Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

MARTINA FRANCA/ Festival della valle d’Itria: CARMEN von G. Bizet

30.07.2026 | Oper international

Festival della valle d’Itria Martina Franca: CARMEN/Bizet, 28.7.2036

cer
C  Cinzia Coppolecchia, Schmugglerinnen &schmuggler

CARMEN kann in George Bizets Urfassung von 1874, erstmalig szenisch, auch mit dem Dirigat von Fabio Luisi, nicht überzeugen

Vor wenigen Jahren wurde die Urfassung von „Carmen“ unter Rene‘ Jakobs, an der er auch selber beteiligt war, erstmalig gespielt. Sie ist noch ohne die Habanera, es gab für Carmen eine andere Auftrittsarie. Das Team Denis Krief/Regisseur und Fabio Luisi betont, somit werde mehr der Charakter von Carmen als  Opera comique betont, während sie in der heutigen Gestalt wie eine (italienisch) veristische Oper herüberkomme. Dazu muss aber betont werden, dass bis 1874 die Oper überhaupt noch nicht in eine Ausprobiersituation gekommen ist, ’nur‘ am Schreibtisch von Bizet komponiert..Wenn aber Bizet bei den späteren Proben beteiligt war, wird er eingesehen haben, das sich seine Urfassung pur nicht realisieren lassen konnte, und er sicherlich einige Änderungen vornehmen musste.

Der in Italien bekannte Regisseur Denis Krief hat diese Urversion im Palazzo ducale inszeniert, das Bühnenbild und das Licht auch übernommen, und die Kostüme mit Carla Galleri sich geteilt. Es ist dabei eine eher matte nicht vielfärbige Version der Oper, ohne Drive, herausgekommen. Die Kinder zu Beginn agieren eher choreographiert (Amy Share-Kissiov) ,nicht spontan.  Der Auftritt Micaela bei den Soldaten ist langwierig und steif, letztlich wird aber gezeigt, wie frauenfeindlich die Soldaten reagieren. Die Zigarettenarbeiterinnen werden als unattraktiv und im Alter von ca 40 Jahren gezeigt, und der „Kampf“ zwischen Carmencita und Manuelita (sic) enthält überhaupt nichts erotisch agressives. Dann wirft Carmen dem Jose‘ bei den Verehrern keine Blume zu, so dass man eigentlich gar nicht weiß, in wen sie sich verliebt hat.

Auch bei den Schmugglern nimmt die Szene keine Fahrt auf. Es wird auch nie richtig gefährlich. Escamillo stellt sich als reserviert und abwartend heraus. Wenn vielleicht die 2. Szene. mit Michaela lebhafter wirkt und auch die Tötungsszene vor dem Massentrubel des Stierkampf immerhin plastisch geschildert wir, versagt zum Ende die Musik. Fast wie in einem Lieto Fine versöhnt, verzichtet sie auf jegliche Dramatik, und verdämmert fast leise. Da ist irgendwie einsichtbar, dass das geändert werden musste, Opera comique hin oder her. Die Pariser Opernimpresarii wussten nach Meyerbeer schon, wie eine solche dramatische Oper zu funktionieren hat. Und Bizet hat oder hätte (er starb ja zeitnah), sich sicher nicht quergelegt…

Orchester und Chor (Marco Medved, Maestro) stammen vom nahegelegenen nahegelegenen Teatro Petruzzelli di Bari.Der Kinderchor der Fondazione P.Grassi wird von Maestra Angela Lacarbonara geleitet.

Den Lilas Pastia gibt in der Sprechrolle Andrea Angelini. In Nebenrollen treten Joao Campelo, Diego Maffezzoni und Andrea Ariano auf. Le Dancaire ist Qiming Xie, Le Remendado Matteo Urbano,beide Tenöre. Ihre Liebhaberinnen stellen Greta Carlino, Mercedes, und  Ariadna Vilardaga, Frasquita Soprane. Alessandro Luongo gibt den Escamillo mit großartigem Bariton.

Natalia Tanasii setzt ihren Sopran gekonnt und teils berückend als Micaela ein.

Matteo Lippi/Don Jose‘ ist ein voluminöser, aber teils exzentrisch druckvoller Tenor und kann für sich einehmen. 

Deniz Uzun verbleibt als Carmen mit nicht sehr ansprechendem unleidenschaftlichem Mezzo-Timbre die Titelfigur.

Friedeon Rosen

 

 

Diese Seite drucken