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LUGANO (und Umgebung): TICINO MUSICA FESTIVAL

28.07.2021 | Konzert/Liederabende

LUGANO (und Umgebung): TICINO MUSICA FESTIVAL

File:Ticino Musica Festival Logo.png - Wikimedia Commons

vom 19.7. – 25.7.2021

Voller Glück, nach dem langen Lockdown wieder stattfinden zu können, feierte das TICINO MUSICA FESTIVAL heuer sein 25jähriges Jubiläum. 1996 vom ungarischen Meisterfagottisten Janos Meszeros gegründet, ist es kein Festival wie jedes andere. Seine Besonderheiten sind die drei Säulen, auf denen es ruht: die Meisterklassen international erfolgreicher Solisten (mit ca.360 Teilnehmern aus der ganzen Welt), die Konzerte eben dieser „alten“ Meister (die im weiteren Verlauf des Festivals durch gemeinsame Konzerte mit den „jungen“ Meister ergänzt werden) und die Tatsache, dass die Veranstaltungen die über den ganzen Kanton Tessin verteilt stattfinden.

Diese Festivalformel hat mehrere Vorteile: erstens kann man sicher sein, an jedem Abend ein höchst fachkundiges und interessiertes und total motiviertes Publikum vorzufinden, zweitens lernt man ungewöhnliche Instrumentenkombinationen und dadurch (fast ausschließlich) Werke der Musikliteratur kennen, die sonst nicht so einfach Eingang in den Konzertbetrieb finden und drittens erhöht auch das Aufsuchen atmosphärischer Spielstätten(Rovio, Morcote, Monte Carasso, Ligornetto, Ascona, Mesocco,Sorengo, Canobbio, Giubiasco, Mendrisio etc.) Reiz des Ganzen noch einmal zusätzlich.

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Vittorio Ghielmi und Luca Pianca. Foto: Robert Quitta

Der Auftakt fand in der Aula Magna des renommierten Conservatorio di Musica della Svizzera Italiana (einem ehemaligen Priesterseminar) statt und wurde vom Meisterlautisten Luca Pianca (jahrzehntelanger Mitstreiter Nikolaus Harnoncourts, Mitbegründer des „Giardino Armonico, häufiger Gast im Wiener Konzerthaus) und dem Meistergambisten Vittorio Ghielmi (Echo Classic Gewinner, Chef des Ensembles „Il Suonar Parlante“, Professor für Viola da Gamba am Salzburger Mozarteum) gestaltet. Marin Marais kennt man ja noch ein wenig, aber Robert de Visée und Antoine Forqueray sind doch eher nur wirklich Eingeweihten ein Begriff und also echte Ohrenöffner.

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Carlo Marquez (Gitarre)  in der Carl Borromeo-Kirche. Foto: Robert Quitta

In der wunderschönen San Carlo Borromeo-Kirche (einem entzückenden Juwel, versteckt in der Luxuseinkaufsmeile im Stadtzentrum Luganos) gab der Argentinier Pablo Márquez am nächsten Tag ein Gitarren-Recital, was ja an und für sich auch selten genug vorkommt. Und Kompositionen von Fernando Sor oder Manuel Ponce werden ja auch nicht jeden Tag aufgeführt.

Noch unpopulärer als die Gitarre ist ja nur noch das Fagott. Der 25jährige Andrea Cellacchi, der trotz seines zarten Alters schon alle Wettbewerbe gewonnen hat, die es diesbezüglich gibt, präsentierte uns die erstaunlich vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten dieses B-Liga-Instruments mittels Kompositionen von Henri Dutilleux, Ivan Eröd, Alexandre Tansman, Astor Piazzolla und Antonio Torriani.

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Nonette spielt Nonette. Foto: Robert Quitta

Den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 25jährigen Jubiläum von TICINO MUSICA stellte aber ohne Zweifel die Aufführung der Nonette von Bohuslav Martinù, Nino Rota und Louis Spohr dar. Gabor Meszaros, Sohn des Gründervaters und mittlerweile nicht nur seinerseits Meisterfagottist, sondern auch künstlerischer Direktor des Festivals, hat dafür weitere acht Solisten-Koryphäen(Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass, Flöte, Oboe, Klarinette und Horn) um sich versammelt. Das daraus resultierende Klangerlebnis ist derart eindrücklich, dass man ausnahmsweise geneigt ist, dem diesbezüglichen Pressetext recht zu geben: ja, man meint aufgrund der hochkarätigen Besetzung des Ensembles wirklich, ein Miniatur-Symphonieorchester vor sich zu haben.

Für nächstes Jahr will Meszaros jr. sogar ein „echtes“ Festival-Symphonieorchester gründen. Wir wünschen ihm viel Glück dabei und TICINO MUSICA weitere 25 glorreiche Jahre…

Robert Quitta, Lugano

 

 

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