Mailand, Teatro alla Scala: Wagner -Götterdämmerung, Premiere am 1.Februar 2026

Foto: Brescia e Amisano/Teatro Scala
Die Mailänder Scala hat ihren Ring des Nibelungen vollendet. DAVID MCVIKAR und sein Team setzen den dritten Tag der Tetralogie opulent in Szene. Die Regie ist nah am Text, führt die Personen unterschiedlich prägnant und setzt auf ornamentreiche, symbolkräftige Ausstattung. Angelehnt an manchen Fantasy-Film schimmert es mittelalterlich golden beim Hochzeitsfest, tauchen Runen und Felsen aus Gebeinen und Totenköpfen auf. Hagens Mannen sind hier eine Tanztruppe, die mäßig bedrohlich, die Speere im Takt schwingt.
Brünnhilde entflammt eindrucksvoll die Weltenkugel und alles geht unter, selbst Wotan und Alberich, die Antipoden von einst, stürzen zu allerletzt. Neu ist das nicht und in der Ästhetik angejahrt, aber durchaus farbenprächtig und abwechslungsreich.
Warum ein derart böser Buhsturm in Mailand beim Applaus über die Regie hereinbricht, ist nicht ganz klar auszumachen. Es werden doch nicht Regietheater-Fanatiker in den Süden Europas gereist sein ?
Musikalisch ist die Aufführung unzweifelhaft hochklassig.
Angeführt von CAMILLA NYLUNDs grandioser Brünnhilde glänz ein hochkarätiges Gesangsensemble. Ihr Sopran, dessen Strahlkraft in der Höhe unermüdlich ist, wird gesangstechnisch hervorragend geführt. Nicht als Hochdramatische, sondern als jugendlich-Dramatische geht sie die Rolle an und hat dadurch den weiteren Vorteil, jung und elegant die Figur zeichnen zu können.

Foto: Brescia e Amisano/Teatro Scala
KLAUS-FLORIAN VOGT ist ein ebensolch jugendlich-dramatischer Siegfried. Gute Diktion und eine hell- tragende Farbe prägen seinen Tenor. Optisch ein Ideal-Siegfried zeigt er keine Ermüdungen und klingt im Tod so frisch wie zu Beginn der Oper im Duett.
Keinen guten Tag hat der sonst so verdiente GÜNTHER GROISSBÖCK mit seinem Debüt als Hagen erwischt. Seine Stimme klingt knorrig, angestrengt und in manchen Passagen scheint sie ihn fast zu verlassen. Dann aber bäumt er sich in den Mannen-Rufen wieder auf und kann den dritten Akt passabel beenden. Bei diesem unebenen Gesang wirkt er dadurch auch als Figur zurückgenommener, als man ihn kennt.
Bereits im vorangegangen Barenboim-Ring 2013 ist er ein hervorragender Alberich in Mailand gewesen, und so singt JOHANNES MARTIN KRÄNZLE ihn auch diesmal mit modulationsfähigem, kraftvollem Bariton und macht die Vater/Sohn- Szene auch darstellerisch zum spannenden Ergeignis.
Ebenfalls von hoher Qualität singt RUSSELL BRAUN den Gunther eher zurückhaltend, nicht tönend, was auch zu seiner zaudernden Rolle bestens passt. OLGA BEZSMERTNA als seine Schwester Gutrune besitzt einen fokussierten Sopran, den sie gerade im letzten Akt gewinnbringend in Feld führen kann. NINA STEMMEs Auftritt als Waltraute im ersten Akt ist bedeutend. Auch sie mit einem Rollen-Debüt profitiert von der großen Erfahrung als Brünnhilde und gestaltet ihren Monolog fabelhaft.
Die Nornen (CHRISTA MAYER, SZILVIA VÖROS und wieder OLGA BEZSMERTNA) sind außergewöhnlich gut besetzt und auch die Rheintöchter (LEE-ANN DUNBAR, SVETLINA STOYANOVA und VIRGINIE VERREZ) singen kräftig und intonationssauber die Szene mit Siegfried.
Nicht immer ganz die Intonation halten die Bläser an diesem Abend. Eine heftige Woche, drei Sinfoniekonzerte, Proben dafür und die ganzen Schlussproben zur Götterdämmerung liegt manchem Musiker in den Lippen.
Umso anerkennenswerter ist dennoch die gesamte außerordentliche Leistung des Scala- Orchesters, denn Dirigent ALEXANDER SODDY animiert das Kollektiv zu nuancenreichem Spiel. Er bringt Wagners Musik in großen Fluss, ohne die Genauigkeit zu vermissen zu lassen. Immer im Moment, atmend mit den Sängern, gelingt ihm Zauberhaftes.
Der nur spärlich vom Komponisten eingesetzte Chor muss szenisch kaum agieren, klingt aber kultiviert und klangmächtig.(Leitung : ALBERTO MALAZZI).
Man kennt den enden-wollenden Applaus des Mailänder Publikums. So sehr mancher sich über die Szene aufregt, so werden die Protagonisten, der Dirigent und das Orchester dann aber doch gefeiert. Andernorts wären die Jubelstürme sicher brandender ausgefallen.
Christian Konz

