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Marilyn Monroe zum 100.Geburtstag am 1. Juni 2026: „Schönheit war ihr Schicksal“

Marilyn Monroe zum 100.Geburtstag: „Schönheit war ihr Schicksal“

marilyn monroe happy valentin photo bernard of hollywood 1947 (sammlung manuela miebach)
Marilyn Monroe: Happy Valentin. Photo Bernard of Hollywood 1947. Sammlung: Manuela Miebach.

Bernard of Hollywood zählte mit zu den ersten Entdeckern von der Monroe, und konnte sich noch sehr gut daran erinnern, wie am 24.Juli 1946 ein hinreißend schönes junges Ding, mit einem verdammt kurzen Rock, und einen hautengen roten Rollkragenpullover, in sein Fotostudio am Sunset Strip hereinkam, und mit einer Flüsterstimme ihn fragte „Mr. Bernard, could you take a few sexy pictures of me? “ „Warum wollen gerade sie Sexy – Fotos haben, wo sie doch eher dem natürlichen, netten Mädchen von nebenan, entsprechen?“ erwiderte Bruno. Denn sie entsprach, abgesehen von ihrer Figur, so gar nicht dem sexy Typ und den eines Vamps a la Turner. Ihre Haare waren hellbraun, ihr Gesicht erstrahlte in mädchenhafter Unschuld, ihre Nase war eher breitflächig, und wenn sie ihren Mund öffnete, verscheuchte ihre Fistelstimme auch den letzten Anflug eines männermordenden Vamps. Andererseits hatte Marilyn eine Vitalität, gepaart mit einer entwaffneten Naivität, der sich kaum ein Mann entziehen konnte. In ihrer Anziehungskraft lag natürlicher Sex-Appeal, den die vollschlanke und kindhafte Frau ausstrahlte. Bernard of Hollywood entschloss sich einige Aufnahmen von der noch unbekannten Norma Jeane Mortenson zu machen. Sie die den großen Traum ein großer Filmstar zu werden, schon als Zehnjährige bereits im Waisenhaus in der El Centro Avenue in Hollywood geträumt, posierte das erste Mal vor Brunos Kamera. Sie war mit überschäumender Begeisterung bei der Sache. Modellstehen war für die noch unbekannte Norma Jeane keine Arbeit, sondern offensichtlich ein Vergnügen, eine Spielerei, wo sie wie ein ausgelassenes Kind vor Lebensfreunde sprudelte, und mit ihrem natürlichen Lachen, noch weit entfernt von dem plastischen Puppen und künstlich erzeugten Hollywoodschönheiten war. Die damals gerade erst Zwanzigjährige, am 1.Juni 1926 in Los Angeles geboren, war noch nicht verdorben durch die Hollywood-Maschinerie, die aus Intrigen, Gerüchten, Spekulationen und Machenschaften bestand. Natürlich wollte Bernard of Hollywood diese Kindfrau nach dem ersten Photo-Shooting zu einer weiter gefächerten Fotositzung animieren, und so posierte sie für die ersten Bikinifotos, wo sie auch zum ersten Mal ihre betörenden Kurven provozierend zur Show stellte. Die ersten Pin-ups die Bruno von Marilyn aufnahm, waren von Anfang an, ein sensationeller Erfolg bei Presse und Publikum. Doch als Covergirl Karriere zu machen, allein das genügte der damals Zwanzigjährigen nicht. Denn sie wollte unbedingt eine große Schauspielerin werden. Eine Schauspielerin, die nicht nur ihren Körper auf den Titelseiten von Männermagazinen präsentierte, und wo ihre Fotos an den Spins amerikanischer Soldaten hingen, sondern im Innern ihres Herzens, wünschte sie sich die ernsten dramatischen Rollen eines Tages spielen zu dürfen. Marilyn liebte es, sich nicht nur in die verschiedensten Charaktere zu verwandeln, sondern war auch ein menschliches Chamäleon, das sich zum Selbstschutz ihrer Umgebung anpasste. Denn sie schämte sich ihrer Kellerkind-Vergangenheit. Sie das uneheliche Kind einer Filmcutterin, die die meiste Zeit in einer Nervenheilanstalt verbrachte, und deren Eltern und Bruder im staatlichen Irrenhaus Norwalk an Schizophrenie starben, lernte früh auf sich selbst gestellt zu sein und sich zu behaupten. Eine Reihe von Pflegeheimen und die Einweisung in ein Waisenhaus waren ihr Kindheitsmilieu.

