FVI Festival: PULCINELLA,Igor Srawinsky, Ballett mit Gesang in einem Akt, UA Paris 1920
LA FAVOLA DI ORFEO, Alfredo Casella, Kammeroper in einem Akt op 51, UA Venedig 1932
29.7.2026

C.Coppolecchia
Mit diesen beiden Einaktern wurden zwei dem Neoklassizismus verpflichteten Werke im Palazzo ducale pausenlos nacheinander zur Aufführung gebracht.- Pulcinella, die Figur aus dem neapolitanischen Volkstheater mischt sich in die Liebesverhältnisse ein, inszeniert ihren eigenen Tod, wiedererwacht und ordnet die Liebesbeziehungen nach ihrer „Richtigkeit“ bzw nach ihrem Gusto. Strawinskys Werk erlangte 1920 Berühmtheit, indem er den Neoklassizismus in die Musik einführte, indem er zwar konkret Werke besonders von Pergolesi verwendete, sie aber in harmonischer Hinsicht verfremdete und ihnen einen eher wagen und teils nahezu spirituellen Charakter verlieh.
Chiara Mogini (Mezzosopran), Matteo Falcier/Tenor und Roberto Lorenzi/Bass singen die Texte aus dem Libretto von Leonide Massine.
Die Oper von Alfredo Casella präsentiert sich ebenfalls in einer neoklassizistisch-kondensierten Fassung, deren Libretto von Corrado Pavolini nach dem Theaterstück „Favola di Orfeo“ von Angelo Poliziano, Ende des 15.Jahrhunderts ein Meilenstein in der italienischen Theatergeschichte war, da es als das erste Theaterstück in italienischer Volksprache gilt und am Hof zu Mantua aufgeführt wurde

C.Coppolecchia
Jean Renshaw übernahm in beiden Stücken Regie und Choreographie. Bei ‚Pulcinella‘ überqueren immer wieder Ballerinen in fliegendem Tempo die Bühne von links nach rechts, und ein ‚Figurant‘ (Bruna Punzi) überwacht das Geschehen. Die Ballerinen sind von Sophia Debus/Bühne und Kostüme in schwarze Bodys und kurzen schwarzen Faltenröcken gekleidet. Lutz Deppe rückt als Lightdesigner dies flüchtige Geschehen in helles Licht.
Bei der ‚Favola‘ stechen zweimalige Sargumzüge mit einem weißen Sarg ins Auge. Von einem Bühnenbild hat man aber nicht viel gesehen. Am auffälligsten noch die Musik von Casella, die sehr die einzelnen Phasen und Umbrüche des Geschehens um das berühmte Paar ’sachlich‘ kommentiert, aber die letzte Episode von Polziano/Pavolini, in der Orpheus von den Mänaden zerrissen wird, da er nach dem zweimaligen Tod von Euridike der Frauenliebe abschwört, wird weder hörbar in der Musik und auch nicht andeutungsweise in der Regie aufgenommen. Der Chor der Dryaden und Bacchanten verbleibt zahm.
Flavia Fioretti singt eine Bacchantin, Chiara Mogini eine Dryade/Mezzosoprani. Roberto Lorenzi gibt bassal den Pluto. Willingerd Gimenez als Bariton die Stimme des Aristeus/Nebenbuhler von Orpheus. Cecilia Taliano Grasso die Euridike mit gutem Sopran,und Matteo Falcier den Orpheus mit ebensolchem Tenor.
Es spielt und singt wieder das Orchester und der Chor des Theaters Petruzzelli aus Bari. Es tanzt das Eko Dance Project (Anna B.Antonello, Chiara Colombo, Laura Properzi, Matilde Valente, Sara Balastrero, Sara Luisi, Samuele Sapuppo, Cesar Dugnani).
Die musikal. Gesamtleitung hat Nicolo‘ Umberto Foron inne und creiert mit den Ensembles einen ansprechenden Opernabend.
Friedeon Rosen

