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MACERATA/ Festival: MACBETH von Verdi

27.07.2019 | Oper

Festival Macerata: Macbeth/Verdi   26.7.2019

Diese Neuinszenierung des Festivals ist Verdis Oper Macbeth, die noch zu seinen früheren Werken zählt, hier in der Regie der Sizilianerin Ema Dante. Obwohl Verdi zum 1.Mal eine total „negative“ Oper über den schottischen General, Emporkömmling und Serienmörder komponiert hat, steht auch hier eher kleinteilige abwechslungsreiche teils heitere Motivik im Vordergrund, die sich nur in den zentralen Stellen beim Königsmord zu mächtig infernalischen Tonballungen zusammenzieht. Die Philharmoniker aus den Marken spielen das phantastisch bis süffig, gerade auch in den Hexenszenen, angetrieben vom Dirigenten Francesco Ivan Ciampa, der auch für den konzisen Simultanklang von Bühnengesang und Orchester sorgt, und der es bei der Inthronisation des neuen Königs Macduff so richtig aufjubeln läßt.

In der Inszenierung arbeitet Dante mit Goldgittern, die ineinander fahren oder auseinander gestellt sind (Bb.: Carmine Maringola). Bei den Besuchen Macbeths bei den Hexen tragen die Tänzerinnen wallende dunkle Gewänder, und ihre langen schwarzen Haare werfen sie immer  über die Köpfe. Die Tänzer, als Faune und Böcke stilisiert, schwängern die Hexen, die im 3.Akt Babypuppen in die Tonnen gebärt haben, die von den Bocksmännern versorgt werden. Macbeth uns später die Lady reiten auf einem Pferdegerippe ähnlich wie Don Quixote. Vielleicht die markanteste Szene Dantes ist die Aufbahrung und Waschung des Leichnams König Duncans, bei der sein Körper immer vornüber kippt, sich aber manchmal wie durch elektrische Ladung plötzlich aufrichtet. Dieser Unschuldige hat wie Christus den Opfertod durch Macbeths Schwert erlitten. Bei der Festszene wird Macbeth auf einem schwindelnd hohen Thron aus Treppengerüsten placiert, was wohl wie ein Synonym für die fatale  Machterschleichung wirken soll.

In der Großen (somnabulen)  Szene der Lady Macbeth  kommen Betten aus allen Richtungen hereingefahren, die sie bedrängen und sie nicht in den Schlaf finden lassen. Bei der Meuchelmordszene sind die Gesichter der Männer schwarz verschleiert wie die durch Haare bedeckten Köpfe der Hexen, während in der Szene des Waldes von Birnam, in der die Schotten dunkle sizilianische Feigen vor sich her tragen, nur deren Gesichter hell ausgeleuchtet sind. Die zeitlosen rot-schwarz gehaltenen Kostüme stammen von Vanessa Sonnino, die (Hexen)choreographien von  Manuela Lo Sicco.

Die Chöre „Vincenzo Bellini“ singen klangkräftig schönstimmig und sind gut in die Choreos eingebunden. Francesco Cusumano ist der super spielende König Duncan. Meuchelmörder, Boten und Erscheinungen werden von Cesare Kwon, Bruno Venanzi und Giulia Gabrielli wiedergegeben. Rodrigo Ortiz ist der Malcolm, Govanni Sala der tenorale Macduff, beide mit sängerischen Qualitäten. Fiammetta Tofoni gibt die Dama der Lady mit gesanglichen Stichworten. Alex Esposito ist ein brachialer Banco mit markantem Bariton. Roberto Frontali gibt eine ausgereifte Titelfigur mit seinem angenehm timbrierten Baßbariton incusive dem Sterbemonolog. Seine Lady ist Saioa Hernandez mit plastisch durchgebildetem und ausgeglichenem Sopran, der bei interessantem Timbre nur manchmal leicht ins Flattern gerät.           

Friedeon Rosén

 

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