Mit 16 Jahren flüchtete sie in eine Ehe und heiratete den Flugzeugmechaniker und späteren Polizisten James Dougherty. Sie selbst arbeitete als Hilfskraft in der Montageabteilung einer Rüstungsfabrik, wo sie zum ersten Mal als Fotomodell 1945 für die Frontzeitung der U.S. Army posierte. Dort begann bereits ihre anfängliche Karriere, wo sie durch die erste Zusammenarbeit mit Bruno Bernard genau ein Jahr später, dann zu eines der beliebtesten Pin-up-Girls in Hollywood wurde.

Ihre nicht gerade glückliche Kindheit versuchte sie zu verdrängen, indem sie auf der Suche war, um ein neues eigenes Ich zu finden. Diese Suche nach Selbst-Verwirklichung um Berühmtheit zu erlangen, war ihr einziges Ziel. Wo Marilyn sogar bereit war ihre Seele an den Teufel zu verkaufen. Sie posierte mit großer Leidenschaft vor der Kamera, nicht nur allein des Geldes wegen, sondern sie liebte es, sich und ihren Körper, als eine Art Selbstdarstellung zu präsentieren, um alle Aufmerksamkeiten auf sich zu lenken, und wo sie vielleicht auch glaubte, dass sie ihre verletzte und kranke Seele durch die Droge „Ich will geliebt und anderen gefallen“ dadurch heilen könne. Ihre nazistische Veranlagung ist durchaus in ihren traumatischen Kindheitserlebnissen zu suchen, und sie war sich auch durchaus ihres Sex-Appeals bewusst um sich somit auch ins rechte Licht zu rücken. Denn Marilyn verbrachte mehr Zeit in dem riesigen Fotostudio der Fox zu, als an ihrer geistigen Entwicklung, als auch an der Aussprache und an ihren schauspielerischen Fähigkeiten zu arbeiten.

Die Glamour, Stand – und Pressefotografen verknipsten Tausende von Filmen, die in regelmäßigen Abständen an die Weltpresse verschickt wurden. Es war eine ständige Hollywoodpraxis, fast die gesamte Produktion ihrer Durchschnittsfilme durch so genannte „Cheesecake“ oder „Legart-Fotos“ dem breiteren Publikum schmackhaft zu machen. Marilyns Pin-ups waren bald ein sensationeller internationaler Erfolg bei Presse und Publikum. Und so geschah es auch, dass Norma Jeane, nachdem sie alle Aufmerksamkeit der Fotografen und einigen Filmproduzenten auf sich gelenkt hatte, ihren ersten Filmvertrag 1946 von 20th Century Fox erhielt. Ein Einjahresvertrag mit 75 Dollar Anfangsgehalt pro Woche mit einer halbjährigen Erhöhung von 25 Dollar. Dieses Anfangsgehalt war zwar erheblich geringer als ihre Einkünfte als Fotomodell, aber es ermöglichte Marilyn einen freien Schauspiel, Gesangs- und Tanzunterricht in der studio-eigenen Schule, und vor allem die Chance, von Regisseuren und Produzenten auf diesem Riesengelände der Fox entdeckt zu werden. Außer sich vor Freude über diesen Vertrag, sprang Marilyn ihrem damaligen Entdecker, Mentor und Theatermann Ben Lyon um den Hals, und Ben schien sichtlich gerührt über die Freudentränen, die diesem jungen unkomplizierten Ding über die Wangen liefen. Er war es auch, der ihren Namen Norma Jeane Mortenson als ungeeignet für ein angehendes Starlet empfand, da er sich nur schwer einzuprägen war, und somit taufte er ihren alten Namen auf den Namen Marilyn Monroe um, der übrigens nicht frei erfunden, sondern von der Großmutter Della Mae Monroe übernommen, und zunächst als Künstlername geführt wurde. Gesetzlich wurde dieser Name aber erst 1956 behördlich offiziell anerkannt.

