Weihnachtskonzert der Linzer Sing-Akademie in der Ursulinenkirche: „Wie schön leucht´ uns der Morgenstern“ am 21.12. 2025
Ja, wahrlich schön, bei dem Weihnachtskonzert der Linzer Singakademie am vierten Adventsonntag in der bis auf die Stehplätze vollen Ursulinenkirche. Etliche Gesangsensembles stellen ihre Programme meist unverändert auf die weihnachtliche Zeit ein. Alexander Koller von der Singakademie schlug diesmal andere Seiten in seiner vielfältigen Repertoiresammlung auf. Er schulte die fähigen Damen und Herren seines Chores in die Vortragskunst der Alten Musik ein und weckte dafür die volle Begeisterung seines lerneifrigen Ensembles. Weihnachtliche Motetten von Michael Praetorius, Hermann Schein und Hans Leo Haßler, hervorragend begleitet auf Originalinstrumenten durch das Schweizer Bläserensemble Capella Helvetica unter der Leitung von Katharina Haun, erfreuten das Publikum eine gute Stunde lang und versetzten es in eine wohl selten so intensive Festtagsstimmung. Aber die Bereicherung dieser Musikstunde bot noch mehr Überraschungen. Nämlich die gar nicht so selbstverständliche Vortragskunst zu beherrschen, die die typischen Merkmale beim Übergang von der Renaissancezeit zum Frühbarock offenlegen. Denn genau dieses Phänomen forderte die Einstudierung des anspruchsvollen Programmes und stellte die Interpreten vor hohe Ansprüche. So wechselte der Chor bei seiner Doppelchörigkeit mehrmals die Stellung auf der Bühne, wanderten die Stimmen zugunsten der Klangbildung, was vielleicht nur musikgeschichtlich kundigen Besuchern nicht neu sein dürfte. Die Mehrchörigkeit in der Alten Musik wurde schon früher als typisch venezianisch empfunden, erfuhr aber später weitere Entwicklungsstufen. Prachtvolle Klangentfaltung unter Einbezug von Instrumenten, starke Kontraste, Wiederholungen und lebhafte Rhythmik setzten Maßstäbe und wurden zur Bewunderung erfüllt. Der Hauptanteil des Konzertes lag bei den vokalen Werken von Praetorius, dessen Bedeutung für die Musikwissenschaft nicht zu überhören ist. Unsere Kenntnisse von der frühbarocken Musik, des Instrumentariums und der Aufführungspraxis wären ohne Verdienste des thüringischen Pastors nur bruchstückartig vorhanden. Werke von Johann Hermann Schein und Hans Leo Haßler sorgten für instrumentale Erlebnisse. Der letzte Ton gehörte dem Publikum, mit dem gemeinsam die Singakademie, den Kirchenraum umzäunend, „Es ist ein Ros entsprungen“ in homogener Eintracht intonierte.
Georgina Szeless
Kulturjournalistin

