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MANNHEIM/ Nationaltheater: IL TROVATORE – Premiere

14.07.2019 | Oper

Bildergebnis für Mannheim il trovatore
Irakli Kakhidze, Miriam Clark    (c) Hans Jörg Michel

Mannheim: Il trovatore   13.7.2019   Prem.

Nach dem gelungenen Don Giovanni (Mozart) wagt sich Roger Vontobel am Nationaltheater an seine zweite Verdi-Inszenierung nach Aida, nämlich den Troubadour. Seine Grundidee dabei ist, das wirre Geschehen während des Bürgerkriegs in Spanien im 15. Jahrhundert in größtmöglicher Dunkelheit spielen zu lassen, wobei nur ab und zu grelle Scheinwerfer aus der Hinterbühne und die Taschenlampen der bewehrten gegnerischen Truppen die Szene etwas aufhellen, so daß man zumindest die Protagonisten einigermaßen erkennt. Sicherlich stellt sich damit aber ein Effekt des schauerlich Dunklen, das von Verdi ja mit der haarsträubenden Geschichte der Zigeunerin, die ihr eigenes Kind ins Feuer wirft, erreicht werden soll. Eine weitere Regie-Idee ist, eine „Trauma“ genannte Tänzerin (Delphina Parenti), die bereits in einem stummen Vorspiel die Bühne langsam und in ausgreifenden Bewegungen betritt, quasi allgegenwärtig einzusetzen, indem sie die Protagonisten immer umtanzt und sich besonders an Azucena auch anklammert, und am Ende den allein übrig bleibenden Graf Luna im Nacken sitzt. Natürlich sind Manrico, Luna, Leonora und Azucena durch das heftige (Vor)geschehen und den immer wieder auffackernden Krieg völlig traumatisiert, aber auf die Dauer nützt sich der Effekt mit der an sich hervorragend agierenden Tänzerin doch ab. Nicht zuletzt dadurch, daß er auch die Interaktionen der eigentlich Handelnden, etwa Manrico mit seiner Mutter Azucena, einzuschränken vermag. Nicht wirklich hilft Vontobel auch die Bühnengestaltung von Claudia Rohner. Besonders bei Don Giovanni hatte er tolle aussagekräftige Bühnenbilder zu Verfügung. Hier beschränkt sich die an den Seiten offen erscheinende Szene auf einen großen Gaze-Hintergrundprospekt, auf den Schattenspiele projiziert werden (Duellszenen, Hinrichtung Manricos unterm Beil). Auf der sonst leeren Bühne befinden sich einige Podeste und Paletten zusammengewürfelt, auf denen die Choristen sich bewegen, ab und an wird auch die Drehbühne in Gang gesetzt. Nina von Mechow hat Leonora mit Phantasie in verschiedene aussagekräftige Gewänder gesteckt, den Troubadour und Ines in geländefähige Kamfpuniformen, Luna erscheint zum Ende in blauer Galauniform. Ines und die ChoristInnen sind z.T. maskiert, was neben den sehr stilisierten weißen Nonnentrachten gute Effekte erzielt.

Das Orchester skandiert gekonnt die oft gezackten Rhythmen und spielt die kleinteilig irisierenden Tontrauben, durch die sich die Partitur auszeichnet, mit entsprechender Verve. Sehr einfühlsame Holzbläserbegleitungen, etwa bei der Arie des Manrico an Leonora, bevor er sich ins Kampfgetümmel stürzt, stehen zu Buche. Roberto Rizzi Brignoli hat das Orchester bestens im Griff und stellt auch eine nie zu beanstandende musikalische Einheit mit dem Bühnengesang her. Die Chöre (Dani Juris) kommen mächtig und klangstark zur Geltung,

Den Graf Luna singt Evez Abdulla mit seinem markigen hell timbrierten und schlagkräftigen Bariton. Er ist der adäquate Gegenpart zum wieder überragenden Tenor des Manrico, Irakli Kakhidze. Seiner bis in höchste Höhen gleichschön durchgebildeten Stimme kann von Beginn an freiten Lauf lassen. Leonora ist Miriam Clark, auch sie punktet mit feiner eleganter Stimmgebung ihres angenehm gefärbten Soprans. Nur an wenigen Stellen erscheint ihre Höhe noch nicht ganz gefestigt. Die Azucena der Julia Faylenbogen wirkt in der Inszenierung eher jung und wie eine Indianerin auch mit Zöpfen. Die Stimme des sehr gut tragendes Mezzos setzt auch stilsicher leichte Drücker und Schluchzer ein, eine runde Leistung der vielseitigen Sängerin. Der Ferrando des Bartosz Urbanowicz singt einen eher hellen wohllautend sonoren Baß. Die Ines der Natalija Cantrak gibt einen ziemlich guten,fein perlenden Sopran zum Besten. Karol Güvener kommt als Knappe Manricos tenoral zum Einsatz, Xuscheng Zhang und Daniel Claus Schäfer komplettieren das Ensemble.  Heftiger Applaus im gut besetzten Nationaltheater.

Friedeon Rosén

 

 

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