Von diesem Moment an war Norma Jeane, die ungeliebte herumgestoßene Halbweise, gestorben! Und Marilyn Monroe, ein glamouröses Filmsternchen ward geboren, die durch ihre lang gehegten und ehrgeizigen Wunschträume, ein Märchen hat wahr werden lassen. Doch Marilyns Aschenbrödel Karriere war aber auch vielen Zerreißproben ausgesetzt, und nachdem sie im ersten Vertragsjahr nur zwei winzige Filmrollen, wo ihr kurzer Dialog in dem Film „Scudda Hoo!Scudda Hay!“ auf Grund ihrer Fistelstimme herausgeschnitten wurde, war sie zwar zunächst am Boden zerstört, aber das hinderte Marilyn noch lange nicht daran, mit verbissenem Ehrgeiz an ihrer Schauspielkarriere weiterzuarbeiten. Als im Koreakrieg Marilyn von der Soldatenzeitung „Stars and Stripes“ zur Pin-ups Queen gekürt wurde, wuchs der Umfang ihrer Fanpost bis zu 10.000 Briefen wöchentlich an, sodass das Studio zusätzliche Sekretärinnen und einen eigenen Werbemanager für das publicitysüchtige Sternchen engagieren musste.

bruno bernard mit marilyn monroe
Bruno Bernhard mit Marilyn Monroe. Foto: Sammlung Miebach

Bruno Bernard holte Marilyn zu dieser Zeit oft von ihrem Studio ab. In ihrem klapprigen alten Ford begleitete Bruno sie zu ihrer neuen standesgemäßen Behausung, dem Hollywood-Studio Club am Lodi Place. Marilyn gestand ihrem väterlichen Freund und Vertrauten, oft ihre intimsten Geheimnisse an. Ihre ständigen Ängste waren irgendwann zu versagen, den ständigen Anforderungen einer Hollywoodfabrik nicht gewachsen zu sein, und sie zweifelte immer wieder an ihren mangelnden schauspielerischen Fähigkeiten. Denn schon in der Schule hatte Marilyn die größten Schwierigkeiten Gedichte auswendig zu lernen, und dass sie allein aus diesem Grunde auch nie an Schulaufführungen teilnehmen durfte. Ihre weitere Sorge war, auch mit zunehmendem Alter irgendwann an Attraktivität zu verlieren, und hier mag wohl ihr späterer Regisseur Joe Mankowicz nicht ganz Unrecht gehabt haben, wie er in einer Talkshow nach dem Tod von Marilyn behauptete „Es war gut, dass Marilyn Monroe so jung starb, denn sie hätte es nie verkraftet, ein alterndes Sexsymbol zu sein, und wäre wahrscheinlich mit 50 eine stumpfsinnige Alkoholikerin geworden.

Während ihres ersten Filmvertrages bei 20th Century Fox wurde Marilyn im wahrsten Sinne des Wortes als Pin-up verbraten. Als Sexbombe vom Dienst, an deren schauspielerischen Talent man immer wieder zweifelte. Selbst Billy Wilders spätere negative Aussage zu den Dreharbeiten „Das verflixte Jahr“ das ihre Gestaltungskraft einer einfältigen Sex Biene gleiche, und auch Otto Premingers Aussage, während den Dreharbeiten zu „Fluss ohne Wiederkehr“, dass sie ein „Vakuum mit Brustwarzen“ sei, konnten Marilyns Ehrgeiz nicht erschüttern und ihre unaufhaltbare Karriere nicht mehr aufhalten.

Obwohl vieler harter Kritik, die die Monroe zu Anfang einstecken musste, so erhielt sie nach Auflösung des Vertrages bei der 20th Century Fox über den Filmzaren Harry Cohn 1947 einen neuen Vertrag bei Columbia mit gleichem Anfangsgehalt wie bei der Fox. Es bot sich die Chance endlich eine größere Filmrolle in dem Streifen Ladies of the Chorus“ zu spielen. Doch der Vertrag bei Columbia war bereits nach sechs Monaten beendet, weil Marilyn mit Harry Kohn nicht allein auf deren Yacht segeln wollte. Doch eines war entscheidend für ihre weitere Karriere, dass sie bei der Columbia die dortige Schauspiellehrerin Natascha Lytess kennenlernte, die nicht nur für Marilyns weitere Ausbildung verantwortlich, sondern sie auch auf ihren weiteren steilen, aber schwierigen Weg begleiten sollte. Sie glaubte an Marilyns Schauspieltalent, nahm sie unter ihre Fittiche, und gab ihr nach der Entlassung aus dem Studiovertrag regelmäßig unentgeltlich Schauspielunterricht. Im Herbst 1947 sind auch für Marilyn, neben vielen weiteren arbeitslosen Filmsternchen, nicht gerade rosige Zeiten. Ende September 1948 saß Marilyn recht niedergeschlagen im Studio von Bruno und bettelte sozusagen um einen Job als Fotomodell. Denn sie sei schon seit Monaten im Rückstand mit der Miete und könne auch nicht mehr die Raten fürs Auto bezahlen, da sie beim Film zurzeit keine Beschäftigung habe. Während dieser Arbeitslosigkeit entstanden auch die Aktfotos mit dem berühmten Fotografen Tom Kelly, wo Marilyn für einen Kalender und für ein Honorar von 75 Dollar posierte. Bruno erfuhr davon erst viele Jahre später, wo die Monroe bereits eine bekannte Schauspielerin war und einige große Filme gedreht hatte. Man kann sich ungefähr diesen Skandal in Hollywood vorstellen. Denn eines der striktesten Tabus war Nacktheit. Keine Schauspielerin in Hollywood konnte es sich seinerzeit leisten dieses Tabu zu verletzen. Nun viele Jugendsünden der Monroe versuchte man als sie bereits berühmt war zu vertuschen. Es hätte ungeheure Skandale gegeben und Marilyns Filmkarriere wäre damit schnell beendet gewesen. Viele Jugendsünden wie man sie auch nennen will, waren bei vielen jungen bekannten, oder weniger bekannten Schauspielerinnen, doch eher eine Art Verzweiflungstat. Denn wenn man nicht unbedingt in die Prostitution abrutschen wollte, so war man notgedrungen gezwungen als Aktmodell oder als Pin-up seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

