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MEIN ERSTES MUSIKERLEBNIS

23.03.2014 | buch

BuchCover Mein erstes Musikerlebnis

… als Paul McCartney mich anrief
Mein erstes Musikerlebnis
Hg. Cornel Wachter
192 Seiten, Verlag E.A. Seemann, 2014 

Sammelbände sind als Geschenke beliebt, kurze Kapitel, die unter einem Motto zusammengestellt werden und in kleinen Happen konsumierbar sind. „Mein erstes Musikerlebnis“ klingt anregend, zumal wenn man als Titel immerhin „… als Paul McCartney mich anrief“ postulieren kann und unter den Herrschaften, die schon den Umschlag zieren, Anna Netrebko und Reinhard Mey zu finden sind, da deckt man E- und U-Musik gleicherweise ab.

Dann aber ist man mit dem von Cornel Wachter herausgegebenen Band nicht ganz glücklich. Erstens sind die wahren Promis die Rarität in der langen Liste. Gewiss, die meisten der Gewählten haben direkt mit Musik zu tun und dürfen sich in ihrer Welt wichtig fühlen (natürlich auch Orchestermusiker beispielsweise), aber von breiterer Popularität ist nicht die Rede – und von jedermann will man das „erste Musikerlebnis“ ja auch nicht wissen. Das ginge ein bisschen zu weit.

Interessant, dass viele gar kein prägendes erstes Erlebnis nennen können: „Pränatal“ will Juliane Banse von Musik getauft worden sein, auch für Komponisten Peter Eötvös war Musik „immer da“, Thomas Hampson wuchs in einer vollkommen musikalischen, Musik machenden Familie auf, für Nikolaus Harnoncourt gab es „nie ein Leben ohne Musik“, Camilla Nylund berichtet, ihre Mutter sagte, sie habe als Kleinkind gesungen, bevor sie sprechen konnte,

Andere sind präziser, auch mit den Altersangaben: Peter Jonas hörte als Zweijähriger, wie seine Schwester Bachs Fuge übte, Dagmar Koller war fünf, als sie am Klagenfurter Stadttheater „Madame Butterfly“ hörte, Max Raabe war mit elf Jahren von Beethovens „Neunter“ erschüttert, Anna Netrebko weinte mit 17 bei Verdis „Othello“ (wozu man sagen muss, dass sie sich weigert, die Desdemona auf der Bühne zu singen, weil ihr die Dame zu leidend ist – das weiß man allerdings aus einem Interview, nicht aus ihrem kurzen Beitrag hier).

Warum das Buch nicht sonderlich anregend zu lesen ist, liegt nicht am Inhalt, sondern an der Form: Die Schrift ist hellblau (!) auf weiß, zudem klein und schmal, kurz, der Wahnsinn eines Gestalters, der nur an das schöne Aussehen und nicht an die Lesbarkeit denkt. Da muss man schon Falkenaugen besitzen, um das mühelos lesen zu können, denn für Normalmenschen ist es selbst mit Brille schwierig, und man verliert schnell die Lust. Aber vielleicht ist ohnedies nur gedacht, dass jeder sich die paar Leute herauspickt, die er kennt, und es gut sein lässt. Und fündig wird sicher jeder.

Renate Wagner

 

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