Mannheim, Nationaltheater im OPAL: Bizet: LE DOCTEUR MIRACLE 30.Mai 2026

Ensembleszene. Foto: Nationaltheater Mannheim
Das Mannheimer Nationaltheater besitzt auch ein Internationales Opernstudio. Klein, aber sehr fein, wie man bei dieser Produktion von dem unbekannten Einakter Geoges Bizet´s „Le docteur Miracle“ hören und sehen konnte.
Es ist dem Theater hoch anzurechnen, für die jungen Sänger des Studios eine eigene Produktion im großen Haus mit großem Orchester zu ermöglichen.
Oft sind Studios eine kostengünstige Umgehung der Anfängerverträge im Tarifvertrag: man gibt ihnen Coaching und füllt mit ihnen die Besetzungslisten der großen Opernaufführungen.
Hier hat man sehr klug speziell für dieses Vokalquartett eine interessante Oper gefunden, in der sich alle stimmlich von ihrer besten Seite zeigen konnten. Und obendrein, dieses Frühwerk des 18 jährigen Bizets hat Charme, schon viel eigen Klingendes und stets Esprit. Es zeigt sich das außerordentliche Talent. Diese Opera-comique gewann den ersten Preis eines von Jaques Offenbach ausgelobten Kompositionswettbewerbs zusammen mit der gleichnamigen Operette von Charles Lecocq.
Schon die Ouvertüre ist des Hörens wert, es folgen schnelle Ensemblenummern, aber auch delikate Arietten. Die Geschichte ist eine typische Opera buffa Geschichte, aber mit Witz und Raffinesse.
Umgesetzt wird das musikalisch exquisit: Herausragend ist YEJY NAM in der Rolle der Laurette. Ihr Sopran ist nicht nur herrlich timbriert, auch ihre Koloraturen, das Gespür für die französische Leichtigkeit, den Stil und ihre Farbpalette werden sie zeitnah zu einer begehrten Sängerin im hoffentlich langen Berufsleben machen. ROMMIE ROCHELL hat Theaterblut und ihr vollmundiger Mezzosopran gibt Veronique die Autorität, aber der ebenfalls noch jungen Stiefmutter mir. Der Mann des Begehrens ist der Tenor, der, um an seine geliebte Laurette zu kommen, in verschiedenste Rollen schlüpft ( ähnlich dem Conte Almaviva im Barbiere). DOMINIC LEE geht es ebenfalls leicht an und findet die richtige Farbe für diese heitere Musik. ZACHARIAS GALAVIZ-GUERRA ist der „alte“ Podestat. Kein Bassbuffo, eher ein hoher lyrischer Bariton-Matin, dem die lyrischen Teile seiner Partie mehr zusagen als das Poltern.
Alle bemühen sich auch redlich um die in deutscher Sprache gehaltenen Dialoge. Eine wertvolle Übung für den späteren Berufsalltag.
Die Inszenierung von CLAUDIA PLAßWICH ist stringent und klar, hat meist Schwung und oft Komik. Die Ausstattung bunt und knallig (DAVIDE RAIOLA), die Lackkostüme wirken allerdings etwas wenig flexibel und geben den Figuren etwas Statisches. Vier hervorragende Tänzerinnen des Performance-Studios des Nationaltheaters geben der Geschichte einen Rahmen und übernehmen viele kleine Umbauten, sind dann wieder Soldatenvolk oder unsichtbare Geister. (ANTONIA ARNOLD, LEANDRA HERR, DOIRS LINGENAU UND CARLA TORRISI).
Das Orchester des Nationaltheater Mannheim spielt in Bestform. Berückend musiziert ist die Abteilung der Holzbläser, aber insgesamt trifft man den Ton für Bizet´s buffoneske Musik.
ANTON LEGKIL hat allen Grund zur Freude am Dirigentenpult und gibt diesem unbekannten Opernjuwel den besten Schliff.
Im großen OPAL, der Interim-Spielstätte des Nationaltheaters genießen die Dagewesenen die Aufführung sichtlich und spenden freudigen Applaus. Man wünschte sich den jungen Talenten mehr Publikum.
Damian Kern