marilyn portrait
Portrait Marilyn Monroe. Fot: Sammlung Miebach

Ein weiterer Mann spielte in Marilyns Leben eine wesentliche Rolle. Johnny Hyde, ein begeisterter Fotoamateur, und im Berufsleben der Vizepräsident der einflussreichen William Morris – Agentur, sollte Marilyns Leben schlagartig verändern. Er war ein guter Freund von Bruno Bernard und Marilyn lernte ihn zur richtigen Zeit am richtigen Ort in Palm Springs kennen. Nach dem Dilemma mit Marilyns Geldknappheit, engagierte Bruno Marilyn für einen Reportageauftrag für ein amerikanisches Fanmagazin, wo die Aufnahmen im Racquet – Club im Palm Springs erfolgten. Dieser Schauplatz war ein Treffpunkt für alle Stars, für die Reichen und Schönen, und auch dort hielt sich zum selbigen Zeitpunkt Johnny Hyde auf, der beim ersten Anblick von Marilyns Schönheit derart fasziniert war, sodass er sich Hals über Kopf in sie verliebte. Dieser „kleine Gartenzwerg“ so wie Marilyn ihn zu Anfangs spöttisch bezeichnete, machte seine neue Entdeckung zu seinem Lieblingsobjekt seiner einflussreichen Agentur. Zuerst kaufte er für einen Spottpreis Marilyns Vertrag mit der NCAC auf und schenkte ihr selbst einen teuren Sportwagen. Dann begann unter ständiger Bewachung seiner Argusaugen der Verwandlungsprozess des „netten Mädchens von nebenan“ indem er Marilyn Monroe in eine Hollywoodsirene verwandelte, was ihn damals eine Menge Geld gekostet hat. Der beste Schönheitschirurg Hollywoods musste jetzt ihre Nase veredeln und ihr Kinn straffen. Die besten Modeschneider gaben Marilyn ein komplett neues Outfit, und er der nun seine Marilyn um stilisierte vom Aschenbrödel zur Filmprinzessin, sie mitschleifte in alle Nightclubs und Film-Premieren, nach dem Motto gesehen und gesehen werden, versuchte aus Marilyn eine ernsthafte Schauspielerin zu machen. Das dieser Mann, Marilyn zum ersten Durchbruch verhalf, wurde durch die allgemeine Weltpresse eigentlich immer verschwiegen. Johnny Hyde gab unter seinem Management Marilyn die erste Chance in dem Film „Asphalt Dschungel“(1950) unter der Regie von John Huston mitzuwirken, und mit seiner Cleverness handelte er für Marilyn nun einen Sieben-Jahresvertrag bei der 20th Century Fox aus. Unter diesem neuen Vertrag drehte die Monroe unter der Regie von Joe Mankiewicz, einer der erfolgreichsten Regisseure und Drehbuchautoren der 50er Jahre, den Film „Alles über Eva“ (1950).

