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MARTINA FRANCA/ Festival della valle d’Itria/ Palazzo Ducale: IL MATRIMONIO SEGRETO von Domenico Cimarosa

01.08.2019 | Oper

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Festival della valle d’Itria Martina Franca: Il matrimonio segreto/Cimarosa 31.7.2019

Das ist eine der schönsten Vorgänger-Opern Mozarts, besonders von ‚Nozze‘ (Hochzeit) di Figaro‘, ebenfalls eine Opera buffa. Sicherlich hat  Mozart sich gleich die drei Anfangs-Es-dur-Akkorde abgeschaut, die dann aber Die Zauberflöte eröffnen. Domenico Cimarosa war einer der zahlreichen Italiener des Spätbarock und des Klassizismus, die in das nördliche Europa gingen, er schrieb sein Hauptwerk Matrimonio segreto für das kaiserliche Hoftheater in Wien, wo es mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Auch im weiteren Verlauf der Oper finden sich einige „Parallelstellen“ zu den ‚Nozze‘.

Man könnte sagen, Mozart findet eine Art Grundschema vor, auf das er seine große da-Ponte-Buffa projiziert. Dem heiratswillige Paar Figaro – Susanna entsprechen hier die in geheimer Ehe verbundenen Paolino, dem Angestelltem beim Kaufmann Geronimo, und Carolina, dessen Tochter. Das ‚hohe Paar‘ bei ‚Nozze‘ spiegelt sich in dem Conte Robinson, einem Gönner des Kaufmanns Geronimo, und dessen 2. Tochter Elisetta, die zwar verlobt sind, sich aber erst am Ende zusammen raufen. Die 3. Frau ist Fidalma, die verwitwete Schwester Geronimos, die an die Marcellina in ‚Nozze‘ erinnert. Es kommt hier zwar kein Stotterer wie der Richter bei Nozze vor, Signor Geronimo ist aber schwerhörig, was hier auch einen Buffoeffekt abgibt. Eine weitere Volte könnte man auch zu Rossinis ‚Barbiere di Sivigla‘ schlagen, wo zwar keine Susanna alias Carolina vorkommt, die zukünftige Contessa Rosina aber des Mündel des Dottore Bartolo ist, wie sich auch Carolina in völliger Abhängigkeit vom Vater Geronimo befindet. Wie später Rossini seinen ‚Barbier‘, legt auch Cimarosa seinen ‚matrimonio‘ in 2 Akten an und schreibt anfangs mehr vor sich hinplänkelnde, die Ausgangssituation exponierende Musik, die sich erst im zweiten Akt stringenter und prachtvoller gestaltet.

Altmeister Pier Luigi Pizzi hat im Palazzo Ducale einen relativ modernen die Bühnenbreite nutzenden weißen Raum angelegt, der nach rechts und links je sechs Türen aufweist, die zu den Zimmern der 6 Protagonisten abgehen. An der Rückwand hängen  Seiten-parallel 6 große abstrakte Bilder, bzw.solche der modernen Kunst im Großformat. Davor ergeben sich mehrere Sitzgelegenheiten, ein Tisch sowie Coachen, wo die verschiedenen AkteurInnnen resp. Parteien in ansprechender Personenführung disputieren oder ‚verhandeln‘. An Kostümen (auch Pizzi) trägt Geronimo einen gelben Anzug, darunter weinrotes Hemd, der Conte blauen Anzug mit exotischem Freizeithemd. Die Damen müssen sich längere Zeit in Hosenkombinationen ergehen, was auf die Dauer eine suboptimale Wirkung erzielt. Nur Elisetta darf, wenn plötzlich vom Conte umworben, ein dezentes rotes Minikleid tragen. Carolina, die zwischendurch in einen regebogenfarbenen weiten Hauskleid zugange ist, trägt zu der verhinderten Flucht mit Paolino, der im engen weißen Reiseanzug erscheint, ebenso einen weißen Hosenanzug. Sie hätte sonst in einen Konvent gehen müssen. Zum Schluß löst sich aber alles in Wohlgefallen auf, da der Conte nun das ’niedere Paar‘ absegnet, wahrscheinlich dazu auch Geld an seinen Kaufmannsfreund herüberwachsen läßt.

Das Orchester des Theaters Petruzzelli Bari spielt eine ordentlichen Part mit hübschen Holzbläsersoli unter der schwungvollen Leitung von Michele Spotti.


Alasdair Kent, Benedetta Torre. (c) Youtube

Marco Filippo Romano gibt den  Geronimo ganz elegisch über der Sache stehend und führt dabei einen Klasse-Baß ins Treffen. Besonders im Treffen mit conte Robinson zieht er alle Register, eine ‚Verhandlung‘ auf italienisch, die sich gewaschen hat. Letzterer ist mit Vittorio Prato ein hagerer ein eher trockener Geschäftspartner, der aber später Elisetta gegenüber mit seinen sportlichen Künsten auftrumpft. Gesanglich ist sein Bariton eher als räsonierend zu bezeichnen, was seinem Charaktertyp auch nicht schlecht ansteht. Fidalma ist die Ana Victoria Pritts mi einem schlanken durchgebildeten Mezzosopran, die mit ihrem Bruder gemeinsame Sache macht und sich daneben an den jungen gut gebauten Paolino heranmacht, was eine kleine Eifersuchtsszene zur Folge hat. Benedetta Torre als Carolina erwischt sie nämlich dabei. Ihr steht ein dezent timbrierter hübscher  Koloratursopran zu Verfügung. Der Paolino des Alasdair Kent ist ein Tenorino aber mit schon hörbarem Schmelz. Die beiden geben ein hinreißendes junges Liebespaar ab, auch im Duett. Gesanglich am hinreißendsten  ist aber die Elisetta der Maria Laura Iacobellis mit einem jugendlich dramatisch prickelnden Sopran, dem sie in einigen geschickt gebauten Arien freien Lauf läßt. 

 Friedeon Rosén

 

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