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Maria Happel: DAS SCHNITZEL IST UMBESETZT

30.12.2012 | buch

Maria Happel:
DAS SCHNITZEL IST UMBESETZT
Was bisher geschah…
232 Seiten. Amalthea Verlag 2012 

Man sieht es ihr beileibe nicht an, aber 2012 wurde Maria Happel 50, und das ist durchaus der Zeitpunkt für einen „ersten Teil“ von Memoiren (die nächsten folgen dann wohl später, sie hat ja vermutlich noch viel vor). Aber vorläufig einmal „Was bisher geschah“, und das nennt sie dann gleich griffig „Das Schnitzel ist umbesetzt“. Dergleichen Formulierungen kommen im Theaterbetrieb schon vor. Und vom Theater ist vor allem den Rede, denn ungeachtet von etwas Film und etwas Fernsehen (darunter SOKO Donau) sind es doch die Bretter, die das Berufsleben von Maria Happel bestimmen.

Sie hat dieses Buch selbst geschrieben und ist nicht den Gesetzen der üblichen Biographien gefolgt, brav chronologisch durch ihr Leben zu schreiten. Zwar beginnt es dort, wo es begann, in dem sehr kleinen Örtchen Rück im Spessart, wo jeder jeden kennt, also auch jeder die Tochter aus der Friseurfamilie, die schon als Kind „spielt“ – zuerst, dass sie Stewardess sei. Am Ende des Buches meint sie dann, wenn sie wieder einmal in der Garderobe des Burgtheaters ankommt, sie sei wohl richtig gelandet…

Die Happel hat Humor und Selbstironie (man hat es oft genug auf der Bühne erlebt) – wenn sie etwa schildert, wie schroff die große Ida Ehre mit ihr umgegangen ist, als sie in Hamburg zur Schauspielprüfung antrat.

„Wissen Sie“, meinte die große alte Dame des Theaters, „was wollen Sie denn am Theater? Heutzutage muss man als Schauspielerin entweder temperamentvoll sein oder zumindest originell. Leider sind Sie von beidem gar nichts. Außerdem sind Sie ja gar kein deutscher Typ.“
„Aber Sie doch auch nicht“, wandte Maria Happel ein.
„Ja, Kindchen, ich möchte Ihnen ja auch vieles ersparen“, antwortete Ida Ehre.

Nun, sie ist nicht die einzige große Dame, die sich in der Beurteilung des Nachwuchses geirrt hat: Maria Happel passte wunderbar auf das Theater. „Ich glaube ja nach wie vor: Wenn man etwas wirklcih will, dann setzt man das auch durch.“

Sie wollte wirklich, und sie setzte sich durch, zuerst als Piaf, die erste Rolle ihres Lebens, bei der sie sich selbst am Klavier begleitete und die sie faktisch überall spielte, in Bremen, Köln und dann auch Wien (und hätte Wien nicht in der Bill seine eigene Piaf gehabt, hätte Maria Happel in dieser Rolle noch viel öfter reüssiert).

Maria Happel erzählt pointillistisch von den Stationen ihrer Karriere, berichtet von ihrer Freundin Hertha Martin, der ersten Gattin von Michael Kehlmann, die sie lange liebend-kritisch bei ihrer Karriere begleitet hat und schließllich in die Schweiz sterben ging (was Kehlmanns Sohn Daniel in seinem Buch „Ruhm“ thematisiert hat), arbeitet die Erfahrung mit Regisseuren auf („Schauen Sie nicht so tief in sich rein, das ist nichts“, meinte Günter Krämer, „Spielen Sie den Zwiespalt“, verlangte Paulus Manker in „Liliom“, Ruth Berghaus konnte sie nicht leiden). Dazwischen gibt es immer wieder Rückblick auf zuhause, auf Kirche und Frömmigkeit, auf Familie, Orgelunterricht, private Sorgen: Was macht man, wenn man zwei nicht gleich große Busen hat? Auch daran lässt Maria Happel den Leser teilnehmen, ebenso wie an ihren Liebesgeschichten.

Schließlich ist sie beruflich bei Peymann am Burgtheater gelandet (wo die Kollegen sie anfangs ganz schön auf die Seife steigen ließen – auch das erzählt sie), dann bei Peymann in Berlin, endlich zurück am Burgtheater, als Regisseurin erst in Reichenau und dann vielerorts. Und privat war es Kollege Dirk Nocker (Sohn des Opernsängers Hans Nocker, den man als Felsensteins Liebling bezeichnete), der die Happel heimführte, heute haben sie zwei Töchter.

Peymann hat einmal ihren Mut gelobt. Maria Happel hielt ihn durch: „Ich habe keine Angst, schon gar nicht vor den Kritikern“, stellt sie fest. Muss sie auch nicht. Bekanntlich hat sie es in Wien längst zum Publikumsliebling geschafft. Entsprechend häufig werden zumindest die Wiener (abgesehen vom ganzen Spessart) zu ihrem Buch greifen, interessiert, wie die Happel „wirklich ist“. Nun, von umwerfender Natürlichkeit und Geradheit.

Renate Wagner 

 

 

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