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LUDWIGSBURG/ Akademie für Darstellende Kunst: NIKEIA – „Bacon“ mit der Dance Company Nanine Linning

Abgründe der menschlichen Seele

27.10.2018 | Ballett/Tanz

„Bacon“ mit der Dance Company Nanine Linning in der Akademie für Darstellende Kunst am 26. Oktober 2018/LUDWIGSBURG

ABGRÜNDE DER MENSCHLICHEN SEELE

Francis Bacon malte die Abgründe der menschlichen Seele in meisterhafter Weise. Auf den riesigen Bildern des Briten sind die Grausamkeiten des Menschen drastisch dargestellt worden. Die niederländische Choreographin Nanine Linning ergründet in ihrer hervorragenden Arbeit „Nikeia“ das unbeschreibliche Leiden, das von diesen Bildern ausgeht. Die Körper der Tänzerinnen hängen herab, man vernimmt Tierstimmen von Raubtieren, Eseln und Schweinen. Die tierischen Instinkte werden hier in suggestiver Weise auch tänzerisch geweckt. Überdimensionale Gesichter von Hunden bedecken immer wieder die Leinwand, dann geht die Fahrt durch einen imaginären Nebel-Raum unentwegt weiter. Die Tänzer sollen ihre eigenen Grenzen überschreiten.

Unter Linnings Leitung ist die Truppe des Heidelberger Theaters ins Zentrum des künstlerischen Geschehens gerückt. Diese Bilder wirken immer wieder stark und unmittelbar. Wenn die Menschen von der Decke hängen, merkt man dann ganz deutlich, wie die Angst auf den Körper wirkt. Aber die Choreographin forscht auch unermüdlich nach Verständigung. Manche Sequenzen wirken hier malerisch verfeinert, andere sehr aggressiv. Immer wieder scheinen sphärenhafte Grenzen überschritten zu werden, Gefühlswelten geraten außer Kontrolle. Expressivität und tänzerische Ausgelassenheit wechseln sich ab. Man sieht eine Toilette, in der der Kopf einer Tänzerin einfach verschwindet. Sie kämpft verzweifelt mit dem Gegenstand – immer wieder eingehüllt von einem Nebel- und Wolkenmeer. Stellenweise scheint man auch das Weltall zu erkennen. Die Körper verschmelzen hier miteinander, sind aneinander gekettet, befreien sich aber auch wieder aus ihrer Starrheit. Dreizehn Jahre nach seiner Entstehung ist das mehrfach preisgekrönte Stück mit neuem Licht- und Videodesign auf die Bühne zurückgekehrt.

Alexander Walther

 

 

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