Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

MAGDEBURG: VANESSA von Samuel Barber

Vom Warten auf die Liebe

10.02.2019 | Oper

Samuel Barber: Vanessa, Theater Magdeburg, 09 02.2019 (3. Vorstellung seit 19.01.2019)

Vom Warten auf die Liebe

Oft erweisen sich die Theater der „Provinz“ wagemutiger als die Häuser der Zentren. Sie haben, zugegebenermassen, auch weniger Plätze, die verkauft werden müssen. So hat in Magdeburg Intendantin Karen Stone Samuel Barbers „Vanessa“ auf den Spielplan gesetzt und die Regie gleich selbst übernommen.

Samuel Barbers Oper Vanessa wurde am 15. Januar 1958 in der ersten Fassung an der Metropolitan Oper in New York uraufgeführt und gelangte noch im gleichen Sommer nach Salzburg (16. August 1958, weitgehende Ablehnung). Vanessa war nach über 10 Jahren wieder die erste amerikanische Oper die an der MET gezeigt wurde.Trotz der positiver Kritiken und der ausgesuchten Besetzung (Dimitri Mitropoulos; Eleanor  Steber, Nicolai Geddau.A.) erreichte „Vanessa“nur 12 Folgevorstellungen.

Am 13. März 1965 kehrte „Vanessa“ auf die Bühne der MET zurück und wurde in den Kritiken wiederum positiv besprochen (Miles Kastendieck in „The Journal-American“: „It was mostwelcome, foritmade an evendeeperimpressionthanat thepremieresevenyearsago“). In der überarbeiteten Fassung erreichte „Vanessa“ nur noch vier Folgevorstellungen und wurde seither nicht mehr an der Stätte ihrer Uraufführung gezeigt.

In der laufenden Saison produzieren gleich zwei deutsche Theater (Magdeburg und Flensburg)„Vanessa“. Über einen längeren Zeitraum betrachtet widersprechen die Aufführungszahlen der verbreiteten Einschätzung als „Klassiker der jüngeren amerikanischen Musikgeschichte und als einer der Ecksteine des modernen Opernrepertoires“.

Regisseurin Karen Stone hat sich für ihre Inszenierung von Ulrich Schulz (Bühne und Kostüme) eine halbierte Schneekugel als Einheitsbühnenbild auf die Bühne stellen lassen. Die gesamte Inneneinrichtung inklusive der als Ausguck dienen oberen Etage und der Treppe ist vom Stil der modernen Sachlichkeit geprägt.

©Andreas Lander

Für die Ballszene kann der Raum auch unterteilt werden.

©Andreas Lander

 

Im Hintergrund schliesst die Abbildung einer Gletscher-Landschaft die Bühne ab.

Nach einem Blackout beginnt die Aufführung. Die alte Baronin, Vanessas Mutter, sitzt in edlen schwarzen Pelz seitlich am Bühnenrand und beobachtet erstmal die Szene. Herrlich wie sich Mutter und Tochter nur mit Blicken gegenseitig angiften. Als Anatol angekommen ist, inspiziert er in Ruhe Wohnung und Einrichtung, bevor Vanessa erkennen muss, dass nicht gekommen ist, den sie erwartet hat. So nimmt das Verhängnis seinen Lauf: Erika, Vanessa Nichte, wird, nach erfolglosem Suizid-Versuch, einsehen, dass sie Anatol nicht für sich gewinnen kann und ihn Vanessa überlassen. Sie bleibt allein im abgeschiedenen Herrenhaus zurück, wird wie ihre Mutter Bilder und Spiegel verhüllen und auf die Rückkehr ihrer grossen Liebe warten.

Bildergebnis für magdeburg vanessa
©Andreas Lander

Kammersängerin Undine Dreissig gibt eine strenge alte Baronin und streut in ihrer Schweigsamkeit herrlich giftige Blicke, die natürlich in erster Linie ihre Tochter Vanessa treffen. Noa Danon gibt mit dramatischem Sopran eine noble Vanessa und überzeugt auf ganzer Linie. Emilie Renard singt eine jugendliche Erika, die manchmal etwas scharf klingt. Richard Furman als Anatol versucht mit Kraft zu überzeugen und hat leider kaum Schattierungen zu Verfügung. Kammersänger Edward Gauntt verkörpert mit all seiner Erfahrung den alten Doktor in nahezu idealer Weise. Paul Sketris und Frank Heinrich ergänzen das Ensemble als Haushofmeister und Diener.

Die Magdeburgische Philharmonie unter Svetoslav Borisov bewältigte Barbers ausserordentlich farbige Partitur weitgehend sehr differenziert und sängerfreundlich, manchmal etwas zu laut. Der von Martin Wagner einstudierte Opernchor des Theaters Magdeburg hat seine umfangreichen Aufgaben, sängerisch wie schauspielerisch, mit Bravour gemeistert.

Eine lohnende, unerwartet positive Bekanntschaft mit einem interessanten Werk.

Weitere Aufführungen:, Sonntag 31.03.2019, 19.30 Uhr; Mittwoch 08.05.2019, 19.30 Uhr

 

15.02.2019, Jan Krobot

 

Diese Seite drucken