Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

MAINZ/ Staatstheater: KATJA KABANOVA von Leos Janacek

11.04.2019 | Oper
Staatstheater Mainz: Katja Kabanova 10.4.2019
 
Das Mainzer Theater spielt Katja Kabanova von Leos Janacek in einer Produktion, die auf einer Inszenierung der Oper am Oldenburgischen Staatstheater basiert. Regie führte Lydia Steier (Co-Regie: Milo Pablo Momm), die in sehr schönen und eindringlichen Bildern diese russisch-tschechische ‚Madame Bovary‘ in Szene setzt. Bis zu den auch folkloristischen Kostümen von Ursula Kudrna ist alles sehr realistisch, nahezu naturalistisch wiedergegeben, was heute schon fast als Ausnahme zu bewerten ist. Das Dirigat hat Paul-Johannes Kirschner, ein Janacek-Kenner, übernommen, der die Musik auch bei dieser Oper von der Dominanz des Textes und der Konversationen geprägt sieht, was ihr diesen aufgeregt dynamischen Modus verleiht. Trotzdem erscheint seine Wiedergabe im Klangbild der ersten beiden Akte weniger aufgerauht, sondern bei satter Harmonie meist fließend ruhig, erst der 3.Akt bringt mit der Dramatik auch eine aufgewühlte Tonsprache zum Tragen. Mit diesen sensibel schönen bis zu ganz harschen Klängen kann das philharmonische Staatsorchester den Abend auf seine Art beherrschen.
 
Das Bühnenbild ergibt Häuser und eine Wolgalandschaft mit unstimmigen Perspektiven auf der Drehbühne, auch eine Hausmansarde mit angeschrägtem Boden (Florin Borg Madsen), dem sich die Personen und das Volk bestens anschmiegen.
 

Die Fekluscha und eine Frau aus dem Volk übernimmt Daniela Dimitrova. Die Dienerin Glasha, die vom Hausherrn Tichon Kabanov auch nebenbei ‚genommen‘ wird, wie überhaupt oft in der Nacht und an der Wolga kopuliert wird, singt Sopran Maria Dehler. Die Varvara, auch im Hause Kabanovs, ist liiert mit Vanja Kudrjasch, pflegt den freieren Lebensstil und leiht Katja ihr Ohr, Linda Sommerhage singt sie mit einfühlendem Mezzo-Sopran. Kudrjasch selber imponiert als Lehrer und angehender Wissenschaftler, Johannes Mayer glänzt in der Rolle tenoral. Die Mutter Tichons, genannt Kabanicha, singt Gundula Hintz mit klaren, aber manchmal fast schrillen Höhen, was aber nicht schlecht zu ihrer Hartherzigkeit paßt. Ihr Sohn Tichon wird von Alexander Spemann eher zurückhaltend eingeschüchtert, aber mit schönem Tenormaterial gezeichnet. Den Kaufmann Savjol Dikoj singt Derrick Ballard mit auftrumpfendem großem Baß. Das ‚1.Paar‘ setzt sich zusammen aus Steven Ebel, der den Boris Grigorjewitsch sehr klangschön geschmeidig und baritonal intoniert, sowie Sopran Nadja Stefanoff, die für die Katja eine farblich reiche stimmliche Palette aufbieten kann, mit der sie ihren Seelenstimmungen und -schwankungen beredten Ausdruck verleiht.

Friedeon Rosén

 

Diese Seite drucken