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Midori mit Beethovens Violinkonzert bei Warner Classics erschienen

24.09.2020 | cd

Midori mit Beethovens Violinkonzert bei Warner Classics erschienen/

Wunderbar humanes Ethos

Ludwig van Beethoven: Violinkonzert op.61 (CD) – jpc

Vielleicht sind andere Violinkonzerte virtuoser wie Ludwig van Beethovens Violinkonzert, aber das wunderbar humane Ethos sticht eindeutig hervor. Gerade diesen Aspekt betont die glanzvolle, japanische Geigerin Midori bei dieser gelungenen und akustisch sehr direkten Einspielung vom Luzerner Festival 2020. Es musizieren die Festival Strings Lucerne unter der einfühlsamen Leitung von Daniel Dodds. So kommen die weihevoll-ernsten Themen nie zu kurz und ergreifen den Zuhörer ungemein. Midori erfasst das Wesen ihres Instruments mit nie nachlassender Präsenz und ausdrucksvollem Bogenstrich. Und das Orchester trägt sie wie auf Samthänden, obwohl es manchmal sogar robuste Töne anschlägt. Die lyrischen Passagen können sich jedenfalls immer wieder sehr ausdrucksvoll entfalten. Leise und mit vier präzisen Paukenschlägen eröffnet den ersten Satz (Allegro ma non troppo) das gesanglich gestaltete Hauptthema. Seinen breit strömenden Fluss fängt dann ein modulierender Gedanke sehr gesanglich auf. Das alles klingt sehr dramatisch und auch rhythmisch gestrafft. Sehr warm und seelenvoll wirkt außerdem das reine Seitenthema. Die von Midori bewegend gespielte Solovioline hüllt die Themen nach Art des Sonatenschemas in ein entrücktes Leuchten. Erhabene Schlichtheit und Verklärung wirken bei dieser Interpretaton keineswegs sentimental oder übertrieben gekünstelt. Die Melodie des zweiten Larghetto-Satzes kann sich bei Midori ebenfalls überaus leidenschaftlich entfalten. Die Umspielungen der variierten Melodie in der Solovioline erscheinen zuweilen fast mit dem Unterton der Ekstase. Auch der Monolog der Solistin wirkt durchaus ergreifend. Eine Kadenz leitet dabei facettenreich in das Rondo mit seinem ausgelassenen und wippenden Thema hinüber. Bei dieser frappierenden Einspielung kommt es sogar zu einem regelrechten Disput zwischen Violine und Orchester mit prägnanten Einwürfen, Abwechslungen und Überraschungen. Die nicht ganz ernst gemeinten Konflikte lösen sich bei Midori und dem Orchester Festival Strings Lucerne in einer überraschenden Schelmerei auf, die elektrisierend wirkt und die es in sich hat. Ganz leise verflüchtigt sich plötzlich das Rondothema im Solopart. Tragische Verwicklungen werden bei Midoris souveränem Violinspiel aber nur angedeutet. Zwei kräftige Akkordschläge setzen wuchtig den Schlusspunkt. Gelungen sind auch die beiden Einspielungen  der Romanze in G-Dur op. 40 und der Romanze in F-Dur op. 50 von Beethoven mit Midori und den Festival Strings Lucerne unter der Leitung von Daniel Dodds. Das energische Thema der Romanze in G-Dur erscheint hier gleichsam in neuem Licht. Und bei der Romanze in F-Dur stellt Midori den konzertanten Charakter dieses Adagio cantabile in den Mittelpunkt.  

Alexander Walther

 

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