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MARBURG/Drau( Slowenisches Nationaltheater: TANNHÄUSER. Musikalisch überraschend solide – szenisch leider Stückwerk, Premiere

18.10.2026 | Oper international

Wagners „Tannhäuser“ in Marburg/ Drau – Musikalisch überraschend solide – szenisch leider Stückwerk

mar
Foto: SND Maribor

Das Slowenische Nationaltheater in Marburg hat sich mit Richard Wagners Tannhäuser an ein monumentales Werk des Musiktheaters gewagt, dies in Kooperation unter anderem mit dem Opernhaus Agram.

Erstmalig in Marburg, die slowenische Erstaufführung fand schon im Feber 1945 statt.

Während der Abend im Graben und auf der Bühne musikalisch überzeugte, hinterließ die szenische Umsetzung von Regisseur Frank Van Laecke gravierende Fragezeichen, dies lag vor allem an einer unklaren Personenführung und einer unklaren Dramaturgie.

Sein szenisches Konzept blieb ohne klare erkennbare Botschaft.

Es reicht heute im modernen Musiktheater schlicht nicht aus, das Regiekonzept bereits vor dem Erklingen der ersten Takte der Ouvertüre zu starten, wenn sich die eigentliche Thematik dadurch nicht schlüssig erklärt. Van Laecke versucht zwar, das Stück als psychologisches Künstlerdrama zu inszenieren, doch dieser Ansatz greift ins oftmals Leere, erreicht eher Fragen beim Zuseher.

Die Personenregie lässt die nötige Stärke und Tiefe vermissen – die Figuren bleiben in ihren Bewegungen und Interaktionen seltsam unvollständig und konzeptlos. Wie leider schon bei früheren Inszenierungen des Regisseurs an diesem Haus erhellt sich die tiefere Botschaft des Werkes dem Zuschauer auch diesmal nicht. Das Konzept verharrt in Andeutungen, ohne eine stringente, tragfähige Geschichte zu erzählen.

Umso erfreulicher war der musikalische Teil des Abends, der die szenischen Schwächen fast vergessen machte. Die Besetzung präsentierte sich durchwegs positiv. Allen voran glänzte Eric Laporte in der mörderischen Titelpartie des Tannhäuser mit enormer Ausdauer und stimmlicher Präsenz. An seiner Seite zeigten sich die Solistinnen – Sabina Cvilak als – vor allem im 3.Akt – innige Elisabeth und Jelena Kordić als stimmgewaltige Venus – bestens disponiert, ebenso wie der Wolfram von Ljubomir Puškarić.

Besonders erfreulich war an diesem Abend der Blick auf die kleineren Rollen, die dem Gesamtgefüge  dienten. Hier fielen Martin Sušnik als Walther von der Vogelweide auf, Dank klarer & pointierter Stimmführung, Youngkug Jin als stattlichem Landgraf oder der Biterolf Blaž Stajnko, bis hin zu den weiteren Rittern – alle überzeugten gesanglich.

Eine echte Überraschung des Abends war das Orchester unter dem Hausherren Simon Krečič, das die komplexe und dichte Wagner-Partitur mit Präzision und Feingefühl meisterte. Der Opernchor präsentierte sich gewohnt solide. 

Wer für Wagners Musik und der Gesangsleistungen bis in die Nebenrollen wegen nach Maribor kommt, wird belohnt. Wer jedoch eine tiefgründige, darstellerisch starke und schlüssige Inszenierung sucht, der wird enttäuscht.

Rudolf Smolej

 

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