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MANDY

24.09.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 28.09.2018
MANDY
USA / 2018
Regie: Panos Cosmatos
Mit: Nicolas Cage, Linus Roache, Andrea Riseborough u.a.

Slasher / Horror-Filme gibt es genug, sie werden meist mit zweit- und drittrangigen Besetzungen billig produziert und spielen, da sie ein eigenes Publikum haben, immer ihr Geld ein. Dass ein Film dieser Art, der sich auch als solcher deklariert, bei Festivals (Sundance, Cannes) und bei der Kritik reüssiert, ist selten. Was hat Panos Cosmatos, der kanadische Regisseur griechisch-italienischer Abstammung, also anders gemacht?

Nun vor allem das Formale – er geht im Ausreizen von Effekten und vor allem von Lichtspielen (die Szene ist in gewissen Momenten ganz in Gelb, Grün, Lila u.a. getaucht) sehr weit, aber es ist immer sehr „stylish“, quasi überhöht, macht die Blutorgie wenn schon nicht zum Kunstwerk, so doch zum Kunststück.

Auch wird da eine Geschichte erzählt, die zwar im Grunde die übliche ist, die aber einen spürbar wahren Kern hat. Und sie beginnt, wie dergleichen beginnen muss, wenn es ganz grauslich sein soll – als Idylle. Da erlebt man Red und Mandy als Paar, das offenbar harmonisch in seiner Waldhütte lebt. Freilich, wenn sie so durch den Wald streift, dann sieht sie etwas seltsam drein (Andrea Riseborough hat alles andere als ein Durchschnittsgesicht und kann das ausgezeichnet), auf Englisch würde man das als „psychic“ bezeichnen… Ob der Wald in psychedelischen Farben leuchtet, weil sie ihn so sieht oder weil wir schon in der Wunderwelt des Horrorkinos sind – wer weiß. Die Musik flirrt jedenfalls höchst geheimnisvoll im Hintergrund…

Und dann ist man bei Jeremiah Sand, dem Guru, der seine Anhänger und vor allem Anhängerinnen mit Lust und Sadismus quält: Linus Roache ist auch einer jener Ausnahmeschauspieler, denen man das ohne weiteres glaubt. Und er verlangt von seinen Frauen, dass sie ihm „the girl“ verschaffen – jene Mandy, die er im Wald gesehen hat und die er nun um jeden Preis besitzen will. Und eine seiner devoten Blondinen zieht los, ihrem Herren und Meister die Frau zu holen, und wir wissen: Wenn es um Sekten geht, glauben wir jede Abgründigkeit.

Der Film läuft langsam, in seinen unrealistischen Farben und dem brodelnden Sound, aber da braut es sich natürlich zusammen: Mandy wird gefangen, unter Drogen gesetzt, soll vom Guru im Priestergewand beeindruckt werden, mit ekstatischem Flüsterton – aber, und das ist eine ganz wunderbare Szene, sie lacht ihn aus. Was ihr nicht gut bekommt.

Haben wir vergessen zu erwähnen, dass das ein „Nicolas Cage“-Film ist? Nun, sein Ruf ist längst nicht mehr der beste, er steht für Durchschnitts-Action, die oft direkt auf DVD landet, ohne in die Kinos zu kommen. Hier hat er nun wieder einmal eine „große Rolle“, wenn man den „ein Mann sieht Rot“-Rächer so bezeichnen kann, der sich Blut als Kriegsbemalung aufs Gesicht schmiert, nachdem die Sektenmitglieder den Fehler begangen haben, ihn entkommen zu lassen (merkt’s, liebe Bösewichter, nie jemanden lebendig zurücklassen, der noch ein Hühnchen mit euch zu rupfen hat!).

Der Regisseur erspart dem Helden, den Bösewichtern, den Zuschauern und dem Film nichts von dem, was nun kommt: Cage brüllt sich seinen Frust von der Seele, dass man nur erschrecken kann, sucht Rat bei einem alten farbigen Freund, der ihm viel über diese Sekte der „Black Skulls“ und die bei ihnen verschwundenen Frauen erzählen kann, wobei natürlich Rauschgift eine große Rolle spielt.

Wenn sich nun in der großen Konfrontation die Realität in Irrealität verwandelt, versteht man auch, warum Fans von der „metaphysischen“ Komponente des Films sprechen. Das ist geschickt gemacht: Blut und Splatter und Horror, wie man es sich nur wünschen kann – und trotzdem mit grellfarbigen Phantasiewelten den Eindruck erwecken, es wäre noch mehr dran…

Renate Wagner

 

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