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MARBURG/ Drau: BAYADERE – Ludwig Minkus. Ein Erfolg der klassischen Balletttradition

07.11.2026 | Ballett/Performance

Ein Erfolg der klassischen Balletttradition: Rafael Avnikjans Choreografie in Marburg/ Drau begeistert auf ganzer Linie

baya
Copyright: Theater Maribor

Mit La Bayadère hat das SNG Marburg einen Eckpunkt gesetzt, der vor allem durch seine choreografische Präzision und tiefe Werktreue besticht. Rafael Avnikjan beweist mit dieser Inszenierung eindrucksvoll, dass das klassische Handlungsballett in seiner reinen Form nichts von seiner Faszination und emotionalen Sprengkraft verloren hat.

 Avnikjan gelingt das Kunststück, die historische Originalchoreografie von Marius Petipa aus dem Jahr 1877 nicht einfach nur zu kopieren, sondern sie mit feinem Gespür für moderne Dynamik zu beleben.

Posen, jeder Sprung und jede Hebung zeugen von einer kompromisslosen Hingabe an die akademische Schule. Die anspruchsvollen Soli und Pas de deux fließen organisch ineinander und treiben die dramatische Handlung voran.

Ein tragendes Fundament des Abends lag im Orchestergraben. Das Symphonieorchester des SNG Maribor präsentierte sich unter der musikalischen Leitung von Vjekoslav Babić in Bestform. Babić bewies ein Gespür für die Balance zwischen Bühne und Graben. Er hielt das Tempo für die Tänzer stets organisch und flexibel, ohne der Partitur von Ludwig Minkus ihre dramatische Dynamik zu nehmen.

Wem gebührt die tänzerische Krone? Jan Trninič mit seiner Meisterleistung des innerlich zerrissenen Krieger Solor. Er meisterte die berühmten, kraftvollen Sprünge mit stupender Leichtigkeit und schwereloser Eleganz und überzeugte zudem durch schauspielerische Tiefe und eine feine Partnerarbeit in den anspruchsvollen Pas de deux. Oder Matteo Magalotti der ebenfalls durch eine außergewöhnliche Sprung Technik und Eleganz die Rolle des goldenen Idols in den Mittelpunkt rückte.

Hinako Shinzaki und Tetiana Svetlična lieferten sich als Tempeltänzerin Nikija und Prinzessin Gamzatti ein packendes psychologisches Duell, das sowohl tänzerisch als auch darstellerisch auf höchstem Niveau ausgetragen wurde. Franka Popovici setzte in ihren Soli ebenfalls exquisite Akzente.

Die Riege der männlichen Solisten um Ionut Dinita, Vadim Kurgajev und Davide Buffone komplettiert die Riege.

 Der absolute Höhepunkt des Abends ist der berühmte weiße Akt im dritten Teil. Das Mariborer Corps de ballet agiert hier in synchronisierter Harmonie.

Die schier endlosen Arabesque-Gänge der Tänzerinnen entwickeln auf der Bühne eine visuelle Poesie und meditative Kraft, die das Publikum im Saal begeisterte.

 Avnikjan verlangt von seinem Ensemble nicht nur technische Höchstleistungen, sondern auch tiefes schauspielerisches Profil. Die Choreografie lässt den Tänzern den Raum, die Zerrissenheit zwischen Liebe, Pflicht und Verrat in jede noch so kleine Geste zu legen. Dies ist sicher eine der Stärken der Aufführung.

Diese Mariborer Inszenierung ist ein Fest für die Sinne und ein Plädoyer für die Unvergänglichkeit des klassischen Tanzes. Rafael Avnikjan hat dem Ensemble eine choreografische Leistung abverlangt und ein Werk geschaffen, das durch seine ästhetische Reinheit, seine harmonischen Bilder und seine technische Perfektion  lange nachwirken wird. Ein Muss für Liebhaber des klassischen Ballett.

Rudolf Smolej

 

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