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MAILAND/ Teatro alla Scala: DAS RHEINGOLD am 1. 3.2026

02.03.2026 | Oper international

Masken, Kothurn und Gier-Motive – ein musikalisch und visuell beeindruckender Ring-Auftakt an der Scala.

Von Dr. Eric Alexander Hoffmann

David McVicars Inszenierung von “Das Rheingold“ eröffnet den Ring des Nibelungen-Zyklus am Teatro alla Scala traditionell, werkgetreu und musikalisch wie visuell beeindruckend – als eine Art antik-archaischer Tragödie mit mystischen Motiven.
Eine schon zu Beginn auf den Vorhang projizierte schwarze Hand mit goldenem Ring scheint prophetisch zu warnen: „Hände weg vom Ring!“ Riesige abgetrennte Hände liegen schon zu Beginn auf dem Grund des Rheins und dienen den Rheintöchtern als eine Art Abenteuerspielplatz, auf dem sie nach Lust und Laune herumklettern können.
Gier und Machtmissbrauch werden so von Anfang an angekündigt, von Alberichs Raub des Goldes und sein Verzicht auf Liebe bis Fafners Mord an seinen Bruder Fasolt. Das Rheingold, hier dargestellt in Form einer goldenen Maske, die von einem beinahe nackten, golden glitzernden Tänzer getragen wird, steht für die Unschuld, aber auch für die Verletzlichkeit der Natur. Alberich reißt sie brutal vom Gesicht und an sich, verletzt durch seinen Verzicht auf Liebe die natürliche Ordnung der Dinge. Wotan installiert zum Ende des Rheingolds sein auf Verletzung, Verrat und Betrug gebautes Machtsystem.

McVicar erzählt die Handlung einigermaßen werkgetreu, humorlos und ohne philosophischen oder politischen Überbau als archaische Geschichte um Macht und Liebe. Im Zentrum steht Wotan, brillant verkörpert von Michael Volle, mehr Mensch und Vater als Gott und zugleich leidenschaftlicher Liebhaber der Welt, Vater der Walküren, Ehemann Frickas, Hüter der Verträge und Weltordnung, bereit, ein Auge zu opfern, um Fricka zum Weib zu gewinnen und seine Herrschaft zu festigen.
Er stiehlt Alberich den mit Rheingold geschmiedeten Ring, um die Riesen zu bezahlen, den mit ihnen geschlossenen Vertrag zu erfüllen und Walhall zurückzukaufen.
Da er den Ring nicht direkt von den Riesen zurückerobern kann, erschafft er die Wälsen, ein menschliches Geschlecht, das den Fluch brechen und die Machtübernahme durch Alberich verhindern soll. Hierzu bedarf es eines freien Helden, der autonom und unabhängig von den Göttern agiert. Doch Frickas Klugheit und Brünnhildes Ungehorsam durchkreuzen seine Pläne. Dank Siegfried erkennt er, dass nur eine neue Generation das Schicksal ändern kann, verzichtet auf aktive Macht und akzeptiert das Ende der Götter. Seine Musik – vom feierlichen Walhalla-Thema zur unruhigen Spannung innerer Krisen – offenbart durch Volles nuancierten, textklaren Wotan die Zerbrechlichkeit göttlicher und menschlicher Herrschaft.

Ein musikalisch und ästhetisch faszinierender Auftakt, der optisch beeindruckt, musikalisch glänzt, aber inszenatorisch Luft nach oben lässt, aber neugierig macht auf Walküre und die
Zyklus-Vollendung

Dr. Eric Alexander Hoffmann

 

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