Doch die persönliche Tragik für den kleinen großen, ehemaligen russischen Zirkusartisten Johnny war, dass er das erste Todesopfer seiner blonden mit Sex-Appeal ausgestatteten Liebesgöttin wurde. Denn während ihres über zweijährigem Liebesverhältnis hatte er Marilyn mehrere Male die Ehe angetragen, die sie zur Millionärin und damit zumindest finanziell abgesichert hätte. Aber sie die später in dem Erfolgsfilm „Wie angelt man sich einen Millionär“ (1953), in ihrem wirklichen Leben aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen wollte, verzichtete auf dieses überaus großzügige Angebot und gab ihren Gönner vielleicht ihren Körper, aber nie ihr Versprechen, weil sie sich einfach nicht binden wollte. Denn Marilyns Ziel war nicht das Hausmütterchen am Herd zu spielen, sondern einzigallein die Verwirklichung einer großen Karriere. Dafür nahm sie alle Mühen auf sich, und obwohl sie sich im inneren ihres Herzens nach Wärme und Geborgenheit sehnte, so verzichtete sie zunächst auf ein häusliches Familienleben. Freunde behaupteten damals mit nicht weniger Ironie, Johnny sei am gebrochenen Herzen gestorben! Nach dem Tod von Johnny Hyde sagte Marilyn selbst „Ich liebte Johnny als Mensch, aber nicht als Mann. Er war der erste Mensch der mich richtig verstand, und ich werde ihn nie vergessen.“ Plötzlich stand Marilyn wieder als das verlassene Waisenkind Norma Jeane da. Denn die Familie Hyde schmiss sie unverzüglich aus der früher mit Johnny gemeinsam bewohnten Villa im hohen Bogen hinaus.

Doch durch Johnny Hyde, der Marilyns Weg bereits geebnet hatte, war ihr steiler Weg zum Star nicht mehr aufzuhalten. Unter ihrer Schauspieldompteuse Natascha Lytess erarbeitete Marilyn mit eiserner Disziplin ein Rollenstudium und ent-wickelte außerdem auch einen wahren Bildungshunger. Sie las zum ersten Mal den deutschen Dichter Rainer Maria Rilke, las alle Regiebücher des großen deutschen Regisseur Max Reinhardt, träumte davon die Gruschenka in der Verfilmung der „Brüder Karamasow“ zu spielen, um endlich von dem Klischee des „naiv dummen Sex-Blondchens“ wegzukommen. Selbst ihr erster Welterfolg, neben der damals berühmten Jane Russel in „Blondinen bevorzugt“ (Regie Howard Hawks), und weitere Filme wie „Niagara“1952, und ähnliche Rollen im Jahre 1953 „Wie angelt man sich einen Millionär“ machten Marilyn nicht unbedingt glücklicher.

