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MAD MAX: FURY ROAD

12.05.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Mad Max~1

Ab 15. Mai 2015 in den österreichischen Kinos
MAD MAX: FURY ROAD
USA, Australien  /  2015 
Regie:  George Miller
Mit: Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Riley Keough u.a.

Noch schriller und lauter, schneller und hektischer, wüster und grausiger, abgefahrener und perverser – wenn der Wettbewerb in der Action-Branche nach diesen Kriterien läuft (und das tut er), dann kann die jüngste Fortsetzung von „Max Max“ da durchaus mithalten. Wen wundert es, waren diese Filme doch immer schon der ultimative Kracher – bereits, als sie vor 35 (!) Jahren über uns hereinbrausten (damals war man noch nicht so viel gewöhnt) und nebenbei Mel Gibson zum Star machen…

Man erinnert sich: Da gab es einen australischen Arzt namens George Miller, der seine wilde Phantasie auch mit Mini-Budget umsetzen konnte. Mad Max bretterte mit schauerlichem Krach und abgründiger Phantasie durch die Wüste und zeigte, wie Apocalypse auf der Leinwand aussehen kann. Die Fortsetzungen; Mad Max 2 und 3 kamen 1981 und 1985, und dann begab sich eine der kuriosesten Entwicklungen Hollywoods – Miller, dort gelandet, drehte nicht nur Spaßiges wie „Die Hexen von Eastwick“, er landete schließlich bei „Schweinchen Babe“. Kein Wunder, dass einen Mann, der heuer 70 wurde, die Sehnsucht nach seinen Anfängen und seinem wahren Wesen überkam…

Er hat allerdings sehr lang am neuen „Mad Max“ gearbeitet, seit über zehn Jahren bastelte George Miller an Teil 4 herum, musste schließlich von Australien nach Namibia umziehen, um das rechte „Wüsten-Endzeit“-Feeling zu bekommen, und das Ergebnis „Mad Max Fury Road“ ist zwar von der Action her wieder, wie man meint, ultimativ, aber die Handlung „hatscht“ ein wenig…

Vor allem, weil der wilde Max, nun in Gestalt von Tom Hardy (an sich als Schauspieler und „harter Mann“ bewährt), nicht das Charisma von Gibson hat (der auch noch „schön“ gewesen ist) – und weil das Drehbuch doch tatsächlich vergessen hat, ihm ausreichend Profil zu verleihen. Gleich zu Beginn wird er von einer Bande entsetzlicher Freaks (glatzköpfig, weißgesichtig, Augenschminke, wildes Prolo-Gehabe – kurz, abstoßend hässlich wie das Meiste an diesem Film) gefangen und in einen Käfig gesetzt. Als er sich befreien kann, gerät er an Furiosa, die harte Lady (sie hat nur einen Arm, der andere ist ein Eisengestell) – und sieh mal an, sie hat fünf junge Frauen im Schlepptau, die reinsten Model-Geschöpfe (dass eine schwanger ist, tut keinen Abbruch), alle auf der Flucht, auf der Suche nach „Frauen-Welten“, die den Max anfangs nicht so recht wollen, dann aber seine Hilfe annehmen.

Mad Max xxx

Von da an geht es – etwas Handlung unterbricht jeweils die Kampf-Action, nicht umgekehrt – auf der Flucht durch die Wüste, man sucht eine Welt des Wassers, der Pflanzen, des Friedens, aber wo es das nicht gibt, herrscht ja bekanntlich das brutalste Gerangel, dauernd fliegt irgendetwas durch die Luft und explodiert lautstark. Keiner kommt zur Ruhe – und Max seinerseits kommt eigentlich nicht mehr so recht zum Zug. Na ja, Miller hat ja noch zwei „Mad Max“-Filme vor, vielleicht beschwert sich Hauptdarsteller Tom Hardy rechtzeitig und tut kund, dass er nicht mehr nur unbeteiligt dreinsehen will…

Die Damen bekommen da weit mehr Möglichkeiten, sich zu präsentieren, Charlize Theron konnte schon in vielen Rollen vermitteln, dass sie keine „Gute“ ist,und  als Furiosa strahlt sie ihre Führungsqualitäten mühelos aus. Die „Five Wifes“ (darunter befindet sich, wie die Regenbogen-Presse jubelte, die Elvis Presley-Enkelin Riley Keough, aber fragen Sie mich bitte nicht, welche der Schönheiten das war) sind die Hingucker der Geschichte, und damit ist ihre Aufgabe erfüllt (sie haben ja auch wenig genug an, zarte Musselin-Fetzchen in rauer Umwelt).

Eine ganze Horde von Bösewichten tummelt sich, aber nur der weißgesichtige Nicholas Hoult als Nux kann sich zwielichtig ein wenig in den Vordergrund spielen.

Der Rest ist, wie bei den originalen Mad Max-Filmen, vor allem auf groteske Art hässlich – und als überwältigende Action perfekt, denn nun kann man ja auch auf Computerkünste zurückgreifen, die vor 30 Jahren noch nicht in dieser Form zur Verfügung standen. Wenn man sich nicht abgewöhnt hätte, sich zu wundern (oder auch zu grausen oder abgestoßen zu sein), man würde manchmal den Kopf schütteln… nicht zuletzt darüber, dass sich nicht alle hier längst den Hals gebrochen haben.

Abgesehen von der perfekten Machart spricht „Mad Max“ wieder ein Segment der Gesellschaft an, denen es gar nicht wild, pervers, exzentrisch und gruftig genug zugehen kann. Das reicht vermutlich für Millionen-Einnahmen.

Renate Wagner

 

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