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LUDWIGSBURG/ Forum Schlosspark: MOULIN ROUGE mit dem Royal Winnipeg-Ballet Canada

09.10.2015 | Ballett/Tanz

„Moulin Rouge“ mit dem Royal Winnipeg Ballet Canada im Forum am Schlosspark Ludwigsburg

EIFERSUCHTSTRAGÖDIE MIT TRAGISCHEM AUSGANG

Royal Winnipeg Ballet Canada im Forum am Schlosspark am 8. Oktober 2015/LUDWIGSBURG

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Copyright: Bruce Monk

Unter der impulsiven künstlerischen Leitung von Andre Lewis wurde hier in glitzernden Bildern die zauberhafte Atmosphäre von Paris als Stadt der Liebe beschworen. Das Pariser Lebensgefühl wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Cabaret Moulin Rouge gefeiert, das auf der Bühne in überdimensionaler Größe immer wieder zu sehen war. Daneben nahm man im Hintergrund auch den Eiffelturm wahr. Cancan-Tänzerinnen, Bohemiens und Vergnügungssüchtige gaben sich dabei ein rasantes Stelldichein. Der einfallsreiche Choreograf Jorden Morris inszenierte hier mit Kanadas traditionsreichster Ballettkompanie einen Tanz am Abgrund, der von elektrisierender Wirkungskraft war. Im Mittelpunkt des tragischen Geschehens standen der von Dmitri Dovgoselets nuancenreich verkörperte mittellose Dichter Matthew und die von ihm heftig umschwärmte Nathalie (ausdrucksstark: Jo-Ann Sundermeier). Beide versanken rettungslos in einem Strudel von Absinthräuschen und Intrigen. Als Matthews Rivale trat der von Liang Xing exzellent getanzte Zidler in Erscheinung, der das Liebespaar oftmals wie in Tschaikowskys „Schwanensee“ der böse Zauberer Rotbart heftig bedrängte. Zuletzt schmiedete Toulouse (Yosuke Mino) einen Plan für Matthew, der sich als Kellner verkleiden und sich so wieder ins Kabarett schleichen sollte. Doch dann ging alles schief, was auf der Bühne in einer szenischen Explosion zu sehen war, die zum dramatischen Höhepunkt dieses Abends wurde. Denn der heftig eifersüchtige Zidler entdeckte das Liebespaar und wurde wütend. Doch bei der Konfrontation wurde nicht Matthew, sondern Nathalie durch Zidlers Pistolenschuss tödlich verwundet. Ein höchst emotionaler Schluss. Nathalie starb in Matthews Armen. Auch die Musik von Johann Strauß („Unter Donner und Blitz“) und Claude Debussy („Clair de lune“) passte bestens zum szenischen Geschehen. Der seelische Kreis und das kunstvolle Zerfließen ins Symbolische wurden hier tänzerisch sehr kunstvoll umgesetzt. Das gleiche gilt für Maurice Ravels Klavierkonzert mit den vorwärtstreibenden Energien und dem tänzerischen Rhythmus. Die schlichte Klaviermelodie prägte sich als Liebesthema tief ein, von mattschimmernden Arabesken umspielt. Überhaupt spielt die Musik bei dieser Choreografie eine entscheidende Rolle. Weitere Nummern von Edith Piaf, Louis Guglielmi, Kim Gannon, Hubert Giraud, Emmanuel Chabrier, Franz Lehar oder Jacques Offenbach („Can Can“) passen sich dem typischen Pariser Flair bestens an. Manuel Rosenthal, Jules Massenet, Jacques Ibert, Dimitri Shostakovich, Shelly Bridges sowie die eingängigen Tango-Rhythmen von Astor Piazzolla hinterließen im Forum weiterhin einen tiefen visuellen Eindruck, der sich ständig verstärkte. Facettenreich waren in Ludwigsburg ebenso jene Szenen, wo Toulouse-Lautrec Matthews Malereien mit ziemlich harten Äußerungen kritisierte. Auch jene Szene, wo Zidler Nathalie in einen kalten, dunklen Probenraum brachte, wo sie von den Tänzerinnen eingeschüchtert wird, besaß heftiges Feuer. Die Liebesszenen mit Nathalie und Matthew im Tango Cafe gipfelten in einem rauschhaften Pas de deux, der immer feuriger wurde. Choreografisch nuancenreich wirkte außerdem jene Passage zu Beginn, wo Matthew von Zigeunern ausgeraubt wird. Aus dem riesigen Ensemble sind Sophia Lee als Tango Fairy, Yayoi Ban als Mome Fromage und Elizabeth Lamont als Portrait Model stellvertretend zu erwähnen.

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Copyright: Bruce Monk

 

Für das gesamte Ensemble gab es begeisterten Schlussapplaus. „Moulin Rouge – The Ballet“ wurde übrigens allein 2010 von knapp 50.000 Menschen in ganz Nordamerika gesehen und mit Ovationen bedacht. Zwischen Liebe und Ehrgeiz erscheint Paris hier als Stadt des 19. Jahrhunderts voller Widersprüche, was die Choreografie von Jorden Morris und das Bühnenbild von Andrew Beck immer wieder eindringlich unterstreichen (Kostüme: Anne Armit und Shannon Lovelace).

Alexander Walther       

 

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