Durch die Rollenschablone des verführerischen, aber der geistig minder-bemittelten Blondine, machte die 20th Century Fox ein Vermögen, und bereits auch zu dieser Zeit entstanden zwischen der Monroe und zwischen der Filmproduktion große Auseinandersetzungen. Denn Marilyn bestand auf anspruchsvollere Rollen, mehrere Drehbücher hatte sie bereits abgelehnt, und schließlich einigte man sich auf einen Kompromiss, indem man ihr 1954 auf Grund ihrer Mitwirkung in dem Film „Rhythmus im Blut“ eine Hauptrolle in dem Film „Das verflixte 7.Jahr“ unter der Regie von Billy Wilder zugesagt hatte. Marilyn hatte zwar den erträumten und lang ersehnten Erfolg erreicht, aber sie wurde trotz Ruhm und finanzieller Unabhängigkeit immer egozentrischer und vor allem unzufriedener. Sie erschien unpünktlich zu den Dreharbeiten und griff immer mehr zu der Droge Alkohol und Schlaftabletten. Dazu kamen Marilyns ständige Zweifel an ihren schauspielerischen Fähigkeiten, und ohne Natascha wäre wahrscheinlich Marilyn auch auf weiter Flur verloren gewesen. Denn Ihre Lehrerin war wie ein 2.Schatten was ihre künstlerische Arbeit betraf. Wo während des Drehs, so auch während der Dreharbeiten zu dem Film „Das verflixte Jahr“ unter der Regie von Billy Wilder, Natascha vor jeder neuen Szeneneinstellung unaufhörlich auf Marilyn einredete. Jede Geste, jede Sprech-Nuance wiederholte Natascha wie ein Hypnotiseur, und Marilyn schien sich mit geschlossenen Augen ganz wie im Trance auf die hypnotischen Befehle zu konzentrieren. Selbst als die Kamera rollte, lief Natascha außerhalb der optischen Reichweite neben Marilyn her und gab ihre pantomimische Schützenhilfe. Marilyn brauchte oft bis zu 50. Einstellungen bis endlich die Szene im Kasten war. Eine unvorstellbare Geschichte, die ich selbst zunächst nicht glauben wollte, und jeder Regisseur der mit Marilyn zusammengearbeitet hatte, sich offenbar die Haare gerauft haben muss. Doch Bruno Bernard, der bei den Dreharbeiten persönlich anwesend war um einige Standfotos von Marilyn zu schießen, mag hier durchaus keine Lügengeschichten erzählt zu haben, da ich Brunos wahren Charakter, der sehr offen und ehrlich war, durchaus sehr gut kannte. Dazu kam, dass Marilyn emotional sehr labil, und daher äußeren Einflüssen völlig ausgeliefert war. Durch die lebenslange Bevormundung beginnend im Waisenhaus, und später in der Ausübung als Filmschauspielerin, war Marilyn doch eher wie ein dressiertes Zirkuspferd und nie sich selbst. Marilyns zweiter Schauspiel – Hypnotiseur war Milton Greene. Sie folgte ihm 1956 nach New York und schlich sich mit dunkler Brille in das berühmte Actors-Studio von Lee Strasberg um dort an Ort und Stelle die „Methode“ zu studieren. Natascha hatte man inzwischen, auch von Seiten des Studios in die Wüste geschickt. Für Marilyn bedeutete diese Strasbergsche Methode ein Ausgraben ihrer Kindheits-traumata, die bereits auf der Couch ihrer verschiedenen Psychoanalytiker so aufgewühlt worden waren, sodass sie unter den Konflikten ihres gegensätzlichen Ichs immer mehr zerbrach.

Nichtsdestotrotz entschloss sich Marilyn, die von dem Theater-Guru Strasberg ausgesprochen fasziniert war, einige Privatstunden bei ihm zu nehmen. Er nahm sie dann später in seine Schauspielklasse auf, wo sie damals die Blanche Dubois in „Endstation Sehnsucht“ studierte, und laut Strasbergs Aussage, die Rolle sogar ausgezeichnet und sehr überzeugend gespielt haben soll. Seine Frau Paula übernahm bei den weiteren Filmproduktionen die Rolle von Natascha Lytess. Erstaunlicherweise ist auch speziell in den späteren Filmen von Marilyn zu beobachten, dass ihr schauspielerisches Können sich im Laufe der Jahre wirklich entwickelt hatte, so auch in dem Film mit Clark Gable in „Nicht gesellschaftsfähig“ (1961). Wo Marilyn auch bereits mit dem Autor Arthur Miller schon verheiratet war, und aus Liebe zu ihm zum Judentum konvertierte. Sie hatte ihn während der Dreharbeiten zu dem Film „Alter schützt vor Torheit nicht“ durch Eliza Kazan kennen gelernt. Die Ehe schien zu anfangs sehr glücklich, und Marilyn knüpfte auch echte menschliche Beziehungen zu Millers Eltern, die über ihre spätere Scheidung hinausreichten. Doch kann und will sich Marilyn mit diesem häuslichen Glück nicht lange bescheiden. Eine jüdische Hausfrau und Mama wird sie in Connecticut ebenso wenig, wie einst mit ihrem Joe sie eine Mammita in San Franciscos Fisherman’s Wharf abgegeben hatte. Die weitere Tragik mit Miller war außerdem, dass Marilyn zu Anfang ihrer Beziehung sich unbedingt ein Kind gewünscht hatte, aber drei Fehlgeburten überschatteten die ohnehin schon ständig im Streit lebende Beziehung. Marilyn litt bereits zu dieser Zeit an regelmäßig wiederkehrenden manischen Depressionen, die nicht nur ihr, sondern auch ihrer nächsten Umgebung das Leben zur Hölle machten. Miller spielte nach den Drehs den Babysitter und Krankenwärter, wo er Marilyn am Abend Beruhigungspillen und Schlaftabletten, durch Anordnung ihres Psychiaters zuteilen musste. Über tags übernahm er dann die Vermittlerrolle zwischen den anderen Schauspielern und Marilyn, die oft durch die Verzögerungen Marilyns kurz vor dem Nervenzusammenbruch standen. Somit entwickelten sich auch die Dreharbeiten zu dem Film „Nicht gesellschaftsfähig“ mit Clark Gable zu einem Desaster. John Huston, der Marilyn bereits im „Asphalt-Dschungel“ als Schauspielerin etabliert hatte, führte Regie. Ihr Mann selbst hatte zwei Jahre an dem Drehbuch gefeilt, um ihr die Rolle der Rosslyn auf den Leib zu schreiben. Dieser Film sollte Marilyn zum Durchbruch als ernste Schauspielerin verhelfen. Clark Gable, der bei jedem Filmteam gleich beliebte Mensch, kannte im Gegensatz zu Marilyn keine Starallüren. Der Vollprofi war immer pünktlich und hilfsbereit seinen Kollegen gegenüber. Trotz der glühenden Hitze in der heißen Nevada Wüste, seiner 54 Jahre und eines Herzfehlers, ließ er es sich nicht nehmen, alle gefährlichen Szenen des Einfangens der Wildpferde, ohne Gefahrendouble zu drehen. Die vielen Verzögerungen, teils durch Marilyns akute Depressionen, teils aber auch durch die vielen Streitereien am Drehort mit Miller bedingt, überanstrengten ihm derartig, sodass er 13 Tage nach Beendigung der Produktion an Herz-Versagen verstarb, ohne die Geburt seines einzigen Kindes, eines Sohnes, noch mitzuerleben.

