Martina Franca, Festival della Valle d’Itria: Il Turco in Italia 1.8.2023

„Il Turco in Italia“ ist eine Erfolgsoper Giacchino Rossinis, die nach dem 2. Weltkrieg nach längerer quasi Vergessenheit (UA Mailand 1814) 1954 mit Maria Callas als Fiorilla wieder ins Repertoire gelangte. Es ist eine Opera buffa auf das Libretto des frühen Felice Romani, der damals am Anfang stand und seine genialen Opernbuecher später für Bellini und Donizetti schrieb. ‚Buffo‘ soll nicht nur sein, dass sich eine verheiratete Italienerin sich in einen tuerkischen Selim verliebt, sondern dass sich der Dichter Prosdocimo aus dieser Liebeskonstellation und einem 2.Paar, Zaida und Albazar, die einer ‚Zigeuner‘-Truppe zugehoeren, ein Opern-Libretto erfinden und erdichten moechte,und in 2 Akten kommt dabei natürlich Rossinis Turco heraus. Dieser konnte sich an der Handlung bestens inspirieren, da ja der eifersüchtige Ehemann Geronimo hinzukommt, und es zeigt sich an den Höhepunkten der verflochtenen Handlung seine immense musikalische Kreativität, so dass es keinesfalls ein ‚reziprokes Remake‘ der ‚Italienerin in Algier‘ ist. Es wird vom Chor und Orchester des Teatro Petruzzelli Bari hinreißend gesungen und musiziert unter Leitung des gut auch szenisch agierenden Michele.Spotti. Da die Regie von Silvia Paoli für die Herren des Opernchores Bari aber wohl keine szenische Umsetzung fand, wurde für diese kurzerhand der ‚Unsichtbare Chor‘ erfunden, und die Baesse auf der rechten,die Tenöre auf der.linken Seite hinter membranartigen Wänden eingeschlossen. Aus Neapel verlegte die Regisseurin die Handlung an den apulischen Strand bei Bari als Stabilimento Baleare Geronio,und in die 20er Jahre mit Umkleidekabinen für alle Protagonisten, Sonnenschirme samt Liegestuehlen. Das Meer ist natürlich das Orchester vor der Bühne./Bb.Andrea Belli, Kost.: Valeria Donata Bettella.Der Dichter mutiert hier zum ‚Postino‘ in perfekt sitzender Uniform, der die hin- und hergehenden Liebesbriefe austrägt und schon mal hineinschaut,um Liebesstorys zu konstruieren. Der auch in Donna Fiorilla verliebte Narciso mutiert zum virilen quicken Bagnino, der auch mal mit einem Rettungsboot aus Pappe und dem verzweifelten Geronio über die Bühne rudert. Die Szene wird mit Tänzerinnen,leichtbekleideten Mädchen und ‚Zigeunerinnen‘ garniert,was auf die Gegenseite der damals noch teils in kompletter Bekleidung sich am Strand tummelnden Bevölkerung trifft.
Den Selim gibt in bunter türkischer Tracht und starkem Bass Adolfo Corrado. Fiorilla wird in einem gelb dominierten Ensemble gezeigt: Badezweiteiler und Kleid. Giuliana Gianfaldoni singt mit schön ansprechendem weichem auch in den Koloraturen guten Sopran. Giulio Mastrototaro ist ein exzellenter Bass(buffo), der dem türkischen „Käufer“ seiner Frau aber.keine körperliche Gegenwehr entgegenbringt. Als Zaida glänzte Ekaterina Romanova mit einem zeitweise resigniertem Mezzosopran. Ihren Freund Albazar singt tenoral Joan Folque. Den Don Narciso gibt Manuel Amati mit schlankem teils nasal timbriertem Tenor und elegantesten Höhen. Den Dichter Prosdocimo stellt der mit einem angenehmen Bass dotierte Gurgen Baveyan, dabei immer spritzig agierend.
Friedeon Rosen

