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MANNHEIM/ Nationaltheater: DON CARLO

11.05.2019 | Oper
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Foto: Hans Jörg Michel/ Nationaltheater Mannheim

Mannheim: Don Carlo 10.5.2019
 
Das Nationaltheater zeigt Verdis Don Carlo in der vieraktigen italienischen Fassung wieder in der Regie von Jens-Daniel Herzog von 2013. Damals begann anscheinend die Mode, im Kostümbild zwischen Spielzeit der Oper (hier: spanische Spätrenaissance) und moderner heutiger Zeit zu changieren. So sehen wir Carlo die Oper über im spanischen Infantendress mit kurzer Pluderhose, Wams und Halskrause, am Ende bei seiner Abreise mit Trenchcoat und Koffer, so wie Posa zu Beginn an den Hof gekommen war. Als Höfling und Begünstigter Philipps II. agiert er in einem dunklen Straßenanzug. Der König selbst ist, wie auch Elisabetta, durchgehend in der spanischen Hofmode zu sehen. Prinzessin Eboli intrigiert in einem schick designten modernen Kleid, wie auch die Hofdamen in dezent bunten relativ kurzen Kleidern der heutigen Mode huldigen. Auch der Großinquisitor, seine Inquisitorenschar und die Militärs halten sich eher an heutige Kleidervorschriften. Für diesen vielfältigen Kleiderfundus zeichnen die beiden KostümbildnerInnen Verena Polkowski und Mathis Neidhardt verantwortlich. Die Regie versucht durch kluge Gänge das Drama anschaulich zu machen, manchmal ergibt sich aber auch Rampensingen. Das Bühnenbild von M. Neidhardt macht die Allpräsenz des Escorials durch Verschiebungen seiner Flügel in den verschiedenen Szenen deutlich, die Fassade erscheint aber abgewaschen glanzlos.
 
Das Orchester untermalt leidenschaftlich und ist in den verschiedenen Instrumentengruppen immer eindringlich virtuos unter der trefflichen Leitung von Benjamin Reiners präsent. Die klanglich starken Chöre fallen immer wieder bedrohlich in den Escorial ein, werden aber dort von Priesterschaft und Inquisitoren schnell eingebremst. Die Sopranstimme aus der Höhe gibt hier vorn an der Rampe knieend mit gefalteten Händen sehr schönstimmig Natalja Contrak.
 

Die Eboli singt mit fast herbem Mezzo Julia Faylenbogen, bringt ihre teils kessen, teils untröstlichen Arien in schönen Linien auf den Punkt, eine runde Leistung. Die Elisabetta der Miriam Clark ist dazu ein aufgehellteres Pendant, dabei aber sehr ergeben in ihr Schicksal, wozu sie auch ihren Don animiert. Eine insgesamt vorzeigbare Gestaltung. Den Großinquisitor gibt mit schneidiger bassaler Emphase, leicht dämonisch, Thomas Jesatko. Dem Posa des Nikola Diskic steht ein aufleuchtender, wohlproportionierter quasi Heldenbariton zu Verfügung, den er auch sehr gediegen einsetzt. Irakli Kakhidze ist ein wirklich jugendlich-dramatischer, ja schwärmerischer Tenor mit tollen Höhen, der seinen Weg trotz seiner Liebes- und Vater-Traumata freudig beschreitet. Sung Ha ist ein resignativer Baß, der trotz absoluter Macht erkennt, daß er seine Ziele nicht erreicht. Er kann das auch mit warmem aber temperamentvollem bis autoritativ voluminösem Baß zum Ausdruck bringen.

Friedeon Rosén

 

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