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LUZERN/ Theater: EUGEN ONEGIN von Pjotr I. Tschaikowski. Wäsche waschen ist das neue Marmelade kochen

24.10.2022 | Oper international

Pjotr I. Tschaikowski: Eugen Onegin • Luzerner Theater • Vorstellung: 23.10.2022 nachmittags

(3. Vorstellung • Premiere am 30.09.2022)

Wäsche waschen ist das neue Marmelade kochen

Bettina Oberli zeigt am Luzerner Theater einen behutsam modernisierten «Eugen Onegin». Statt Himbeermarmelade gekocht wird nun Wäsche gewaschen.

piotr
Foto © Ingo Hoehn

Bettina Oberli (Regie) folgt in ihrer Inszenierung eng dem Libretto und lässt so den «lyrischen Szenen» den Raum zu atmen. Sie schildert das Geschehen aus der Sicht Tatjanas, die hier eine starke Frau ist, die nach dem Glück selbst und nicht nach der Gewohnheit als Ersatz dafür (so Larina und Filipjewna zu Beginn der Oper) strebt. Alain Rappaport (Bühne) hat Oberli dazu eine trapezförmige Bühne geschaffen, die gleichermassen für Tatjanas Zielstrebigkeit wie ihre Perspektive (verstärkt durch die Einblendung literarischer Figuren zu Beginn; Video: Rebecca Stofer) auf den Lauf der Dinge steht. Die phantasievollen, hoch ästhetischen Kostüme stammen von Laura Locher.

Caroline Vitale gibt eine präsente, stimmschöne Larina und harmoniert perfekt mit Jordanka Milkova als Filipjewna. Eyrún Unnarsdóttir als Tatjana lässt kaum Wünsche offen. Die Briefszene gestaltet sie gleichermassen packend wie die spätere Zurückweisung Onegins. Tatjana weiss, was sie will, und setzt das in eine entsprechende Bühnenpräsenz um. Der Gegensatz zur Olga Marcela Rahals ist dann nicht mehr ganz so deutlich, was aber kein wirklicher Abstrich ist. Jiří Rajniš gibt mit gut geführter Stimme einen rundum überzeugenden Eugen Onegin. Ziad Nehme hat keinen guten Nachmittag erwischt und tönt als Lenski so, als habe er vergessen sich ansagen zu lassen: die Stimme tönt immer wiederunangenehm heiser und ist über weite Strecken kaum unter Kontrolle.  Christian Tschelebiew gibt einen souveränen Fürsten Gremin. Robert Hyunghoon Lee als Saretzki und Hauptmann und Robert Maszl als Triquet ergänzen das Ensemble.

Das Luzerner Sinfonieorchester unter Jesse Wong spielt einen ungemein plastisch klingenden Tschaikowsky, der süchtig machen kann. Mark Daver hat Chor und Extrachor des Luzerner Theaters bestens einstudiert.

Eine rundum erfrischende Produktion.

Weitere Aufführungen:

Fr. 04.11.2022, 19.30-22.15; Fr. 11.11.2022, 19.30-22.15; Sa. 03.12.2022, 20.00-22.45;

Mo. 05.12.2022, 19.30-22.15; Fr. 16.12.2022, 19.30-22.15; Do. 22.12.2022, 19.30-22.15;

Mo. 26.12.2022, 20.00-22.45.

24.10.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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