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LUZERN/Theater: HERZOG BLAUBARTS BURG von Bela Bartok (Fassung von Eberhard Kloke)

22.10.2022 | Oper international

Bela Bartok: Herzog Blaubarts Burg • Luzerner Theater • Vorstellung: 21.10.2022

(5. Vorstellung • Premiere am 04.09.2021)

 Fassung für kleines Orchester von Eberhard Kloke

 Koproduktion mit dem LUCERNE FESTIVAL

Ein grosser, grossartiger Theaterabend

Das Luzerner Theater startet mit einer rundum gelungenen Produktion von Bartoks «Herzog Blaubarts Burg» in die neue Saison. Gespielt wird die in Biel am 14.02.2020 uraufgeführte «Fassung für kleines Orchester» von Eberhard Kloke (da die Uraufführungs-Produktion pandemiebedingt nur in wenigen Vorstellungen gezeigt werden konnte, ist sie ab 09.12.2022 wieder bei TOBS zu erleben).

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Foto © Ingo Hoehn

Anika Rutkofsky (Regie) sieht in «Herzog Blaubarts Burg» zwei literarische Figuren kombiniert: Herzog Blaubart, literarisch erstmals bei Charles Perrault festgehalten, und Judith, die als Figur seit dem Alten Testament bekannt ist. Blaubart ist ein Männlichkeitsmonstrum, gewissermassen toxische Männlichkeit in Form eines Perpetuum mobile, einer Maschine, die immer funktionierte, funktioniert und immer funktionieren wird. Judith verkörpert für sie Mut, Entschlossenheit, Bescheidenheit und Schönheit. So läuft bereits die letzte Viertelstunde, wenn das Publikum den Zuschauerraum betritt. Dann beginnt die Oper von vorne, wie ein Perpetuum mobile. Und wenn sich Judith dann am Ende mit ihren sechs Vorgängerinnen in die siebte Kammer zurückzieht, dann stossen die Türen des Zuschauerraums auf, helles Licht dringt hinein und sie stürmen hinaus in die Welt. Rutkofsky bietet nichts weniger als Brechtsches Theater. Hier ist das Theater moralisches Anstalt, will aufrütteln und zum Nachdenken anregen und wenn sie Blaubart mit einer Maschine und die siebte Kammer mit der Welt gleichsetzt, gelingt ihr das auf ganz eindrückliche Art und Weise. Uta Gruber-Ballehr (Bühne und Kostüme) hat Rutkofsky dazu ein halbkreisförmiges Bühnenbild mit sieben raumhohen Segmenten (Türen) geschaffen. Das Licht Marc Hostettlers verschafft der Bühne erst ihre magische Wirkung.

Eine Aufführung von «Herzog Blaubarts Burg» steht und fällt immer auch mit dem Interpreten der Titelrolle. Und der Bass Christian Tschelebiew leistet hier Gewaltiges: praktisch 80 Minuten durchgehend singend auf der Bühne, lässt die Stimme nie nach, bleibt der Text immer verständlich u die Bühnenpräsenz auf höchstem Niveau. Ihm ebenbürtig ist als Judith Solenn Lavanant Linke und so wird der Abend zum grossen Theatererlebnis. Camila Meneses übernimmt als Judith 2 jene Teile der Rolle, die Lavanant Linke auf Grund der szenischen Konzeption nicht selbst singen kann.

Die Statisterie des Luzerner Theaters stellt die sechs Vorgängerinnen Judiths, die Gruber-Ballehrpassend in markante Kostüme verschiedener Epochen kleidet.

Das Luzerner Sinfonieorchester unter Leitung von Jesse Wong bringt Bartoks Partitur konzentriert und farbenreichenreich zur Wirkung.

Ein grosser, grossartiger Theaterabend!

Weitere Aufführungen: 13.11.2022, 17.11.2022, 19.11.2022, 24.11.2022, 27.11.2022 und 07.12.2022.

22.10.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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