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MÜNCHEN/ Bayerische Staatsoper: DER NUSSKNACKER

27.12.2018 | Ballett/Tanz

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Ensemble. Foto: Wilfried Hösl

München: Bayerisches Staatsballett: „DER NUSSKNACKER“, 26.12.2018, 19.30 Uhr:

Weihnachten und „Der Nussknacker“ gehören zusammen! Fast jede renommierte Ballettcompany hat diesen Klassiker im Dezember im Programm, so auch das Bayerische Staatsballett. Am 26.12. gab es sogar zwei Vorstellungen, beide waren ausverkauft. In der Fassung von John Neumeier (Bühne und Kostüme: Jürgen Rose) spielt das Stück nicht an Weihnachten, sondern an Maries Geburtstag. Drosselmeier ist der strenge, leicht skurrile Ballettmister ihrer Schwester Luise, Primaballerina des kaiserlich russischen Balletts. Er entführt Marie nachts im Traum in die Welt des Theaters, zuerst auf eine Probe, dann in die Aufführung. An diesem Abend debütierte Alexey Popov in der Partiedes Drosselmeier. Er legtenicht so viel Wertauf die lustige, schrullige Seite des Charakters, sondern war ganz der strenge, elegante, aber auch gütige und durchaus charmante Herrscher des Ballettsaals, dem man in jeder Sekunde die Liebe zu seiner Kunst und das Bestreben, diese Liebe weiterzugeben, ansah. Mit seinen hohen, geschmeidigen, weich gelandeten Sprüngen und seinen wunderschönen Körperlinien beherrschte er die Bühne auch tänzerisch, so dass er in dieser Hinsicht ebenfalls eine echte Autorität war. Marie wurde – wie auch in den vorangegangenen Vorstellungen – von Gastsolistin Nancy Osbaldeston verkörpert. Die kleine, filigrane Tänzerin mit der lebhaften, sympathischen Ausstrahlung ist eine Idealbesetzung für das junge Mädchen, das mit noch kindlichem Staunen und voller Enthusiasmus in die Erwachsenenwelt eintritt. Die zahlreichen Vorstellungen in den letzten zwei Wochen haben sie die Choreographie bis ins letzte Detail verinnerlichen lassen, so dass sie jetzt mit traumwandlerischer Sicherheit jeden Schritt, jede Pose und jede Balance voll auskosten konnte. Auch das zweite Hauptpaar, Luise und Günther, war mit Laurreta Summerscales und Osiel Gouneo sehr gut besetzt. Für beide scheint es keine technischen Schwierigkeiten zu geben. Sie tanzten die mit Schwierigkeiten gespickten Partien mit Leichtigkeit, Brillanz, Anmut und Charme. Jede Pose in der detailreichen Choreographie kam in ihrer vollen Schönheit zur Geltung. Ein wenig fehlte beiden im Grand Pas de deux vielleicht die majestätische Allüre einer Primaballerina und eines Danseur Noble des kaiserlich russischen Balletts. Trotzdem war es eine spektakuläre Vorstellung.


Dmitrii Vyskubenko. Foto: Wilfried Hösl

Dmitrii Vyskubenko zeigte als Maries Bruder Fritz viel Temperament und technische Finesse. Henry Grey und Kristina Lind waren im ersten Akt ein elegantes Elternpaar. Im dritten Akt faszinierten sie das Publikum im ägyptischen Pas de deux. Auch alle übrigen Solisten und das Corps de ballet zeigten sich in blendender Verfassung. Robertas Šervenikas dirigierte Tschaikowskys wunderbare Musik zum Teil sehr flott, so dass manches ein wenig beiläufig klang. Die erhabenen Teile der Partitur, wie etwa der Pas de deux zwischen Marie und Günther im zweiten Akt oder der Grand Pas de deux gelangen dagegen sehr eindrucksvoll. Am Ende begeisterter Applaus eines faszinierten Publikums.

Gisela Schmöger

 

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