Amerika war schockiert und böse Anschuldigungen, dass Marilyn am Tod des Filmidols schuld war, wurde durch Clarks Ehefrau Kay Spreckels noch geschürt, sodass die amerikanische Presse hier für negative Schlagzeilen sorgte. Marilyn war zu der Zeit schon ein menschliches Wrack, und es war erstaunlich, dass der Film durch den Dunst ihres Alkohol- und Pillenkonsums, und durch die Nebelschwaden der vielen Gespräche auf der Seelencouch eines Psychiaters, überhaupt zu Ende gedreht wurde. Der Film selbst, der den lang ersehnten Wechsel ins Charakterfach für Marilyn zwar erfüllte, wurde auf Grund seiner depressiven Grundstimmung jedoch ein Misserfolg. Miller der selbst bereits am Boden zerstört, und an aller Kreativität verloren hatte, ließ sich im beiderseitigen Einverständnis am 20. Januar 1961, nach zahlreichen ausgefochtenen Ehe-streitigkeiten, dann endlich von Marilyn scheiden.

Nach Marilyns Tod am 5.August 1962 brodelte die Gerüchteküche. Die Nachricht über ihren Selbstmord schockierte die Welt. Diese von der Welt so vergötterte Filmdiva, starb einsam und still im blühenden Alter von 36.Jahren an einer Überdosis des Barbiturats Nembutal in Verbindung mit dem Schlafmittel Choral-Hydrat. In ihrer sich selbst bewundernden Eitelkeit wollte sie sogar noch als schönste Leiche in Erinnerung bleiben, indem sie ihren Maskenbildner Whitney Snyder, ihre Garderobiere Margie Plecher und ihre Friseuse Agnes Flanagan noch zu Lebzeiten beauftragte, sie für ihren letzten Auftritt entsprechend vorzubereiten. Schon diese naive Eitelkeit lässt Vermutungen über die letzten Gründe ihres Freitods zu. Ihre physische Eitelkeit war nichts anderes als eine Überkompensation eines tiefsitzenden Minderwertigkeitskomplexes.

Denn sicher wurde ihr klar, dass die Massenanbetung für ihre bloße Sexualität nur noch ein paar Jahre andauern würde, und dass der Absprung in andere Lebensbereiche ihr wahrscheinlich nie geglückt wäre. Außerdem wurde sie zum Produkt und Markenzeichen einer amerikanischen Hollywoodfabrik, die Marilyn mit zunehmendem Alter nie das ernste Schauspielfach zugetraut, geschweige denn angetragen hätten.

Dazu kam auch das die Fox-Studios Marilyn bereits abgeschrieben hatten, da sie krankheitsbedingt kaum noch am Set erschien, und die Kosten der Dreharbeiten derart angestiegen sind, sodass auf Dauer weder die Produktion noch der Star Monroe finanzierbar waren. Außerdem hatte Marilyn während des Drehs zu „Something’s Go to Give“ (1962), und obwohl sie krankgemeldet war, bei der Geburtstagsfeier des US-Präsidenten John F. Kennedy im Madison Squere Garden ihren letzten öffentlichen Auftrag, der gegen den Willen der Fox-Studios geschah, und der Anlass genug war, um Marilyns Vertrag zu kündigen. Somit sind die hier angeführten Kriterien durchaus ein Grund dafür gewesen, dass Marilyn nicht nur Angst vor einem finanziellen Ruin, sondern auch das Ende ihrer Karriere bereits befürchtete, um ihren eigenen Leben ein Ende zu setzen.

