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LUDWIGSBURG/ Forum Schlosspark: Orchestre Francais des Jeunes unter Michael Schonwardt. Musik voll Sinnlichkeit

14.12.2022 | Konzert/Liederabende

Orchestre Francais des Jeunes im Forum am Schlosspark am 13.12.2022/LUDWIGSBURG

Musik voll Sinnlichkeit

 Am 9. September 1962 hielt der französische Präsident Charles de Gaulle seine berühmte „Rede an die deutsche Jugend“ im Ehrenhof des Ludwigsburger Residenzschlosses. Den Abschluss des 60jährigen Jubiläums der deutsch-französischen Beziehungen bildeten zwei Konzerte in Paris und Ludwigsburg. Mit seinem Chefdirigenten Michael Schonwandt gastierte nun das Orchestre Francais des Jeunes im Forum am Schlosspark.

Das abwechslungsreiche Programm startete mit der Ouvertüre caracteristique für großes Orchester „Der römische Karneval“ op. 9 von Hector Berlioz. Michael Schonwandt arbeitete mit dem elektrisierend und feurig musizierenden Orchester die mitreissenden und bunt-bewegten Klangelemente präzis heraus. Dieser Karnevalsgeist besteht hier aus Themen der Oper „Benvenuto Cellini“. In dem schillernden Faschingstrubel fehlte es nicht an zarter Liebesschwärmerei, die unmittelbar zum Vorschein kam. In dem ausgelassenen Maskentreiben verirrte sich der Hörer in immer neuen und rasanteren Einfällen. Man erinnerte sich an den Ausspruch von Robert Schumann über Hector Berlioz: „Wie ein Wetterstrahl leuchtet er, aber auch einen Schwefelgestank hinterlässt er.“ Die ausdrucksvolle Mezzosopranistin Adele Charvet interpretierte dann zusammen mit dem Orchestre Francais des Jeunes unter Michael Schonwandt das in Deutschland selten zu hörende „Poeme de l’amour et de la mer“ op. 19 von Ernest Chausson, der ein großer Wagner-Anhänger war. Dies zeigte sich auch im Forum deutlich in der melodramatischen Behandlung von Singstimme und Orchester, die der Klangsinnlichkeit und schwärmerischen Fülle dieser Musik in mehr als einer Hinsicht gerecht wurden. Liebeshoffnung und -entsagung traten in mächtigen dynamischen Steigerungen hervor. Und auch die formale Klarheit der harmonischen Struktur gelang dem jungen Ensemble ausgezeichnet. Dieses vertonte „Gedicht von der Liebe und dem Meer“ erzählt von einem Mädchen, das einen Schiffer bittet, sie an die Gestade der Treue zu bringen. Der Mann legt ihr die Meere und die ganze Welt zu Füßen. Von der Komponistin Lili Boulanger erklangen anschließend die beiden Orchesterlieder „D’un matin de printemps“ und „D’un soir triste“, wo in harmonisch sehr differenzierter Weise Naturstimmungen zum Ausdruck kommen. „Von einem traurigen Abend“ scheint in erster Linie das eigene Schicksal der Komponistin zu schildern, die bereits als 24jährige im Jahre 1918 in Paris aufgrund ihrer angegriffenen Gesundheit starb. Auch hier schimmern die Einflüsse ihrer Lehrer Gabriel Faure und Louis Vierne deutlich hervor. Lyrische Intimität und zarte harmonische Durchsichtigkeit wechseln sich mit fast schon impressionistischen Abschnitten ab. Manchmal blickt man auch ganz gezielt in die Moderne.

Das vorzüglich musizierende Orchestre Francais des Jeunes unter der impulsiven Leitung von Michael Schonwandt betonte die klangliche Vielseitigkeit und den geradezu magischen Zauber dieser Kompositionen in ganz ausgezeichneter  Weise. Zum Abschluss erklangen noch die Suiten Nr. 1 und 2 aus dem Ballett „Daphnis et Chloe“ von Maurice Ravel. Meistens wird nur die zweite Suite gespielt, obwohl auch die erste mit ihren Abschnitten „Nocturne“, „Zwischenspiel“ und „Kriegstanz“ klanglich sehr wirkungsvoll ist.  Hervorragend interpretierte das  Orchestre Francais des Jeunes unter Schonwandt vor allem die ausdrucksvolle Nymphenszene des Nocturnes. In der zweiten Suite wurden die sphärenhaft-ätherischen Episoden des Tagesanbruchs ebenso präzis getroffen wie der „Allgemeine Tanz“ mit dem Bacchanal. Impressionistische Farbtönungen und sich in raffinierter Weise verschlingende Motive stachen in besonderer Weise hervor.  Man spürte, auf welch brodelndem klanglichem Vulkan man sich befand. Als Zugabe war noch der überaus rasant musizierte „Fröhliche Marsch“ von Emmanuel Chabrier zu hören. Das Orchestre Francais des Jeunes feiert in diesem Jahr sein 40jähriges Jubiläum.

Alexander Walther 

 

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