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MANNHEIM/ Nationaltheater: TRISTAN UND ISOLDE

10.01.2022 | Oper international

Mannheim / Nationaltheater: „TRISTAN UND ISOLDE“
Besuchte Aufführung am 09.01.2022

NTM - Nationaltheater Mannheim - Musiksalon // Extra: Musikalische Matinee » Tristan und Isolde«

Ich kann´s nicht glauben, nicht fassen! Wurde mir am Abend zuvor in Wiesbaden das unbeschreibliche Glück zuteil den jugendlich hellstrahlenden Tristan (Marco Jentzsch) und die wohl derzeit weltbeste Isolde (Catherine Foster) zu erleben. Sieglinde Pfabigan war eigens aus Wien angereist und wird berichten. War es nun Segen oder Fluch, dass ich meiner Neugierde nachgab um meinen Opern-Favoriten „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner in der Umbesetzung heute am Nationaltheater erneut zu besuchen? Roy Cornelius Smith gab hier am Hause nach Erfolgen zuvor als Eleazar, Otello etc. sein Tristan-Debüt.

Der amerikanische Tenor sang die Partie wie ich schon dutzendfach davor hörte mit mehr dunklem Baritontimbre. War es nun Premierenfieber, dass sich bereits im ersten Aufzug ein starkes Vibrato seiner nicht bruchfreien Stimme bemächtigte. Wie bereits seit Jahren bekannt sang Smith mit mächtigem Volumen, schenkte dem Duett O sink hernieder schöne Piani und steigerte sich mit Kraft in die Liebesekstase. In ausdrucksstarker Fülle, sehr nuanciert, bestens phrasiert punktete der Sänger überraschend mit strahlkräftigen Fieberphantasien.

Im zwangsläufigen Vergleich, ich hatte noch die edle Stimme des Vorabends im Ohr sang nun Alllison Oakes mit den ihr verfügbaren Mitteln eine solide Isolde. Tragfähig erklang ihre substanzielle Mittellage, ob sich beim Antippen der spitzen Obertöne pädagogische Lehrstunden bewähren würden? Zum finalen Mild und leise mobilisierte die Sopranistin nochmals ihre Vokalreserven.

Kultiviert, höhensicher, wunderschön timbriert mit herrlichem Mezzosopran gestaltete Julia Faylenbogen sehr spielintensiv die Brangäne.

Erneut glänzte Patrick Zielke mit der darstellerischen Psychoanalyse des Marke, schenkte der Partie mit bestens pointiertem Bass und herrlichem Timbre die wahrhaft königliche Würde.

Bestens profilierte mit kernigem Bariton Thomas Berau den treuen Kurwenal. Souverän bewährten sich die Sänger Joshua Whitener (junger Seemann), Uwe Eikötter (Hirt), Ilya Lapich (Melot), Serhii Moskalchuk (Steuermann) in den kleinen Partien sowie die höhnenden Matrosen verkörpert vom prächtig agilen Herrenchor des NTM (Dani Juris).

Heimlicher Star des Abends war jedoch das hervorragend disponierte Orchester des NTM unter der Leitung von GMD Alexander Soddy. In bewundernswerter klangästhetischer Dichte erhoben sich  die ersten Takte des Vorspiels, formierten sich allmählich dynamisch zu transparenten Instrumental-Couleurs, gipfelnd im  Klangrausch der Liebesthematik, ließen bereits die musikalische Folgeorgie erahnen. Von atmosphärischer Dichte umflort erklangen die dramatischen Untermalungen im ersten Aufzug. Fulminant, weitausschwingend die Hymne der Nacht des zweiten Aufzugs, einfach betörend schön ausmusiziert vernahm man die magisch-überwältigenden Valeurs der prächtig und präzise aufspielenden Instrumentalgruppen. Nun gewiss die Tristan-Partitur ist kein Kammerspiel! Soddy ließ es zuweilen gehörig krachen, trumpfte mit überdimensioniertem Orchestervolumen auf, etwas weniger Lautstärke wäre auch so manchem Solisten zu Gute gekommen. Nach herrlich elegischem Vorspiel zum dritten Aufzug verdichte Soddy während Tristans Fieberwahn erneut die orchestralen Wogen in eruptive Ausbrüche und dennoch genoss ich jede Note des schier unbeschreiblichen musikalischen Narkotikums.

Das Publikum des im der Pandemie-Vorschriften bedingt, spärlich besetzten Saals feierte alle Mitwirkenden mit großer Begeisterung.

Gerhard Hoffmann

 

 

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