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LUDWIGSBURG/ Schlossfestspiele/ Ordenssaal: Michael Barenboim und das Nasme Ensemble. Kulturelle Gegenströmungen

19.06.2026 | Konzert/Liederabende

Michael Barenboim und das Nasme Ensemble am 18.6.2026 im Ordenssaal bei den Schlossfestspielen/LUDWIGSBURG

Kulturelle Gegenströmungen

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Nasme-Ensemble. Copyright: Nasme

Musik mit palästinensischen Verbindungen stand bei diesem bemerkenswerten Konzert im Mittelpunkt. Zu hören war zunächst das ausdrucksvolle „Andante meditativo“ für Streicher von Salvador Arnita. Der langsame Satz stammt auch aus der ersten von Arnitas drei Sinfonien. Es ist ein harmonisch reiches und feinsinniges Werk voller Charakterisierungskunst. Ein konservativer und spätromantischer Stil herrscht vor, den das gut aufeinander abgestimmte Ensemble ausgezeichnet betonte. Auch die Zugabe „Allegretto Pastorale“ von Arnita war ähnlich gestrickt. Danach musizierte das Nasme Ensemble mit Ibrahim Alshaikh (Klarinette), Michael Barenboim & Hisham Khoury (Violine), Katia Abdel Kader (Viola), Genwa Khazin (Violoncello) und Fadwa Qamhia (Kontrabass) dynamisch sehr ausgewogen das Klarinenettenquintett in A-Dur KV 581 von Wolfgang Amadeus Mozart. Der Klangzauber dieses Meisterwerks kam hier voll zur Geltung. Die reizvollen Farbmischungen zwischen dem Blasinstrument und seinen Registerunterschieden blitzten in facettenreicher Weise hervor. Synkopierte Harmonien mit Cello-Pizzicati prägten den eröffnenden Sonatensatz in ansprechender Weise. Kontrapunktische Verästelungen bis hin zum vierstimmig dichten Satz des Hauptthemas schufen eine ausgewogene Klangbalance. Weitgespannte Melodiebögen der Klarinette beherrschten einfühlsam den zweiten Larghetto-Satz, dessen seelische Regionen voll ausgekostet wurden. Das melancholische Trio in a-Moll im Menuett stach besonders markant hervor. Schlichtheit und Kunstfertigkeit dominierten dann im Finalsatz mit seinen kunstvollen Variationen. Die vierte Variation mit ihrer temporeichen Allegro-Beschleunigung des Themas faszinierte mit elektrisierender Prägnanz. Dann begeisterte die geradezu leidenschaftliche Wiedergabe des „Gran Quintetto“ in c-Moll op. 99 von Giovanni Bottesini, dem „Paganini des Kontrabasses“. Die kunstvollen Melodien der italienischen Belcanto-Oper vermischten sich hier nuancenreich mit raffinierter Harmonik und sicherem Gespür für die Spieltechnik. Da wurde der Musik regelrecht nachgelauscht. Die Violinstimme agierte überaus virtuos und solistisch – nicht nur bei der kadenzartigen Einleitung. Die Tonart wechselte klangfarbenreich von c-Moll nach heiterem Dur. Das Ende folgte als marschartiges Fughetto in triumphierendem C-Dur! Die Balfour-Deklaration spielte im Leben von Salvador Arnita und Kareem Roustom eine wichtige Rolle, mit der die Schaffung einer „nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“ in den schon lange von arabischen Muslimen und Christen bewohnten Gebieten in Aussicht gestellt wurde. Von dem 1971 in Damaskus geborenen Kareem Roustom erklangen dann zum Abschluss die eindrucksvollen „Palestinian Songs & Dances“ für Klarinette und Streichquartett, wo die volksmusikalischen Quellen neu erkundet und klangfarblich in reichem Maße hörbar gemacht werden. Im ersten Satz „Oh, You on the Mountain“ weckten klagende Triller Erinnerungen an die Lieder der Widerstandskämpfer während der britischen Besatzung Palästinas. In „Blessed Are Your Wedding Garments“ entfaltete sich in gleichmäßigem Rhythmus ein lebendiger Dialog zwischen Klarinette und erster Violine. „Dance of the Mijwiz“ erinnerte an den kraftvollen Klang eines in Syrien, Libanon und Palästina verbreiteten Doppelrohr-Blasinstruments mit Dämpfern aus Alufolie, die an den Stegen der Streichinstrumente und am Becher der Klarinette befestigt sind. Der letzte Satz basierte auf palästinensischen Hochzeitsliedern und wurde erfrischend musiziert. Begeisterter Schlussapplaus! 

Alexander Walther

 

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