29.03.2025: Theater Magdeburg „FIDELIO“ (Wiederaufnahme)
Foto: Michael Tanzler
In der Sachsen-Anhaltischen Landeshauptstadt stand an diesem Abend die Wiederaufnahme der im Mai 2024 neu herausgekommenen Produktion von Beethovens „Fidelio“ am Programm. Zu hören gab es das Werk tatsächlich, sogar in ausgezeichneter Qualität! Zu sehen jedoch nicht: man dachte eher an eine grüne Belangsendung über Klimaaktivisten, Erderwärmung oder Ähnliches ( dabei spielt diese Partei auch in Magdeburg nur eine untergeordnete Rolle im einstelligen Prozentbereich!). Auf dieses Machwerk von Ilaria Lanzino lohnt es sich eigentlich gar nicht näher darauf einzugehen, wenn da nicht im Detail echt lustig-köstliche Effekte auftraten. Zum Beispiel „legte „ sich Marzelline zu „Leonore“ ins Bett – das aber 90 ° aufgestellt war – das heißt die beiden standen ja tatsächlich.. . Florestans Hand kam öfter durch ein Loch im Boden nach oben raus – warum er sein „Gefängnis“ – eine Art Keller vollgerammelt mit schwarzen Mistsäcken- nicht verließ war nicht nachvollziehbar, da zu Beginn seiner Arie ein Junge zu ihm kam, um offenbar ein verloren gegangenes Spielzeug zu suchen und wieder verschwand. Don Fernando erschien zu Beginn des letzten Aufzugs als „Jesus“ (??- in Wien hätte man auch an den legendären „Waluliso“ denken könnnen !) und hielt eine Pappendeckelschild dem Publikum entgegen : „Ihr habt es verbockt“ , wendete es, da stand dann „Bis gleich“ drauf, er verschwand und erschien auf der Bühne ganz hinten, hinter dem Chor. Dort wurde er akustisch verstärkt(!!!), was die Mängel des ohnedies schwachen Bassbaritons noch deutlicher zu Tage treten ließen: eine unmögliche Aktion! Dasselbe galt für die mit schlechtem, hallig brummenden Klang verstärkten Mini-Dialoge: die waren derart rüde zusammengerstrichen; und daß Opernsänger die paar Sätzchen nicht hörbar hätten sprechen können, dafür gab es keinerlei Ansatzpunkte! Bei „Wer ein solches Weib errungen“ begannen sich die in farbenfrohen Kostümen gekleideten Choristen (Opernchor Theater Magdeburg und Magdeburger Singakademie, beide toll in Form!) in Musicalmanier herumzuschaukeln und tänzeln – es war unglaublich! Der am Bühnenrand stehende Pizzaro wurde solange bearbeitet, bis er auch – etwas angewidert – an dem Treiben mitmachte….
Ein Wunder geradezu, daß bei diesem Mummenschanz – manche Kostüme und Frisuren erinnerten an Comic-Figuren – so toll musiziert wurde, daß man die unnötige Bühnenshow links liegen lassen konnte. Das begann mit Svetoslav Borisov am Pult und der prächtig aufspielenden Magdeburger Philharmonie! Eine derart stringente Wiedergabe hätte ich mir hier nicht erwartet –Chapeau! Die aus Bayern stammende Raffaela Lintl sang eine überzeugende Leonore. Sie widerstand der Gefahr ihren angenehm timbrierten doch eher lyrischen Sopran zu forcieren und lieferrte eine ausgezeichnete Leistung ab. Einen technisch exzellenten, heldentenoralen Florestan lernte man in Tilmann Unger kennen, der das „Gott“ aus dem piano anschwellen ließ und die vertrackte Partie auf höchstem Niveau gestaltete. Auch ihn will man gerne wiederhören. Als Dritter in diesem „Ausnahmekleeblatt“, das an jedem großen Haus reüssieren kann schoß Sebastian Holecek als Pizzaro den Vogel ab. Trotz der kasperlhaften „Verkleidung“ brachte er dank seiner Bühnenpersönlichkeit den Charakter des Bösewichts perfekt über die Rampe und schmetterte „Ha, welch ein Augenblick“ begeisternd ins Publikum. Sein mächtiger Bariton klingt frisch wie eh und jeh und ist an Wortdeutlichkeit kaum zu überbieten! Auch Johannes Stermann als Rocco trug mit markantem Baß wie sein Töchterchen Marzelline in Gestalt der quirligen Na’ma Schulman mit klarem, duftigem Sopran zum Erfolg des Abends bei; Adrian Domarecki ergänzte brav als Jacquino.
Schlussapplaus. Foto: Michael Tanzler
Großer Jubel am Schluß – Kompliment dem Theater für die musikalische Umsetzung!
Michael Tanzler