Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

MÜNCHEN/ Bayerische Staatsoper: DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL

05.04.2019 | Oper

Bildergebnis für bayerische staatsoper die entführung aus dem serail

München: Bayerische Staatsoper: „Die Entführung aus dem Serail“, 04.04.2019

Die „Entführung aus dem Serail“ gehört in München zu den Stücken, die einige sonst treue Opernfreunde wegen der uninspirierten Inszenierung von Martin Duncan eher meiden. Die Tatsache, dass der gesprochene Text der Protagonisten gestrichen wurde und durch Erläuterungen einer Schauspielerin (Charlotte Schwab) ersetzt wurde, macht das Stück nicht moderner, sondern nimmt ihm viel von seinem Elan. Dazu kommt, dass sich die Sänger fast ausschließlich auf hin und her fahrenden Sofas aufhalten, was der Handlung auch nicht gerade mehr Schwung verleiht. Eine ziemlich langweilige Sache also, es sei denn, es wird eine besonders gute Besetzung geboten, so wie zumindest zum großen Teil in der Vorstellung am 04.04. Der Belmonte ist immer noch eine Glanzrolle in Daniel Behles mittlerweile bis Wagner reichenden Repertoires. Er sang die Partie absolut textverständlich, mit heller, klangvoller und strahlenden Stimme sowie mit gefühlvoller, aber nie sentimentaler musikalischer Gestaltung. Eine nahezu ideale Interpretation, die Vorbild für viele seiner Kollegen sein könnte.

Als Konstanze war kurzfristig die junge amerikanische Sopranistin Kathryn Lewek für die erkrankte Albina Shagimuratova eingesprungen und kam so zu ihrem vorzeitigen Hausdebut an der Bayerischen Staatsoper (im Januar 2020 wird sie als Königin der Nacht wieder in München zu hören sein). Sie meisterte die anspruchsvolle Partie sehr souverän und beeindruckte das Publikum mit ihrer ausdrucksvollen Stimme, ihrer variablen, stilsicheren Phrasierung sowie virtuosen Koloraturen und feinen Piani. Manchmal klang ihr Sopran in der Höhe etwas eindimensional und auch die Textverständlichkeit hätte besser sein können. Diese beiden kleinen Kritikpunkte trübten den positiven Gesamteindruck jedoch nur wenig. Caroline Wettergreen als Blonde konnte das Niveau ihrer Kollegen an diesem Abend nicht ganz halten. Ihr mangelte es ein wenig an Souveränität und vollkommener Rollenbeherrschung, so dass ihre musikalische Gestaltung in großen Teilen eher unelegant und nicht aus einem Guss war. Auch so mancher Spitzenton klang mühevoll und gepresst. Ensemblemitglied Manuel Günther hatte als Pedrillo dagegen keine Schwierigkeiten mit seiner Partie, sondern sang sie souverän mit schön geführter, wohlklingender Stimme. Mit seinem charmanten, witzigen Spiel hatte er die Sympathien des Publikums auf seiner Seite. Hans-Peter König war der zweite Einspringer dieser Vorstellung. Er ersetzte den ebenfalls erkrankten Peter Rose als Osmin. Da er die Partie erst in der letzten Aufführungsserie 2018 gesungen hatte, fiel ihm das kurzfristige Einstigen in die Produktion nicht schwer, und er gestaltete die Partie hochsolide mit profundem, etwas grobkörnigem Bass.

Das Bayerische Staatsorchester unter Constantin Trinks spielte Mozarts herrliche Musik leichtfüßig und charmant, manchmal vielleicht etwas zu weichgespült. Vor allem die beiden Chorszenen zu Ehren des Bassa Selim hätten etwas mehr Temperament vertragen. Mit kleinen Einschränkungen war es eine sehr schöne Vorstellung, die noch ein wenig Entwicklungspotential für die Aufführungen am 06. und 09. April ließ.

Gisela Schmöger

 

Diese Seite drucken