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MONEY MONSTER

25.05.2016 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmCover  Money Monster~1

Ab 26. Mai 2016 in den österreichischen Kinos
MONEY MONSTER
USA  /  2015
Regie:  Jodie Foster
Mit: George Clooney, Julia Roberts, Jack O’Connell, Dominic West u.a.
  

Dass die „Money Maker“ schlimme Finger sind, hat sich herumgesprochen, wurde auf der Filmleinwand auch schon ausreichend abgearbeitet. Dennoch geht Jodie Foster als Regisseurin das Thema in ihrem „Money Monster“ genannten Film noch einmal an – das heißt, sie klaubt einfach so viele Aspekte, wie sie finden kann, zusammen und stopft sie in einen Drehbuch-Sack. Dass das Ganze dennoch einigermaßen gut ausgeht, hat sie ihrer prominenten Besetzung zu verdanken – ohne Clooney und Roberts würde die ganze Jodie Foster (die ohnedies nicht mehr im Fokus der Filmwelt steht) als Regisseurin vermutlich nichts nützen, um diesem Film zu Beachtung zu verhelfen.

Man kommt also ins Fernsehstudio: Hier brilliert Lee Gates mit seiner Finanzshow, und George Clooney ist schön genug, dass man ihm den All-American-Star-Liebling glaubt, und als Schauspieler gut genug, um das egozentrische Monster jede Sekunde glaubhaft zu machen. Und Julia Roberts als seine Regisseurin Patty Fenn ist hinreißend souverän, ihn cool ins beste Fernseh-Licht zu setzen – und dabei zu wissen, wie wertlos er als Mensch eigentlich ist (und ihn doch irgendwie zu mögen).

Wohlfeile Erkenntnis Nr. 1: Fernsehshows sind gewissenlose Unternehmungen, und wer ein Wort von dem glaubt, was da gelabert wird, ist selber schuld, Star-Moderatoren sind eitle Laffen, die nichts im Kopf haben als sich selbst und die ihre Mitarbeiter ausbeuten und nicht würdigen. Man glaubt’s.

In dieser Show gibt Gates flotte Anleger-Tipps, die er einfach daherplappert und die nur wie bunte Vögel über die Bildschirme flattern. Was interessiert ihn, dass Menschen auf Grund seines oberflächlichen Geschwätzes möglicherweise ihre sämtlichen Ersparnisse verlieren? So wie in dem Fall des Zusammenbruchs einer Riesenfirma (angeblich aufgrund eines Computerfehlers!), wodurch alle Aktien im Keller sind und Anleger mit leeren Händen dastehen… Wundert es, dass einer von ihnen – ein sehr verzweifelter junger Mann –  mit einer Pistole die Sendung stürmt, Lee Gates dafür verantwortlich macht und ihm eine Sprengstoff-Weste anzieht, mit der Bedingung, dass der Wunder-Fuzzi die Kurse wieder zum Steigen bringt, anderenfalls macht es einen ganz, ganz großen Krach und das Studio samt Insassen fliegen in die Luft…

Wohlfeile Erkenntnis Nr. 2: Man hat sich schon lange gefragt, wie lange es sich die Verlierer in dieser Welt des Geldes gefallen lassen, dass man mit Achselzucken über sie hinwegtrampelt…

Freilich fängt der Film hier schon an, dramaturgisch zu hinken, zumal Jodie Foster den jungen Geiselnehmer mit Jack O’Connel gröblich unterbesetzt hat: Der spielt nicht in der darstellerischen Oberliga, dem glaubt man gar nichts, die Hilflosigkeit des Schauspielers mag zwar die der Figur sein, aber schon, dass er sich diesen Coup ausdachte und dann wirklich so ohne weiteres ins Fernsehstudio kam… nein, das ist eigentlich nicht drinnen.

Von da an wird die Handlung so turbulent, dass sie in alle Richtungen auseinanderstiebt. Einerseits sieht bei einer Live-Geiselnahme natürlich die ganze Welt zu (Medienschelte!), aber niemand ist bereit, den ja doch so fiesen Moderator zu retten (verständlich!), wenn er sich auch plötzlich (welche Wandlung, aber Clooney erspielt, dass dieser Lee Gates mehr drauf hat, als man dachte) mit dem Geiselnehmer, der ihn bedroht, verbündet: Der Mann sieht ein, was das arme Schwein antreibt…

Wohlfeile Erkenntnis Nr. 3: Die Medien sind ein Hund – und das sensationsgierige Publikum erst recht.

Inzwischen geht die Polizei in Position (Wohlfeile Erkenntnis Nr. 4: Menschen zu opfern, ist bei solchen Aktionen keine Frage, man muss es nur der Öffentlichkeit richtig argumentieren) und die Sekretärin (eine Dame so schön wie ihr Name: Caitriona Balfe) des nicht auffindbaren Chefs der angeblich zugrunde gegangenen Firma beginnt ihre verzweifelten Recherchen: Erstens, wo ist der Verantwortliche, zweitens, was ist eigentlich passiert?

Wohlfeile Erkenntnis Nr. 5: Natürlich sind die Finanzhaie Gangster, die das angeblich verschwundene Vermögen der armen, dummen Anleger skrupellos in die eigene Tasche stecken.

Einiges akkumuliert sich recht spannend in einer Geschichte, die in „Echtzeit“ durchläuft, aber Tatsache bleibt, dass hier schon zu viele Handlungs- und Argumentationsstränge nebeneinander laufen: Was da mit der zu erwartenden Tragik-Schlußwende bis zum Ende erzählt wird, sind letztlich Erkenntnisse, die von Banalitäten nicht weit entfernt sind. Und der Wunsch aller, dass sich ein verantwortlicher Wirtschaftsverbrecher (Dominic West) zu seinen schnöden Taten öffentlich bekennt – das ist einfach Kino… nur da passiert’s.

Und wenn ganz am Ende ein geläuterter Clooney nicht ins Luxusrestaurant geht wie üblich, sondern mit seiner Julia Roberts chinesische Nudeln aus der Pappbüchse isst, in tiefer Erkenntnis über den Wert der Frau, die die ganze Zeit an seiner Seite war – dann rutscht dieser handwerklich sauber gemachte Film von Jodie Foster schon recht tief hinunter, bleibt schlicht und simpel Mainstream-Star-Kino ohne allzu tiefere Bedeutung.

Die Schiene der üblichen Klischees hat sie nur ganz selten durchbrochen – etwa in der Szene, wo man den Entführer mit seiner schwangeren jungen Braut konfrontiert. Und die weint ihm nun nicht etwas vor und betört ihn mit Sirenentönen, sondern brüllt ihn an, was für ein Versager er sei. Manche Leute haben halt gar kein Glück, weder mit Geld noch mit Beziehungen…

Aber Jodie Foster hatte Glück. George Clooney und Julia Roberts beweisen, dass Schauspieler einer gewissen Größenordnung absolut jedes Drehbuch vergolden. Und eine „Moral“ bliebe ja doch – Finger weg vom Finanzmarkt! Der kleine Einzelne kann da nichts gewinnen. Und im wahren Leben dringt man ja auch nicht mit der Waffe in der Hand zu den Verantwortlichen vor…

Renate Wagner

 

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