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MATTHIAS GOERNE: THE WAGNER PROJECT – harmonia mundi 2 CDs Swedish Radio Symphony Orchestra; Daniel Harding

30.11.2017 | cd

MATTHIAS GOERNE: THE WAGNER PROJECT – harmonia mundi 2 CDs

Swedish Radio Symphony Orchestra; Daniel Harding

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„Von Göttern und Menschen“ und „Erlösung“ sind die zwei CDs betitelt, auf denen mirakulöser Wagner-Gesang und ein Swedish Radio Symphony Orchestra in Höchstform zu bestaunen sind. Matthias Goerne, einer der eindringlichsten Liedsänger der Nach-Fischer-Dieskau Ära, ist gerade dabei, sein Repertoire hin ins schwere Fach auszuweiten. Nach dem Hong Konger Ring, anlässlich dessen er zum ersten Mal die beiden Wotans (im Rheingold und in Die Walküre) und den Wanderer im Siegfried hock akklamiert sang (alle drei Opern sind als Live-Mitschnitte auf NAXOS erhältlich), will Goerne offenbar mit diesem Doppelalbum seine Möglichkeiten der Wagner-Interpretation „als Projekt“ weiter erkunden. Er tut dies stilsicher und mit großem Geschick. Mit seinem vor Gesundheit nur so strotzenden, mächtigen Bariton (Ist er überhaupt ein solcher? Im nächsten Salzburger Festspielsommer wird er der Sarastro in der Zauberflöte sein) hat sich Matthias Goerne in Ausschnitten den König Marke in „Tristan und Isolde“ – „Tatest du’s wirklich“), den Hans Sachs in den „Meistersingern von Nürnberg“ (Fliedermonolog), nochmals dem Rheingold und Walküren Wotan, sowie auf der CD Erlösung, den „Fliegenden Holländer“ (Monolog), den Wolfram in „Tannhäuser“ („Lied an den Abendstern“) sowie den Amfortas in „Parsifal“ („Ja – Wehe! Weh über mich“ aus dem 3. Akt) angeeignet. Diese Entwicklung hat aber auch ihren Preis, wie dies anhand des letzten Bach-Albums (Bass-Kantaten) erfahrbar war, wo die Leichtigkeit in den Läufen und die Fokussierung zu wünschen übrig ließen.

 

Matthias Goernes sanft fließender, breit geführter Bariton ist bei Wagner derzeit zum herrlichsten Legato und farblich feinst abgestimmten Übergängen befähigt. Die inneren Monologe profitieren von einer aus dem Liedgesang kommenden unglaublichen Ruhe und osmotischen Wort-Tondurchdringung. Aber er kann auch die Amplitude ganz gehörig aufdrehen und hochdramatische Akzente setzen, dieser Matthias Goerne. So gibt es überwältigende Momente beim Abschied Wotans von Brünnhilde aus dem dritten Akt der Walküre bzw. dem schmerzhaften Aufbäumen des Amfortas im Parsifal. Am meisten wird der Zuhörer jedoch mit einer exquisiten Phrasierung belohnt. Als Beispiele mögen etwa die Stelle „Dies wundervolle Weib, das mir dein Mut gewann,…“ aus Markes Ansprache im 2. Akt des Tristan oder “Du Reinster, dem einst die Engel sich neigten: der einzig ich sterben wollt, dir gab ich den Tod!“ aus Parsifal dienen. Wie da die Stimme aus dem Nichts aufblüht Pflanzen in der Wüste nach einem Regen vergleichbar, bereitet das ganz große Wagner-Glück.

 

Hinzu kommen rein orchestrale Darbietungen des Vorspieles zum dritten Akt der Meistersinger, das Vorspiel und der Liebestod Isoldes aus Tristan, die Holländer-Ouvertüre sowie das Vorspiel zum ersten Akt und der Karfreitagszauber aus Parsifal. Hier zeigen besonders die glänzenden Streicher, aber auch das edel schimmernde Blech des Swedish Radio Symphony Orchestra, zu welch luxuriösem Wagner-Sound sie fähig sind. Daniel Harding ist ein exzellenter, wachsamer Begleiter, aber auch ein umsichtiger Gestalter chromatisch tektonischer Klangwandlungen und großer Bögen.

 

Zurücklehnen, genießen!

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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