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Mannheim/ Nationaltheater: WALLENSTEIN

14.01.2018 | Theater

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Ensemble, (c) Christian Kleiner

Mannheim/ Nationaltheater: WALLENSTEIN  13.1.2018

Am Nationaltheater, der sog.Schillerbühne, wird seit 16.9.17 dessen Hauptwerk Wallenstein aufgeführt. Für die Regie zeichnet Elmar Goerden verantwortlich. Silvia Merlo und Ulf Stengl haben ihm dazu eine Bühne gebaut, die quasi nur in die Höhe, kaum in die Bühnentiefe verweist. Es sind asymmetrisch angeordnete weiße Platten, die übereinander in der Senkrechte postiert sind. An der Spielebene erweisen  sie sich  als Türen, die geöffnet werden, um neue Personen, etwa Wallensteins Generäle, einzulassen. Es sind aber auch Fahrstühle, in denen Getötete, wie etwa der kaiserliche Gesandte Questenberg, entsorgt werden. Aus ihnen werden auch die abgezählten Sitzgelegenheiten, meist rote Klappstühle, für die ‚Lagen‘ (Besprechungen) herausgeholt. Die Generäle tragen z.T. heutige Designeranzüge oder andere phantasievolle Grauröcke. Einzig Graf Terzky (Stefan Reck) trägt einen roten Cut und Gehstock (Kost.: Lydia Kirchleitner).

Die Regie  setzt auf ein totales ‚Gendercrossing‘. Schon die Titelfigur wird von einer Frau gespielt, von Ragna Pitoll, einer phantastischen jüngeren Schauspielerin, die die Rolle total verinnerlicht hat. Vater und Sohn Piccolomini sind Annelore Sarbach (Octavio) und Katharina Hauter (Max), wobei Sarbach, obwohl sie den Verrat an Wallenstein bereits vollzogen hat, eher mütterllich verständnisvoll herüber kommt, die junge  Katharina Hauter sehr idealistisch und mädchenhaft. Die Frauenrollen der „Familie“ Wallensteins , Gräfin Terzky, die Herzogin  und Wallensteins Tochter Thekla werden allesamt  von Männern übernommen, wobei Gräfin und Herzogin (Klaus Rodewald und Reinhard Mahlberg) recht tuntig gezeichnet werden. In der Beziehung Thekla –  Max übernimmt David Müller mit Rundhaarschnitt und Bart gegenüber K Hauter mit Zöpfchen eindeutig die männliche Rolle. Wallenstein monologisiert über die Astronomie und den richtigen Zeitpunkt des Handelns, wenn schon alles verloren ist, Pitoll wirkt dabei teils sehr süffisant, und wird am Ende von ihrem ‚Hausgeneral‘ Buttler (stark Edgar M. Böhlke) nackt im Bad ermordet.

Die über vier Stunden Spieldauer vergehen rasch, was aber sicher mehr an Schiller als an der bemühten Inszenierung lag.

Friedeon Rosén