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MARIA MAGDALENA

11.03.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 15. März 2018
MARIA MAGDALENA
Maria Magdalene / GB / 2017  
Regie: Garth Davis
Mit: Rooney Mara, Joaquin Phoenix, Chiwetel Ejiofor, Tahar Rahim u.a.

Die „Neue Frauenbewegung“, innerhalb derer wir leben, sieht in Maria Magdalena nicht mehr die „Sünderin“, zu die Papst Gregor der Große („eine Frau voll von Lastern“) sie erklärt hat. Mittlerweile ist auch der Vatikan – wenngleich er immer noch ein gnadenloser Männerverein bleibt – einen Schritt weitergegangen. 2016 hat man sie nicht nur vom Stigma der ewigen Sünderin (oder, ganz schlimm, der Gattin von Jesus – da nicht sein kann, was nicht sein darf!) befreit. Mehr noch, man hat sie „liturgisch“ aufgewertet, in den Rang eines weiblichen Apostels erhoben.

Man könnte sich vorstellen, dass dieses Dekret von Papst Franziskus I. vom Juni 2016 gewissermaßen ideologisch hinter diesem neuen Film über Maria Magdalena steht, der mit konventionellen Bibelschinken gar nichts zu tun hat – aber in seiner stillen Spiritualität ungleich langweiliger ist als jeder Hollywood-Brocken der Bibel-Welt, die man im Lauf eines langen Kinolebens schon gesehen hat…

Man bcgegnet Maria in einem einfachen Fischerdorf, eine junge Frau mit offenbar besonderen Fähigkeiten: Sie wird zu Geburten gerufen, nicht als Hebamme, sondern weil sie eine besondere Fähigkeit hat, Schwangere in ihrer Extremsituation zu beruhigen. Sie ist eine schöne, sehr ruhige junge Frau, die allerdings glatt verweigert, als ihr Vater sie, wie es üblich ist, verheiraten will. Dieser Widerstand einer Frau gegen eine Männergesellschaft, die so etwas nicht gewöhnt ist (und die von den anderen Frauen auch keine Loyalität erfährt!), führt sogar zu gewalttätigen Ausbrüchen gegen sie – man könnte es glatt Waterboarding nennen, was die Männer der Familie gegen sie vollbringen, um sie auf „normal“ zurecht zu stutzen…

Kein Wunder sozusagen, dass sie diesem Jesus von Nazareth folgt, der hier als milder Mann dargestellt ist, keinesfalls als der charismatische Wanderprediger, der er gewesen sein muss. Sie lässt sich von ihm taufen, und von nun an wandelt eine schweigende Rooney Mara, schön wie Audrey Hepburn, mit beseeltem Gesicht, aber von keinem weiteren Ausdruck belastet, hinter Jesus und den Jüngern her. Der massige, freundliche Joaquin Phoenix wirkt allerdings nicht so, als könnte er die Massen faszinieren und eine solche politische Gefahr darstellen, dass Juden und Römer sich gemeinschaftlich seiner entledigen…

Man sieht auch nicht viel von ihm, gemächlich begeht er das eine oder andere Wunder, meist aber wandert er mit den Jüngern und Maria Magdalena als einer von ihnen durch staubiges Land. Seltsamerweise profiliert sich nur ein ganz sympathisch wirkender, lebhafter Judas (Tahar Rahim), weniger der etwas mürrische Petrus (Chiwetel Ejiofor). Die Eifersucht der Herren Jünger auf die Frau wird angedeutet, ist aber kein fortlaufendes Thema. Eine seltsame Schwerfälligkeit lastet über diesem Film.

Es gibt ein Minimum an Massenszenen, es wird die in der Bibel so breit erzählte Geschichte bestenfalls minimalistisch angedeutet, Christus wird kurz den Kreuzweg hinaufgejagt und hängt ziemlich abrupt am Kreuz. Was die ganze Zeit in Maria Magdalena vorgeht, deren Schicksal hier wahrlich nicht erzählt wird, erfährt man nicht. Dass sie sich am Ende an die Frauen wendet und verspricht, ihre Stimme werde gehört werden … das ist der Beitrag zum Zeitgeist, überzeugt im Rahmen der Geschichte kaum.

Was bleibt? Langeweile. Da hätte man noch lieber einen schönen, dramatischen Bibelschinken gesehen. Der australische Regisseur Garth Davis hat mit seinem ersten Film „Lion“ (über einen verlorenen, dann nach Australien adoptierten indischen Jungen) einigen Erfolg geerntet. Jedenfalls hat er dort die Dramatik der Geschichte um einiges besser in den Griff bekommen als hier, wo es ihm vor allem darum ging, wie er erklärte, eine für die Gegenwart relevante Geschichte zu erzählen. Das kommt von zu viel Ideologie und zu wenig filmischem Temperament.

Renate Wagner

 

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