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MANNHEIM/ Nationaltheater: SANSSOUCI – Oper und Tanz

30.03.2019 | Ballett/Tanz

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Foto: Tanzensemble (c) Hans Jörg Michel  

 

Mannheim: Sanssouci/Oper und Tanz 29.9.2019 UA (Pr.  14.4.2019)

‚Sanssouci‘ ist eine Gemeinschaftsproduktion der Sparten Oper & Tanz am Nationaltheater, die sich dem dem preußischen König Friedrich II. auf seinem Potsdamer Lustschloß widmet, wo er seine philosophischen, literarischen und besonders musikalischen Leidenschaften auslebte. Der Abend ist in zwei Teile, „Innen“ und  „Außen“ gegliedert. Der ersteTeil spielt anfangs zu der Musik von Bach und dann zu Kompositionen des in  Persien geborenen Arash Safaian nach  Themen von J.S. Bach. Die Figuren sind neben Friedrich II. seine auch musikaffine Schwester Amalie, die als einzige Frau Zugang zu Sanssouci hatte und in einer Beziehung zu dem Bach-Sohn Wilhelm Friedemann stand. Mit seinem zeitweisen Freund Voltaire lebt Friedrich den Geist der Tafelrunde auf, aber getrübt durch die Erinnerung an seinen autoritären Vater. Dazu gehört auch die Geschichte mit Katte, seinem besten Freund, der vor seinen Augen hingerichtet wurde, weil er mit ihm nach England desertieren wollte. Die erzwungene Heirat mit Elisabeth verstärkt sein ‚Trauma‘, das  sogar personfiziert erscheint, und wie die anderen Figuren auch auftritt (Alexandra Chloe Samion). Im 2.Teil Außen wird zur Musik des Geistlichen Konzerts „Dixit dominus“ von Händel für Soli, Chor & Orchester gespielt. In ihm kommt der Raum vor dem Schloß und vor der Stadtmauer ins Spiel, wo der Chor die Funktion einer eher autoritären, den Absolutismus verkörpernden Funktion erhält, während die TänzerInnen das Volk repräsentieren, das weniger statisch sich zu einer Opposition zu bilden beginnt. 

Die Inszenierung, die Chreographie und das Kostümbild hat der Tanz-Intendant Stephan Toss übernommen. Im 1.Teil tanzt in der Kulisse des schon etwas heruntergekommenen Sanssouci mit Porträts an den Wänden und dem Einblick in eine lange Raumflucht (Bb.: Martin Kukulies) das Tanzensemble des NT in z.T. wilden Tänzen quer und längs über die Bühne. Die Choreographie erscheint sehr virtuos, teilweise neckisch-erotisch. Die Kostüme bei den Damen in kurzen Röcken sind braun-ockerfarben, bei den Männern überwiegen legere Anzüge, heraushängende Hemden, im 2.Teil sieht man sogar Baumfällerhemden. Dort ist die Bühne total leer geräumt, nur rechts ein Kirchenportal angedeutet. Der Chor nimmt in verschiedenen Formationen Aufstellung, wobei aber wohl auch die Stimmgruppen eine Rolle spielen. Die Ballerinen tanzen auch zwischen den Chorreihen durch und nehmen aufeinanderfallende Knäuel-Positionen ein. Das Orchester spielt im hochgefahrenen Graben, die originalen Bach-Teile werden auch auf Originalinstrumenten gespielt. In der Musik von Arash Safaian kommt sehr viel Xylophon zum Einsatz, was seinen Bearbeitungen auch leicht schwebenden Drive verschafft, der vom ganzen Orchester übernommen wird. Dazu bedarf es nur der geschickten Moderation des Dirigenten Matthew Toogood. Bei der teils höchst dramatischen Musik des „Dixit dominus“ macht der NT-Chor in der Einstudierung Danis Juris‘ eine sehr gute Figur, namentlich bei den Beschreibungen Gottes, der seine Feinde vertilgt, wobei auch die Tänzer und Tänzerinnen in eine quasi apokalyptische Situation eingeklemmt erscheinen. Die Gesangssolisten sind bei Innen der Baßbariton Marcel Brunner als Friedrich II., und der Sopran Nikola Hillebrand als Amalia, die beide mit ihren Tänzerdoubles Joris Bergmans und Silvia Cassata parallel agieren. In Außen singt wieder N.Hillebrand den Sopran 1, Eunju Kwon Sopran 2, beide stimmschön und in die Handlung optimal integriert. Den Mezzosopran übernimmt in rotem Kleid Martiniana Antonie, den Tenor Koral Güvener, und den ausdruckstarken Baßbariton wieder Marcel Brunner.

Ein Abend, von dem auch das Publikum mitgerissen ist.                       

Friedeon Rosén               

 

 

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