Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Mozarts Klavierkonzerte bei Avi-Service for music erschienen. Alexander Schimpf und die „bayerische kammerphilharmonie“

02.04.2020 | cd

Alexander Schimpf und die „bayerische kammerphilharmonie“

STETS MIT SPHÄRENHAFTER LEICHTIGKEIT

Mozarts Klavierkonzerte bei Avi-Service for music erschienen/

bayerische kammerphilharmonie - CDs

Diese drei hier präsentierten Klavierkonzerte KV 413, KV 414 und KV 415 veröffentlichte Wolfgang Amadeus Mozart im Jahre 1783 in Wien. Sie entstanden in der entscheidenden Übergangszeit in seine späte Phase. In der vorliegenden Aufnahme wird auf die von Mozart ausdrücklich autorisierte Version zurückgegriffen, die Partituren dieser drei Konzerte ohne die hinzugefügten Bläserstimmen zu realisieren. Die von der „bayerischen Kammerphilharmonie“ eingesetzte Gruppengröße von 13 Streichern steht genau an der Grenze zwischen orchestraler Klangmasse und der Eigenständigkeit und Flexibilität eines Kammerensembles, was in dieser Aufnahme auch den Verzicht auf einen Dirigenten erlaubte. Es sei gerade dieser intensive Austausch im Moment des Spielens, der Geist einer Gemeinsamkeit im Musizieren, der die Aufnahme innerlich motiviert und beseelt habe, betont der versierte Pianist Alexander Schimpf. Mit der „bayerischen kammerphilharmonie“ verbindet ihn übrigens seit Langem eine freundschaftliche Zusammenarbeit. Von Format und Inhalt her ist das C-Dur-Konzert KV 415 das am größten angelegte der drei Werke. Der erste Satz ist besonders reich an thematischem Material – dies zeigt schon das markante Eröffnungsmotiv der Violinen.  Eine lange Tradition haben Eigenkadenzen der Solisten. Sie sind auch heute noch sehr beliebt. Alexander Schimpf meint, dass es jedes Mal eine attraktive Herausforderung darstelle, dem Material, das ein Satz biete, in der Kadenz treu zu bleiben, es aber frei und nach eigenem Empfinden und eigenen Vorlieben zu behandeln. Auf diese Weise könne eine wesentlich persönlichere Auseinandersetzung mit der Komposition stattfinden, was natürlich auch den Blick und das Ohr für Mozarts Originalmusik neu schärfen könne. Dabei hat Schimpf offensichtlich eine spezielle Vorliebe für Mozarts Musik in Moll. Seine Kadenzen würden der Mozartschen Klangwelt mehr oder weniger verpflichtet bleiben – es liege ihm fern, die Musik mit stilistischen Brüchen oder vollkommen fremden Elementen zu befrachten, so Schimpf. Für ihn liege der Anspruch eher darin, soweit möglich Mozarts eigene Sprache zu verwenden, dem „Stoff“ des jeweiligen Satzes aber neue Facetten und Beleuchtungen abzugewinnen. Davon kann man sich auf dieser CD überzeugen. Stellenweise könnten die Klangflächen sogar noch direkter sein. Aber insgesamt liegt hier doch eine imposante Einspielung vor. Alexander Schimpf interpretiert diese selten gespielten Werke nicht zu schwer, aber mit einer erstaunlichen Leichtigkeit, die geradezu sphärenhafte Züge annimmt. Neben seltsamer Getriebenhaft fällt vor allem eine ritterliche Eleganz auf. Das dynamische Gleichgewicht bleibt aber stets gewahrt. Auch Innigkeit und Seelentiefe kommen hier nicht zu kurz. Beim Klavierkonzert KV 414 fällt außerdem die bemerkenswerte Virtuosität ins Gewicht. Es kommt immer wieder zu einer harmonischen Ausgeglichenheit zwischen Orchester und Klavier. Die einheitliche Linie bleibt so stets gewahrt. Lieblich wiegende Melodien und herbere Akzente kommen nicht zu kurz. Die Themen erfahren großartige Veränderungen und sprechen ganz direkt zum Hörer. So kann sich immer wieder ein reizvoller Dialog entfalten. Lyrische Empfindsamkeit wechselt sich mit geradezu kämpferischen Elementen ab. Doch der sensibel-graziöse, kapriziöse Geist Mozarts siegt.   

Alexander Walther

 

Diese Seite drucken