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MÜNCHEN/ Bayerische Staatsoper: Live-Stream mit dem Bayerischen Junior Ballett München im Nationaltheater

02.02.2021 | Ballett/Tanz

Live-Stream mit dem Bayerischen Junior Ballett München im Nationaltheater am 1.2.2021/MÜNCHEN

Viele tanzende Faune

 In einer furiosen Choreographie von Jörg Mannes konnte die Uraufführung der Choreographie „Unsterbliche Geliebte“  mit Musik von Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 in G-Dur op. 58 sehr überzeugen. Die Meisterschaft der thematischen Arbeit wurde hier auf die jungen Tänzerinnen und Tänzer suggestiv übertragen. Das Konzertieren zwischen Soloinstrument und Orchester erfuhr so eine wunderbare Entsprechung. Ein enormer Ausdrucksreichtum brach sich in feingliedrigen Bewegungsflächen Bahn, der dem lyrisch-innigen Grundton dieser Musik gerecht wurde. Die Pianistin Julia Hermanski und das Bayerische Staatsorchester unter der einfühlsamen Leitung von Myron Romanul begleitete die Kompanie mit sphärenhafter Leichtigkeit und schwungvollem Elan. Bestechende Farbspiele der Harmonik übertrugen sich dabei auf die tänzerischen Bewegungen, wobei das still-versonnene Kopfthema facettenreich zum Vorschein kam. Ein wahres Wunder an Wandlungsfähigkeit beschwor diese Stimmung, die sich immer weiter ausdehnte. Auch der kräftige Rhythmus des Seitenthemas wurde präzis akzentuiert. Die Bewegungskraft dieser beiden Themen erfassten die Tänzer bei diesem Stück nuancenreich. Der Gegensatz von Orchester und Klavier geriet nie aus dem Gleichgewicht, wobei sich die Unterschiede in den dramatischen Bewegungen weiter zuspitzten. Die Unbeschwertheit des Schluss-Rondos erfuhr bei dieser Darbietung immer wieder neue Varianten. In der subtilen Choreographie von Maged Mohamed und der Musik von Sergej W. Rachmaninow und Jacopo Salvatori überzeugte das Stück „Stimmenstrahl Trio“ nicht weniger, weil die Tänzer Phoebe Schembri (Dame) und Jacopo Iadimarco sowie Camillo Lussana (Herren) ganz ineinander aufgingen und sich fast genial in schemenhaften Silhouetten ergänzten. Weiche Melodien folgten Temperamentsausbrüche in effektvoller Aufmachung. Das letzte Stück „UnHeaven“ in der Choreographie von Martina La Ragione und der Musik von Carl Orff („Musica Poetica“, „Tanzende Faune“) begeisterte aufgrund der visuellen Einfallskraft. Da lagen die Tänzerinnen und Tänzer zunächst zwischen vielen Federn auf dem Boden und erhoben sich erst ganz allmählich wie geheimnisvolle Statuen. Dabei offenbarten sich auf dem Bühnenboden plötzlich verschiedenartige Muster, die umso geheimnisvoller wirkten, je mehr sie sich auffächerten. Die vitalen Kräfte des Rhythmus bis hin zu ganz versteckten frühbarocken Elementen und unterschiedlichsten Klangkombinationen machten die tänzerische Begegnung mit Orffs Musik hier zu einem ganz besonderen Erlebnis. Plastische Gestalt und Lebensfülle dieser Harmonik spornte die Tänzer an. 

Alexander Walther

 

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