Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

LUDWIGSBURG/ Forum Schlosspark: KAMMERORCHESTER BASEL MIT KIT ARMSTRONG (Klavier)

06.10.2016 | Konzert/Liederabende

Kammerorchester Basel mit Kit Armstrong im Forum am Schlosspark Ludwigsburg

MIT BREITEM SCHWUNG

Kammerorchester Basel mit dem Pianisten Kit Armstrong am 6. Oktober 2016 im Forum am Schlosspark/LUDWIGSBURG

2016_10_06_Kit Armstrong und Kammerorchesterbasel_c_Irène Zandel
Kit Armstrong. Copyright: Irene Zandel

Dass Franz Schubert reizvolle Ouvertüren im italienischen Stil schrieb, machte das durchaus zupackend musizierende Kammerorchester Basel unter der inspirierenden Leitung von Vlad Stanculeasa bei Schuberts Ouvertüre in B-Dur D 470 deutlich, wo die thematischen Zusammenhänge einfühlsam hervorgehoben wurden. Neben der schmiegsamen Harmonik fielen die Akkorde auf, die aus fremdesten Tonarten facettenreich eingeflochten wurden. Der kontrapunktische Feinschliff trat bei dieser Wiedergabe deutlich hervor. So entstand ein milder und tief berührender Klangzauber. Der 1992 in Los Angeles geborene Pianist Kit Armstrong bewies bei Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nr. 12 A-Dur KV 414 seinen Sinn für transparente Ausdruckskraft, Eleganz und Innigkeit. Die Kopfthemen drängten bei seiner Interpretation energisch vorwärts und verdichteten sich mit harmonischer Vielschichtigkeit. Dieser Eindruck verstärkte sich noch erheblich bei der insgesamt überzeugenden Wiedergabe von Mozarts Klavierkonzert Nr. 25 C-Dur KV 503, wobei er die Nähe zum c-Moll-Konzert dezent betonte. Das Kammerorchester Basel begleitete ihn hier mit fließender Bewegungskraft und leidenschaftlichem Musizierstil, dessen Emotionen man aber noch steigern könnte. Mit Trompetenglanz meldete sich das Allegro maestoso, wobei der Marschcharakter siegessicher wirkte. Vor allem das zweite Thema war davon beherrscht, das aus harmonischen Schwankungen entstand. Bei der Gestaltung der Themenbildung ließen Haydn und Mozart grüßen. Eindrucksvoll betont wurde bei dieser Interpretation der geheimnisvolle Wandel von Moll nach Dur, dessen dynamische Kontraste sich tief einprägten. An Schubert erinnerte bei dieser Aufführung die Akzentuierung der vielgestuften Harmonik, die Kit Armstrong als umsichtiger Pianist in bewegender Weise gestaltete. Er war bei dieser Interpretation immer wieder die treibende Kraft, spornte das Orchester machtvoll an. Alles schillerte geheimnisvoll zwischen Dur und Moll, feingliedrig und straff erschienen die Themen. Sie wurden von Solist und Orchester gleichermaßen nuancenreich durchleuchtet. In sich ruhte dann das Andante, dessen innere Gegensätzlichkeit aber überwunden wurde. Sehr schön gelang dabei die Steigerung im Mittelteil, wo sich Weite und Tiefe des Gefühls wie im vorherigen Klavierkonzert Nr. 12 ausbreiteten. Eine muntere Melodie beherrschte das abschließende Allegretto-Rondo, dessen Elan sich mit leidenschaftlichem Aufbegehren meldete. Kit Armstrong erhielt übrigens 2010 beim Schleswig-Holstein Musik Festival den „Leonard Bernstein Award“. Er ist ein Schüler von Alfred Brendel. Zuletzt erklang unter der schwungvollen Leitung von Vlad Stanculeasa Franz Schuberts Sinfonie Nr. 5 in B-Dur D 485, die im Jahre 1816 entstand. Ihre kleine Besetzung ohne Klarinetten (und vom Blech nur zwei Hörner) gilt eigentlich einem Liebhaberorchester. Haydn und Beethoven meldeten sich auch bei dieser Interpretation, die lichte Frische und Heiterkeit atmete. Insbesondere das elastisch-kecke Kopfthema entfaltete sich wie von selbst. Auch das kapriziöse Seitenthema konnte sich stilvoll behaupten. Manchmal fehlte bei der Wiedergabe Wärme und Innigkeit, aber das geheimnisvolle Zwiegespräch zwischen den Violinen und der Oboe und Flöte berührte die Zuhörer. Die Bewegung der mittleren Streicher ging hier fast etwas unter. Noch energischer hätte das dunkle Moll-Menuett auftreten können, von dem sich das Ländler-Trio in Dur sphärenhaft abhob. Sprudelnde Lustigkeit beherrschte das mitreissende Finale, dessen rasantes Kopfthema an „Papa Haydn“ erinnerte.

Alexander Walther

 

Diese Seite drucken