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MILANO/ Scala: Saisoneröffnung mit „DON CARLO“

07.12.2023 | Oper international

Bemerkungen zur TV Übertragung von Verdi´s Don Carlo  aus der Mailänder Scala am 7.12.2023

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Große Erwartung an Anna Netrebko  als Elisabetta, die zu vielen wunderschönen Tönen fand, als Gesamtpaket im TV leider zu erwachsen wirkt, also wie die echte Mutter…im 4. Bild plagte sie sich ziemlich, die große Arie gelingt ihr aber sehr schön, die piani im hohen Register sind großartig.  In dieser Rolle kann sie bei mir aber die Erinnerung an die Elisabettas meiner Studienzeit nicht zum verblassen bringen…Sena, Leonie, Mirella….Elina Garanca zog alle Register ihres beachtlichen Könnens; schon das Schleierlied beeindruckte und die grosse Arie löste einen Jubelorkan aus. Auch als Figur überzeugte sie.   Michele Pertusi war fuer mich der beste auf der Buehne, angeblich indisponiert…das merkte man aber nur ein oder zweimal ganz unwesentlich….interpretierte er doch mit Überzeugung und großem Ausdruck seinen Filippo; warum er allerdings die Arie auf einer Treppe absteigend beginnen und die ganze Zeit stehend singen musste? Diese Arie verlangt doch herabgebrannte Kerzen und einen Schreibtisch. Seltsamerweise erhielt er vom Publikum relativ wenig Applaus. Den kassierte vor allem Luca Salsi, der als Marquis de Posa  nicht aus besonders  hohem Adel zu kommen schien und eher an einen Landsknecht – auch stimmlich – erinnerte; aber Volumen hat er.   Francesco Meli bemühte sich redlich und bot eine anständige Leistung, aber wirklich schöne Toene hat er eigentlich nicht. Wenn dann im Duett mit Posa im ersten Bild die Wiederholung von „Dio che nel´alma…“ gesäuselt wird, vergisst man, dass Verdi  zu  den Singstimmen zu Beginn und auch bei der Wiederholung beide Male „p“, d.h. piano hingeschrieben hat. Ein „p“ bei Verdi sollte nie zum markierten Gesäusel –  wie hier auch nicht ganz tonrein – werden.  Diese Säuseltoene sind leider in den letzten Jahren durch einen prominenten Vertreter dieser Branche in Umlauf gekommen;  aber mezzavoce  oder pp sollte nicht zu  markieren werden……Wie hat doch Giuseppe di Stefano mezzavoce singen koennen… Jongmin Park hat als Inquisitore viel Stimme zu bieten, leider verfärbt er aber den Vokal a immer wieder zu o, zum Beispiel  heisst es  nicht „qui prostroote“, sondern „prostrate“.  Auch als Figur ueberzeugte er mich wenig. Warum  er auch den frate sang und nicht der  Kollege, der dann nur die Schlussintervention bekam und zu Carlo V ernannt wurde, erschließt sich mir nicht so ganz. Der Herold und der Graf Lerma warteten mit sehr präsenten Stimmen auf. In Wien hat man mit Ileana Tonca einen weit besseren Tebaldo. Die tempi von Maestro Riccardo Chailly waren allesamt sehr natürlich und gefielen mir sehr gut. Die Inszenierung von LLuis Pascual tut nicht weh und ist im Grunde schön anzuschauen, hat aber doch  hin und wieder einige seltsame Einfälle, einer davon  schon erwähnt….Die Don Carlo-Inszenierung von Günther Groissböck in Klosterneuburg hat mir um vieles besser gefallen 

alcindo

 

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