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MONTE CARLO/ Opera de: ALCINA von G.F.Händel

27.01.2023 | Oper international

OPÉRA DE MONTE CARLO: ALCINA  am 26.Jänner 2023

Letzte Vorstellung der Serie

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Foto: Erwin Messer

COMPLET !  Noch bevor sich die königliche Zauberin Alcina, der alle Liebhaber zum Opfer fallen, inmitten ihres Ensembles  zum tosenden Schlussapplaus verneigt, kann sich die die reale Regentin an der Oper von Monte Carlo, Opernstar Cecilia Bartoli, entspannt zurücklehnen. Ihr ist das Publikum verfallen. Alle 20 Vorstellungen dieser ersten nur 3 Monate dauernde Saison sind ausverkauft . Es gibt Warteliste, bei den langen Vorlaufzeiten kommen einzelne Karten doch wieder an die Kassa. Die Erwartungen waren groß, das Programmbuch für die Saison grösser als das der Salzburger Festspiel und genau so dick . Auf besonders schwerem Papier sollen die schönen Bilder des prachtvollen Hauses und die Fotos der geplanten Stars gut zur Geltung kommen, darunter die neue Intendantin in ihrer Doppelfunktion als Kulturmanagerin und Interpretin gleich sieben Mal. Alles steht unter der Patronanz von Caroline, S.A.R. la Princesse de Hanovre , deren ewig junges Konterfei, aufgenommen von Karl Lagerfeld, den illustren Reigen eröffnet.

Die musikalische „Zeitenwende“ eröffnet wurde mit einem Galaabend am 20. Jänner, ein wagemutiger Start. Georg Friedrich Händel, „ein guter Meister, doch lang schon tot „ wie Richard Wagner dichtet, mit zwei Pausen über vier Stunden lang und einem unüblich frühen Beginn. Die engen Sitzreihen des berühmten Architekturjuwels von Charles Garnier und das nur mit kalten Getränken bestückte Buffet erfordern geduldige Besucher. Energie spendet nur die Hauptspeise, eine coupe de Champagne um 18 Euro.

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Copyright: Erwin Messer

Zeitgleich startete nach zweijähriger Pause das berühmte Zirkusfestival zum 45. Mal. Viel los im Fürstentum in der so genannten „toten“ Saison. Nicht am Mittelmeer, denn sehnsüchtig erwartet nach der Pandemie beginnt bald das berühmte Fête du Citron in Menton , König Carnaval in Nizza feiert seinen 150. Geburtstag.

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„Alcina“Foto: Marco Borrelli

Zum Einstand hat Madame la Directrice nach vielen erfolgreichen Auftritten als Sängerin, der erste vor über dreißig Jahren , viel Kultur made in Austria ins Fürstentum mitgebracht. Gemeinsam mit dem kongenialen französischem Counter-Tenor Philippe Jaroussky als Ruggiero und Sandrine Piau als Morgana brillierte sie bereits 2019 unter dem gleichen Dirigent Gianluca Capuano zu Pfingsten und im Sommer in Salzburg. Der Regisseur ist jetzt ein anderer: Christof Loy. Er war in Monte Carlo schon mit Ariodante 2019 erfolgreich.

Sein Konzept, Theater im Theater, der erste Akt noch volles Barock mit den passenden Balletteinlagen, dann weiter in den Garderoben und das teils tragische teils komödiantisch interpretierte Finale hinter der Bühne gedacht. Er assoziiert das Ende der Zauberin, die alle magischen Kräfte verloren hat und damit auch den einzigen, den sie wirklich zu lieben glaubt, mit dem Ende der Opernära, das Händel in London zu erleben glaubte. Der Bühnenvorhang hinter dem Bühnenvorhang und die sichtbare Maschinerie  sind dem berühmten schwedischen Schloßtheater in Drottningholm nachgebaut, dessen Technik aus dem 18. Jahrhundert im Sommer noch für Aufführungen, darunter auch Händel, genutzt wird. So fühlt man sich zumindest zwei Akte lang öfters wie in einem Hörsaal, in dem Barock für Fortgeschrittene gelehrt wird, allerdings auf höchstem Niveau. Erst als bei den Bühnenfiguren der Schein fällt, mit seinen Perücken , den weit ausladenden Kostümen, den Verkleidungen , kann das Sein der aktuellen Opernwelt mehr Emotionen im Saal wecken : Figuren von heute, in ihren alltäglichen Kleidern , die jungen Sänger natürlich alle slim fit, die Primadonna ohne Scheu vor dem Alter, bei ihrer großen Schlußarie nur in einem grünen Seidenunterkleid. Das aufmerksame Publikum , darunter viel Jugend, dankte mit großen Applaus. Nicht nur die italienische Diva, alle Mitwirkenden wurden gefeiert . Ihre meist ausgezeichneten Darbietungen , unterstützt von den dafür prädestinierten Les Musiciens des Princes im Graben konnten einen großen Erfolg, auch bei den Kritikern erzielen. Es gab sogar noch eine kleine Zugabe. In Monaco gibt es so spät keine öffentlichen Verkehrsmittel , die unbedingt noch erreicht werden müssten. Hier reist man mit dem Auto an, unterstützt von besonders günstigen Nachttarifen in den zahlreichen Parkhäusern. So strömte alles beschwingt aus dem prachtvollen Gebäude neben dem Casino und will sicher wiederkommen, wenn die nächste ausverkaufte Vorstellung, Andrea Chénier mit Jonas Kaufmann auf dem Programm steht.

Zu Frühlingsbeginn wartet dann noch ein anderer Star, den das Wiener Publikum gut kennt, auch die Opernball-Interessierten vor dem Bildschirm. Die Titelrolle in Traviata wird Aida Garifullina singen, die jetzt in Mailand ihre Erfolge feiert. Mitten in dieser Serie, in Monte Carlo immer vier Vorstellungen, reist gleich ein ganzes Opern- Ensemble samt Orchester an: Am 20. März gastiert die Wiener Staatsoper  unter Philippe Jordan mit einem konzertanten Mozart – Le nozze di Figaro.

Und zum krönenden Abschluss, davon kann ausgegangen werden, wird im April die Produktion aus Salzburg Il Barbiere de Seviglia gespielt. Dank günstiger Low cost Flüge nach Nizza und preiswerter Unterkünfte in der Umgebung des Fürstentums kann es bei den moderaten Eintrittspreisen in Monaco zwischen 170 (Galaabend) und 60 Euro für Opernfreunde ab jetzt billiger sein, Kultur mit Kurzurlaub am Meer statt an der Salzach zu verbinden. Gute Karten sind hier wie dort schwer zu bekommen.

Dr. Ulrike Messer-Krol

 

 

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