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MARTINA FRANCA/ Festival della Valle d’Itria: ORFEO von Nicola Antonio Porpora

04.08.2019 | Oper

Festival della Valle d’Itria: ORFEO von Nicola Antonio Porpora 2.8.2019

Dieses dreiaktige dramma per musica stammt aber nicht nur von Porpora, der neben Händel vielleicht die schönsten Koloraturarien komponierte, er formte die Oper auch mit Arien von J.A. Hasse, Leonardo Vinci, Francesco Araja, F.M. Veracini und Geminiano Giacomelli zum damals üblichen Opernpasticcio. Der Orpheusstoff wird hier mit einer Art Vorspiel im Hades eingeleitet, in dem  Pluto und Proserpina ihre Einflußterritorien gegeneinander abgrenzen. Die beiden ersten Akte spielen sozusagen in mythischen Gefilden, in Thrazien, Arcadien  und Boethien, wo sich Halbgötter, Hirten und Nymphen tummeln. Die dryadische Nymphe Euridice ist zuerst zwischen Aristeus, dem König von Arcadien, und Orpheus, dem trazischen Hirten und Sänger, hin-und hergerissen., entscheidet sich aber letztlich für den göttlichen Harfenspieler & Sänger, obwohl er im Gegensatz zu Aristeus für sie mehr die platonische Seite der Liebe repräsentiert. Als dieser erfährt, daß die beiden heiraten werden, verfolgt er die Angebetete, bis sie fällt und von einer Schlange gebissen wird. Autonoe, Prinzessin von Theben gehört aber auch zu diesem Reigen, ist ihrerseits mit Aristeus verbandelt, und die Szene trifft sie besonders schwer, da Aristeus Orpheus auch noch hinterher in den Hades folgen will. Bei Porpora und seinem Librettisten P.A.Rolli endet die Oper aber positiv, es gelingt mit Erlaubnis der Hadesregenten, Euridice mi einem schwarzen Schleier über dem Kopf wieder nach Acadien zu bringen, wo Doppelhochzeit gefeiert wird.

George Petrou leitet das historisch informierte, aber relatv große griechische Ensemble Armonia Atenea quasi Arie an Arie. Es ergibt sich dabei oft ein ganz cremiger austarierter Sound, gespielt auf hohem Barock-Niveau. Die relativen  kurzen Rezitative erscheinen von  der Baß-Theorbe immer ganz mysthisch grundiert.


Copyright: Clarissa Lappolagh.jpg

Die sehr Kostüm-betonte Regie hat Massimo Gasparon übernommen. Auf dem einfach gehaltenen Bühnenbild, auf dem die SängeInnen aber auch Runden um das Orchester nahe ans Publikum drehen können, werden sie zueinander in akkurate Beziehung gesetzt. Dabei wird auch die barocke Affektenlehre betont, indem sie teils in großen Gesten aufeinander reagieren. Die barocken Kostüme (auch Gasparon) sind sehr goldbetont und mit großen Reifröcken, auch bei den Männern, versehen. Die zuerst von Aristeus allein gelassene Antonoe wird von zwei der 4 ChoristInnen getröstet und am ganzen Körper gestreichelt.

Orfeo ist Raffaele Pe, und er ist ein Sopranist von höchsten Gnaden, wie man sich etwa auch Farinelli hätte denken können. Er singt seine Arie mit leichter Kraft und bis in die Höhen klanglich einzigartig gefestigt. Seine Euridice ist die schlanke Anna Maria Sarra mit ihrerseits schön korrespondierendem Sopran, der ansprechend gut durchgebildet ist. Rodrigo Sosa Dal Pozzo setzt seinen sehr gefälligen Countertenor in der Rolle des Aristeus  ein und tritt kriegerisch behelmt auf.  Antonoe wird von Federica Carnevale mit leidenschaftlich geführtem Koloratursopran gegeben. In dunkelblau-gold drapierten ausladenden Kostümen geben Davide Giangregorio (wunderschön timbrierter Baß) und Giuseppina Bridelli (angenehmer Mezzo) die düsteren HerrInnen der Unterwelt.             

 Friedeon Rosén

 

 

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