Die Verschwörungstheorie, dass John F. Kennedy das Film Idol durch die CIA habe ermorden lassen, konnte nie widerlegt werden. Es ist unumstritten, dass Marilyn die Kennedys wegen ihrer politischen Prominenz, ihrer hohen Geistes-gaben und ihres jugendlichen Flairs bewunderte, und das hier auch über mehrere Zusammentreffen mit Bobby zu berichten ist. Sie äußerte sich über Bobby im positiven Sinne auch Bruno gegenüber. Doch nach Marilyns eigener Aussage, dass sie ihn als Intellektuellen bewundere, aber ihn körperlich in keiner Weise anziehend findet, spricht bereits dafür, dass es hier zu keiner intimen Beziehung gekommen ist. Das zwischen den Kennedybrüdern lediglich, auch teils wegen Marilyns ungeheure Publicitygier, eine rein freundschaftliche Beziehung bestand, so ist auch eine Ermordung von derer Seite im Auftrag der CIA voll-kommen auszuschließen.

Lässt man das Leben von der Monroe geistig noch einmal Revue passieren, so kommt man am Ende zu der einzigen Überzeugung „Dass Ruhm auch einsam macht!“. Denn die egozentrische und am Ende total durch geknallte Diva, litt bereits seit ihrer Kindheit, und erblich bedingt an schwersten Depressionen, wo von Anfang an es besser gewesen wäre, zunächst ihre kranke Seele zu heilen, als aus ihr eine Zelluloid – Göttin zu machen. Diese Entwicklung vom Aschenbrödel zum Star war in Marilyns Leben ein totaler Widerspruch, und gleichzeitig eine physische und psychische Überforderung. Sie wollte sich aus den Klauen eines Kindheitstraumas befreien, indem sie den Traum ein Filmstar zu werden nicht nur geträumt, sondern ihn auch mit aller Konsequenz versucht hatte zu verwirklichen.

So ist ihr wenigstens eines geblieben, trotz ihrer seelischen Zerrissenheit in einer Welt, wo sie von der Mutter nicht gewollt, durch Männer eher ausgenutzt als auch sexuell missbraucht und von einer amerikanischen Filmfabrik ausgebeutet, dass sie zumindest als blonde Venus, als die Verkörperung des „Ewig-Weiblichen“ zu einer Legende geworden ist.

Wen die Götter vernichten wollen…den machen sie erst erfolgreich“ dieser Spruch passt so typisch zu Marilyn Monroe. Denn obwohl sie alles in ihrem Leben erreicht hatte, so blieben ihr am Ende nur noch eine totale Leere und Einsamkeit, wo Lebensüberdruss und Selbstzerstörung die Unaus bleibenden Folgen ihres so unkontrollierten Lebenswandels waren.

Bruno Bernard selbst verstarb im Juni 1987 in Los Angeles. Ich traf ihn ein letztes Mal 1986 im Bad Reichenhall, wo er sich auf Grund einer jahrelangen Prostataerkrankung, dort noch einmal von Spezialisten behandeln ließ.

Doch offenbar sah auch Bruno, durch seine fortgeschrittene Krebserkrankung, keinen anderen Ausweg mehr um somit seinem Leben ein Ende zu setzen.

Seit dieser Zeit des Glamours und der wunderbaren Freundschaft mit Bruno ist auch für mich eine Ära zu Ende gegangen.

Der glamouröse Hollywoodstar Marilyn Monroe und Bernard of Hollywood haben sich beide ein Denkmal gesetzt. Denkmäler die Geschichten zu erzählen haben, die oft von einer derartigen Tragik, wo seitens der Weltpresse zwischen „Lüge und Wahrheit“ jahrzehntelang eine Gerüchteküche brodelte, die mehr der Sensationslust diente anstatt zu hinterfragen. Jedoch wo Tote wieder auferstehen und zur Legende werden. Hier erinnere ich mich wieder an Falcos Lied „Muss ich erst sterben um zu leben?“

Copyright Manuela Miebach

 

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