Wolfgang Ablinger-Sperrhacke als machtbesessener, grausamer und eiskalter Baron de Laubardemont und Martin Winkler als teuflischer Vater Barré. Einzig Wolfgang Koch konnte seine Rolle des überaus attraktiven und anziehenden, der Damenwelt sehr zugeneigten Priesters Grandier, der überall Erfolg hat und daher auch viele Neider auf sich zieht, die am Ende grausam über ihn triumphieren, nicht ganz überzeugend ausfüllen. Sein Bühnencharakter war zu wenig charismatisch und zu durchschnittlich als dass man verstanden hätte, warum sich genau an dieser Figur der ganze Irrwitz der Handlung entzündet. Dennoch standen insgesamt Inszenierung und Darsteller einer positiven Rezeption des Stückes eigentlich nicht entgegen. Findet man als Zuschauer an dem bestimmten Abend jedoch den Schlüssel zu diesem Werk für sich nicht, so kann es einem auch als zusammenhanglose Aneinanderreihung von Absurditäten, Obszönitäten und grausamen Szenen vorkommen, die keinerlei Gesamtaussage enthalten und die einen mit Abgründen konfrontieren, mit denen man sich nicht gezwungenermaßen über zwei Stunden lang ohne Pause auseinandersetzte möchte. Denjenigen aus dem Publikum, die die Aufführung vor dem Ende verließen, mag dies so gegangen sein, was durchaus auch nachvollziehbar gewesen wäre. Unabhängig davon, wie man zu dem Inhalt der Oper stand, so konnte man sich auf jeden Fall auf die facettenreiche Musik konzentrieren, die von großflächigem Choral bis abgehackten Einzelgeräuschen alles enthält, und die das Bühnengeschehen nicht nur untermalt, sondern ihm einen eigenständigen, faszinierenden Ausdruck verleiht. Vladimir Jurowski und das Bayerische Staatsorchester interpretierten Pendereckis Komposition virtuos und begeisternd. Die große Mehrheit des Publikums spendete am Ende starken Applaus für alle Beteiligten.

Gisela Schmöger

 

 

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