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MÜNCHEN/Bayerische Staatsoper: AUS EINEM TOTENHAUS. Anmerkungen in Kurzform

22.05.2018 | Oper

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Copyright: Bayerische Staatsoper/ Wilfried Hösl

MÜNCHEN/Bayerische Staatsoper: AUS EINEM TOTENHAUS. Anmerkungen in Kurzform (21.5.2018)

Die Premiere lässt mich etwas ratlos zurück. Zu viele optische Eindrücke, zu unbekannt die Musik, um mir schon ein Urteil zu bilden. Ich muss mir das noch ein paar Mal anschauen und anhören.

Jedenfalls passt Frank Castorfs Art zu inszenieren zu diesem episodenhaften Stück besser, als zum Ring. Einige hinzugefügte Elemente waren alte Bekannte: die Videoeinspielungen, die Live-Kamera, die Paradiesvogel-Frau (im Ring der Waldvogel, hier der Adler, der am Ende freigelassen wird), ein lebendes Tier (Hase, ob der wohl in den nächsten Aufführungen Käfiggenossen bekommt?), ein großer Schwertfisch wurde vorbeigetragen (Ersatz für das Krokodil?), jede Menge russischer Zeitungen wurde gelesen oder zum Aufwischen von Blut und Erbrochenem benutzt.
Es roch nach Stall und Hase.

Die Drehbühne von Alexandar Denić bot wieder eine Vielzahl von Räumen, Ölfässern, den besagten Hasenstall und viel Holz. Mussten die Gefangenen in Sowietlagern Holzschnitzereien herstellen?

Die „Überlagerung historischer Schichten“, die laut BSO typisch für Castorfs Arbeiten sein soll, läuft ins Leere, wenn man die Unterschiede zwischen den Lagern des 19. und des 20. Jahrhunderts nicht kennt. Die Vielzahl der optischen Eindrücke lenkt von der Musik ab und wirkt auf die Dauer ermüdend.

Was aus dem Graben kam, hat mir sehr gut gefallen. Die langsame Steigerung in der Ouvertüre. Die oft dissonant klingenden Geigen, die starke rhythmische Akzentuierung. Simone Young hat vorher im Interview gesagt, die Musik wäre meist silbergrau. Das kann ich nachvollziehen – die expressionistisch flirrenden Geigen. Es gab aber noch viele weitere Farben in der Partitur. wenn auch meist dunkle. Überraschend die kurzen Akkorde zu den Aktenden und zum Ende der Oper. Der erste Chor der Gefangenen, in dem sie die Heimat, die sie nie wiedersehen werden, besingen, hat mich harmonisch an den Pilgerchor aus Tannhäuser erinnert.

Von den Sängern haben beim ersten Hören nur Charles Workman, Bo Skovhus und Peter Rose einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Vor allem Workman überzeugte und überraschte mich durch eine körperbetonte, fast tänzerische Darstellung und eine schöne Stimme. Skovhus durch noble Kantilenen, die er aber sehr rampenhaft darbot.

Nächsten Samstag gibt’s dann einen Merker-Bericht von mir

Susanne Kittel-May

 

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