Macerata: NABUCCO/Verdi, 26.7.2026, Neuinszenierung

Anastasia Bartoli. Foto: Macerata-Festival
Beim Opernfesitival in Macerata in der historischen Arena Sferisterio, einem ehemaligen Ball-Stadion, wurde heuer Verdis 1.Erfolgsoper Nabucco aufgeführt,
die ihn in Italien berühmt machte, und die 1842, dem Jahr der Uraufführung, dazu beitrug, in Analogie zu den die Freiheit erringenden Israeliten, das italienische Volk im sog. Risorgimento zu vereinigen.
Die Inszenierung hat Paul-Emile Fourny übernommen, der die Gegebenheiten der sehr langezogenen Bühne bei schmaler Tiefe für die sich überstürzenden in Atem haltenden Geschehnisse sehr überzeugend zu umgehen vermag. Zuerst sind es ja nur der Hohepriester der Hebräer Zaccaria,der Neffe des Hebräerkönigs Ismaele und seine Geliebte,die Tochter Nabuccos Fenena, die jetzt beim Eindringen des Babylonierkönigs den Israeliten als Geisel dienen soll, und die dann zum israelitischen Glauben übertritt, die hier markant inszeniert werden. Die Bühne von Benito Leonori bringt im Verlauf grosse Quadersteine ins Bild,die sich an die natürliche Frontmauer der Arena anlehnen,und am Boden gerundet auf diesem abschliessen.In dem Rahmenakten 1 und 4 erscheint die ganze breite Bühnenwand voll mit Grabmalen bedeckt in immer sich ändernder belichteter Anmutung, die somit zu monumentaler Pracht gerät. Die historisch inspirierten phantasievollen Kostüme stammen von Giovanna Fiorentini.
Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Fabrizio Maria Carminati. Die sehr heterogen kleinflächig ‚arrangierte‘ Ouvertüre, die H.W. Henze in Italien zu seinen gelungensten Opern inspirierte, nahm der Dirigent mit dem FORM-Orchestra Filarmonica Marchigiano in teils rasanten und gegensätzlichen Tempi. Natürlich klingt das Orchester in der monumentalen Arena immer etwas zu leise. Der Chor der Hebräer und der Babylonier wurde vom Coro Lirico marchigiano „Vincenzo Bellini“, Maestro: Christian Stranieri gestellt,der sich gut schlug. Im 3.Akt nach dem Sieg und der Zerstörung des Tempels unter der vorübergehend inthronisierten Abigaille, singen die Israelitinnen und Israeliten am Euphrat schaudernd hingebungsvoll ihr „Va pensiero“, das ohne erst gross den Beifall abzuwarten, sofort wiederholt wird.
In den Nebenrollen singen und agieren als grosser Baalspriester bassal Renzo Ran, Simone Fenotti tenoral als Abdulla, Offizier von Nabucco,und Sopran Alessia Camarin als Anna, Schwester des Zaccaria.
Die Fenena wird vom Mezzosopran Laura Verrecchia mit feinem Mezzosopran gestaltet. Der hebräische Hohepriester Zaccaria wird von Alberto Comes mit tiefem voluminös durchdringendem Bass bedeutungsvoll ausgestaltet.
Ein weiterer tenoraler Protagonist charakterisiert die Figur des Ismaele: Alessandro Scotto di Luzio kann in seiner vielseitigen Ausgestaltung auf einen wohltimbrierten Tenor setzen.
Den Nabucco singt mit grossartiger Konsistenz und baritonaler Autorität Ariunbaatar Ganbaatar nach seiner temporären masslosen gottgleichen Selbstilisierung und seiner darauf folgenden Niederstreckung mit Blitzen.

Anastasia Bartoli und Gefolge. Foto: Macerata-Festival
Anastasia Bartoli (nomen est omen) singt die Abigaille mit einem dramatischen Koloratursopran, der seinesgleichen sucht. In ihrer Todesszene zieht sie nochmal alle Register ihres belcanto-phrasierten Soprans mit allen Finessen, die sie für Verdis zwischen allen Stühlen einsam sich verzehrenden Exkönigin prädestinieren.
Friedeon Rosen

