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MARTINA FRANCA/Festival della Valle d’Itria/Teatro Verdi: L’ORAZIO von Pietro Auletta 

26.07.2023 | Oper international

Martina Franca Festival della Valle d’Itria: L’Orazio von Pietro Auletta  25.7.2023

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Copyright: Clarissa Lapollaph/Martina Franca

Das Festival della Valle d’Itria in Apulien bringt heuer als 3.Oper/Operette ‚L’Orazio‘, Dramma giocoso per Musica von P.Auletta auf ein Libretto von A.Palomba, Uraufführung Neapel 1737, heraus. Das scheint eine sehr gelungene Komische Oper zu sein, die auch als ‚Pasticcio‘ mit einigen Einlage-Arien gespielt wurde. Sie wurde im 18.Jahrhundert häufig nachgespielt und, geriet dann in völlige Vergessenheit und wurde erst jetzt unter dem Künstlerischen Direktor Sebastian Schwarz in Martina Franca ausgegraben.

Eine ganz dem barocken  Rezitativ- und Arienschema mit nur wenigen Ensembles an den Aktschluessen verhaftet, ist sie aber dennoch musikalisch sehr ansprechend und lebhaft gestaltet und wird  vom Orchestra Barocca Modo Antiquo in glitzerndem Drive gespielt,und von Federico Maria Sardelli, der in Italien als einer der profiliertesten Vivaldi-Dirigenten gilt, mit grosser Präzision geleitet. Die Aufführung fand im Teatro Verdi, einem modernisierten barock- klassizistischen Bau statt, der heute auch als Kino genutzt wird.

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Copyright: Clarissa Lapollaph/Martina Franca

Es geht um den Maestro di Musica Collagianni, genannt Orazio, der seine Gesangsschuelerin Lauretta, die etwas weinerlich klingende, aber gut spielende Mezzosopranistin Natalia Kawalek, als Solistin für das Theater in Neapel präparieren möchte, die sich aber selbst für unfähig hält. Es handelt sich also nicht um den antiken römischen Dichter Horaz. Es kommt dann noch ein anderes Paar ins Spiel: Eine Sopran-Hosenrolle Leandro und Giacomina, ebenfalls Gesangsschuelerin. Der offensichtliche Theaterimpresario Lamberto wird von Elisa abgewiesen.

Das Stück wird in einer völlig auf modisch modern getrimmten Inszenierung von Jean Renshaw gezeigt..Die Bühne von Lisa Moro (auch Kostüme) wird von einer etwas quer stehenden Schräge beherrscht,auf der die Protagonistinnen sich.oft herunterrollen und teils herumbalgen. Die Männer werden schon mal mit Pistole bedroht. Rechts als einziges Möbel ein Piano-Fügel,sonst nichts,was für die Handlung Anhaltspunkte geben könnte. Dafür wird eine Kostümmodenschau gezeigt,die Damen schon auch mal sexy aufgebrezelt.Der Impresario dagegen dezent, Maestro Orazio zuerst in lustigem, kurzaemlichlichen.Pullover, später in schnieken Designeranzug.Die Hosenrolle in weißem Hemd und schwarzen Twisthosen,deren Geliebte zuerst in biederen Midi Faltenrock,später enganliegendem Kleid, Die Brille lässt sie sich abnehmen. 

Shira Patchornik kann mit gut geführtem klar intonierenden Sopran überzeugen. Die beiden weiteren Soprane,Valeria La Grotta (Giacomina) und Martina Licari/Elisa sind beide auf ihre Art gesanglich bestens präpariert und können schoen timbriert überzeugen. Matteo Loi ist ein gut ’sitzender‘ Bariton, Camillo Delgado Diaz bringt in der Titelrolle einen leichtfüßig distinguierten Tenore die grazia ein.              

Friedeon Rosen

 

 

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