Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

MÜNCHEN/ Bayerische Staatsoper im Cuvilliestheater: DIE ENGLISCHE KATZE

09.11.2025 | Oper international

MÜNCHEN / BAYERISCHE STAATSOPER IM CUVILLIES-THEATER: DIE ENGLISCHE KATZE von Hans Werner Henze am 7.11.2025

katz
Copyright: Bayerische Staatsoper/ Geoffroy Schied

Nächstes Jahr ist Henze-Jahr (100.Geburtstag). Seltsamerweise wird dieser doch eigentlich sehr zuhörerfreundliche Komponist (wofür er von der Donaueschinger-Sekte sehr angegriffen wurde) nur noch selten gespielt – außer vielleicht sein „Junger Lord“,  „Die Bassariden“ oder „Das Floß der Medusa“.

Die Bayerische Staatsoper unter Serge Dorny hat jetzt zur Eröffnung der Spielzeit diesem Jubiläum vorgegriffen und ist in der Auswahl des Stücks in kühner Weise noch darüber hinausgegangen: denn sie präsentierte im entzückenden Cuvilliès-Theater die selbst Henze-Fans nur vom Hörensagen bekannte Oper Die Englische Katze.

Es ist ein einzigartiges Werk. Denn schon das Libretto von niemand geringerem als Edward Bond (nach der Novelle „Peines de coeur d’une chatte anglaise von Honoré de Balzac) widersetzt sich auf entschiedenste Weise allen herkömmlichen Opernlibretti-Dramaturgien. Alle Nacherzählungen und Beschreibungen als Menschen-Katzen-Parodie, als politische Satire greifen unendlich viel zu kurz.

Bonds Katze ist eine tragédie humaine, immer überraschend und unvorhersehbar in ihren abrupten Wendungen zwischen Komödie, Groteske und Trostlosigkeit: ein einzigartiges Meisterwerk sui generis.

Henzes Musik steht dieser Vorlage in interessanten Kleinteiligkeit  und ironischer Zitatenfreude in nichts nach. Brilliant !

Christiane Lutz wurde für ihre Regie von Kritikern, die das Werk gar nicht kennen können auf dümmlich-oberflächliche Art kritisiert: sie hätte den Katzen die Zähne gezogen, sie hätte die „politische Gesellschaftssatire“ verharmlost. Aber lest einmal den Text und hörts einmal der Musik zu, liebe vorurteilsbehaftete, in irgendeinem Opernführer die Zusammenfassung gelesen habende Ignoranten: die Englische Katze ist genau das alles nicht, sie geht in ihrer universellen Weltanschauung in realistisch-pessimistischer Weise weit darüber hinaus.

Danke Serge Dorny für den Mut, diese Rarität präsentiert zu haben, danke Christiane Lutz für die intelligente, herkömmliche Interpretationssätze souverän außer Acht lassende Regie, und danke vor allem auch dem unglaublich tollen, mit totalem Einsatz und entfesselter Leidenschaft singendem und spielenden Ensemble des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper: Seonwoo Lee (Minette), Michael Butler (Lord Puff), Armand Rabot (Tom) und all ihren ebenso exzellenten Kollegen unter der musikalischen Leitung unserer jungen Landsmännin Katharina Wincor.

Liebe Henze – und Katzenfreunde, fahrt nach München !

 

Robert Quitta, München

 

 

Diese Seite drucken